Til Schweiger: Sex, Krisen, Schlagzeilen
Der neue Film "Keinohrhasen" ist eine großartige Beziehungskomödie, bei der sogar Männer Spaß haben. Til Schweiger und Nora Tschirner geben dem jeweils anderen Geschlecht Nachhilfe und verraten dabei persönliche Erfahrungen.
Von Annette Utermark und Andrea Hacke
MAX: Herr Schweiger, in Ihrer Beziehungskomödie "Keinohrhasen" zitiert Wladimir Klitschko ein russisches Sprichwort: "Selbst wenn Frauen aus Glas wären, blieben sie undurchsichtig." Inwiefern helfen Sie mit Ihrem Film den Männern, die Frauen zu verstehen?
Schweiger: Dem Sprichwort kann ich nur beipflichten, aber manchmal muss der Mann nur wissen, wie er die Frau zu verstehen hat. In meinem Film können die Männer zum Beispiel lernen, welche Fehler sie beim Cunnilingus, also beim Oralverkehr, tunlichst vermeiden sollten.
MAX: Haben Sie die Szene geschrieben, in der der Mann eine Frau oral befriedigen muss?
Schweiger: Nein, die stammt von Annika Decker, mit der ich das Drehbuch geschrieben habe. Annika hatte zu dem Thema irgendwann einen dreiseitigen Essay verfasst und Männer dabei in zwei Kategorien eingeteilt: den Wühler und den Picker. Als ich das las, habe ich mich totgelacht. Das musste mit ins Drehbuch. Als dritter Typ kommt noch der Mann dazu, der eine Frau nie oral befriedigt. Frauen lachen bei der Szene übrigens am lautesten, als würden sie sagen wollen: "Endlich bringt es mal einer auf den Punkt."
Tschirner: Und die Männer machen sich im Kopf sofort Notizen, was sie in Zukunft beachten müssen.
MAX: Herr Schweiger, haben Sie auch noch etwas Neues erfahren?
Schweiger: Rückblickend gab es vielleicht die eine oder andere Situation, in der ich mich anders hätte verhalten sollen. Schon beim Casting meinten ganz viele Schauspieler zu der Szene, dass sie etwas Neues gelernt hätten. Und ich würde auch sagen: Ich bin noch etwas besser geworden.
MAX: Frau Tschirner, Sie zeigen sich im Film mehrmals nackt. Brauchte es viel Überredungskunst, um Sie so zu filmen?
Tschirner: Im Drehbuch stand, dass ich bei offener Tür auf dem Klo sitzen sollte, während der Typ, mit dem ich gerade die erste Nacht verbracht habe, noch schläft. Würde er wach, könnte er mich so sehen. Die Szene hat mich sofort überzeugt, weil es so eine Klassikersituation ist. Natürlich fiel es mir trotzdem nicht leicht, das zu spielen. Es ist halt was anderes, wenn zwei Körper in einer Sexszene miteinander verschmelzen und dabei toll ausgeleuchtet werden, oder wenn man nackt an einer Tür zerrt beziehungsweise ohne Körperspannung auf dem Klo hockt.
MAX: Fallen Ihnen Nacktszenen generell schwer?
Tschirner: Das kommt wirklich auf die Situation und das jeweilige Team an. An sich fangen die Leute ja immer schon einen Tag vor einer Nacktszene an, sich komisch zu verhalten und rumzudrucksen. Aber zum Glück waren bei "Keinohrhasen" alle sehr entspannt. Und Til gab mir das Vertrauen, dass es super läuft. Das war auch für andere Szenen hilfreich. "Keinohrhasen" war der erste Film, bei dem ich aus der Geschichte heraus auf Knopfdruck heulen konnte. Sonst musste ich mich stundenlang in die Situation reinfühlen und mich erst in eine schlechte Stimmung bringen.
MAX: War das Vertrauen im Team von Anfang an da, oder haben Sie die schwierigen Szenen erst zum Ende der Dreharbeiten gemacht?
Schweiger: In einer deutschen Produktion kann man keine Rücksicht darauf nehmen, solche Szenen erst zu drehen, wenn schon alle Händchen haltend zusammensitzen.
Tschirner: Die heiklen Szenen werden sogar viel eher zu Beginn gedreht, damit sich die Befindlichkeiten zwischen den Schauspielern gar nicht erst aufbauen können.
MAX: Herr Schweiger, Sie spielen den skrupellosen Boulevardreporter Ludo, der nach Geschichten wie nach Frauen giert und sich auch mal nicht an einen One-Night-Stand erinnern kann. Inwieweit ist das Drehbuch autobiografisch?
Schweiger: (lacht) Ein wenig will ich mein Privatleben ja schon noch schützen, aber um Ihre Frage zu beantworten: Ja, das ist mir auch schon passiert.
MAX: Und die Szene, in der die Frau beim Sex einschläft?
Schweiger: Ja, auch das. Ich dachte damals, das glaube ich jetzt nicht. Aber ich muss zu ihrer und meiner Entschuldigung sagen, dass wir ziemlich betrunken waren. Trotzdem hatte ich mir die Nacht anders vorgestellt. Als ich dann einem Kollegen davon erzählte, was mir passiert ist, erzählte der die unfassbare Geschichte, dass sich mal eine Frau, die beim Sex oben saß, auf ihn übergeben hat! Das musste dann natürlich auch in den Film. Es sind durchweg Geschichten, die Freunden und Bekannten passiert sind.
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Leser-Kommentare (22)
erweiternd
Schweiger ist eine eigenartige Mischung: als Acionheld wäre er zwar prädestiniert durch sein Aussehen, aber kommt immer recht fade herüber. Seine wahre Stärke liegt in eben diesen Liebeskommödien, Herz und Schmerz, und da finde ich auch seine Stimme, die zu recht in anderen Rollen kritisiert wird, wirklich charmant. Weiter so!
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Keinohrhasen
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