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Tim Wessling Ballett

 

Profitänzer: "Black  Swan"  stimmt  nicht

Im Rampenlicht stehen, die Arme ausbreiten und sich vor dem begeisterten Publikum im tosenden Applaus verneigen - diesen Traum hatten viele als Kind. Aber nur wenige leben diesen Traum. Zwei davon sind Sinead Bunn und Shawn Throop, Tänzer am Bayerischen Staatsballett.

Von Franziska Broich und Tim Wessling

Große Spiegel an der Wand, prunkvolle Gemälde in rosa an der Decke - der Ballettsaal erinnert an den Speisesaal in einem königlichen Palast - wären da nicht die Ballettstangen. In einer Ecke stehen drei Stühle im Barockstil mit vielen Schnörkeln. Der 20-jährige Shawn Throop zieht seine Schuhe aus, bevor er den Saal betritt. Der etwa 1,75 Meter große, dunkelhaarige Junge setzt sich im Schneidersitz auf einen der Stühle. Throop ist Balletttänzer. Genauso wie Sinead Bunn - sie ist ein Jahr älter und setzt sich anmutig auf den Stuhl daneben. Sie schlägt die Beine übereinander. Ihr Rücken ist kerzengerade, das lächeln bildschön - aber eingefroren. Ihre Bewegungen wirken bedacht.

Freiheit im Tanz

Throop hibbelt hin und her auf dem Stuhl. Dehnt seine Füße und verändert seine Sitzposition. Er erzählt, dass seine Mutter ihn in die Gymnastikstunde schickte, weil er so unruhig war. Nach zwei Jahren Gymnastik wechselte er in ein anderes Studio, in dem er zum ersten Mal Ballett tanzte. Damals war er einer der wenigen Jungen in der Ballettschule. Er bewarb sich in einem Ballettinternat in Toronto. Erst, als er die Zusage erhielt, wurde ihm klar, dass er von Zuhause ausziehen muss. "Die ersten Jahre im Internat waren die Hölle für mich, doch meine Teenagerzeit im Internat war großartig."

Bunn konnte zunächst Zuhause wohnen bleiben. Erst mit 15 Jahren musste sie ausziehen, weil die Ballettschule nach Birmingham zog. Für Bunn war ab diesem Zeitpunkt klar: Sie will Ballerina werden. Ihr größter Traum: Einmal die Primaballerina - die erste Tänzerin - in einem Stück spielen. Sie lächelt und schlägt die Beine wieder übereinander. Ihre Hände hat sie auf ihrem Knie gefaltet. "Viele Menschen nehmen mich als reserviert oder schüchtern wahr, doch wenn ich auf der Bühne stehe, kann ich das alles ablegen", sagt Bunn und strahlt.

Auch Throop liebt das Ballett, aber auf eine andere Weise. "Ich fürchte mich davor, auf der Bühne zu stehen - gleichzeitig liebe ich diesen Moment vor dem Publikum." Er lacht. Vom Schneidersitz hat er in eine komplizierte und verwurschtelte Sitzposition gewechselt. Mit dem rechten Fuß malt er Zeichen auf den Boden - fast wie am Strand.

Strenger Stundenplan - aber keine Ähnlichkeit mit "Black Swan"

Der typischer Tag eines Balletttänzers beginnt um 10 Uhr mit einer Probe. Nachmittags haben die Tänzer dann Pause und abends noch einmal eine zweieinhalbstündige Probe. Ein Tag in der Woche ist "ballettfrei". Die ehrgeizige Bunn trainiert auch an freien Tagen, um in Form zu bleiben und die neuen Choreographien einzuüben. Throop nutzt seine freie Zeit am liebsten für sein Hobby: Computer. Sollte es mit dem Tanzen aus irgendeinem Grund nicht klappen, ist sein Plan B im IT Bereich zu arbeiten.

Übrigens: "Black Swan ist falsch!". Bunns Stimme wird auf einmal laut, als wir sie darauf ansprechen. Sie stellt die Füße nebeneinander und lehnt sich nach vorne: "Die Klischees stimmen einfach nicht!" "Vor allem die Sache mit der übermotivierten Mutter ist einfach nur Quatsch", setzt Throop hinzu. Nein- das, was in diesem Film gezeigt würde, treffe auf keinen Fall auf Balletttänzer zu - und erst recht nicht auf die in München. Beide lachen.

Ganz normale Tänzer

Zwei normale Jugendliche also - auch wenn sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Bunn kontrolliert und ruhig. Throop hektisch und redselig. Doch eins vereint sie: Ihr Leben ist das Tanzen. Sowieso: "Balletttänzer sind ganz normal, sie gehen abends aus und haben Spaß so wie andere Jugendliche", erzählt Throop. "Wenn ich ausgehe, stehe ich lieber am Rand und nippe an meinem Drink." Sie zögert. "Ich tanze halt nicht so gerne in der Disko ..."

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