Sacha Baron Cohen: Borat als Diktator
Einen gelungenen PR-Stunt legte Sacha Baron Cohen bei der Verleihung der Oscars 2012 hin. Er kam nicht als er selbst, sondern als seine neue Filmfigur General Oberst Aladeen. Er brauchte einen Freund mit: den bekannten Filmfan Kim Jong Il, zumindest dessen Asche.
Von Martin Haldenmair
Die Pressebetreuung von Sacha Baron Cohen ist sehr aktiv. Als Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktrat hatten wir eine halbe Stunde später eine Meldung im Briefkaste, Admiral General Aladeen würde ihm Asyl anbieten. Aladeen ist Diktator der Republik von Wadiya. Genauso wie Borat Reporter für die glorreiche Regierung von Kasachstan war und Brüno ein echter Österreicher. Richtig: Aladeen ist die neue Maske, die sich der britische Schauspieler Sacha Baron Cohen aufgesetzt hat. Cohen spielt eine Rolle schließlich nicht nur, sondern lebt sie auch. Also hat er für seinen neuen Film "Der Diktator" (Kinostart vorrausichtlich am 17. Mai 2012) sich in eine weiße Uniform mit vielen militärischen Abzeichen und bunter Schärpe geschmissen, einen Staubwedel ums Kinn gehängt und ist nun nur mehr in diesem Outfit anzutreffen.
Sockentipps von Saddam
Auch auf dem roten Teppich zu den Oscars sorgte er so für einen hübschen Farbtupfen inmitten der dunklen Herrenanzüge. Begleitet wurde er von zwei Leibwächterinnen in Militäruniformen mit sehr kurzen Röcken. Ein gestandener Diktator weiß eben seinen Leib mit Sexyness zu schützen. Die Uniform ist natürlich erster Qualität, abgesehen von den Socken, die sind von K-Mart, wie er einem der Reporter, Ryan Seacrest, am roten Teppich erklärt. Sein Freund Saddam Hussein hätte ihm schließlich mal geraten, dass Socken Socken seien und es für sie nicht lohne, Geld zu verschwenden. Cohen ist ganz in seinem Element, als er mit Searcest vor sich hin improvisiert und nur manchmal entkommt ihm noch ein angestrengtes Schnaufen, das ein unterdrücktes Lachen sein könnte.
Die letzte Ruhestätte des nordkoreanischen Herrschers
Unter dem Arm trug Cohen ein extrem hässliches, goldenes Gefäß. Die Urne seines verstorbenen Freunds und Tennisdoppelpartners Kim Jong Il wie er erklärt. Tatsächlich trägt das grässliche Ding das Konterfei des Ex-Herrschers von Nordkorea. Und auf der Unterseite, führt der Diktator aus, kippt das Ding um - und bedeckt den verblüfften Reporter mit einer Schicht aus Asche. "Wenn man Sie fragt, was Sie da tragen, sagen Sie: ‚Kim Jong Il‘", meint Cohen glücklich, als er von zwei echten Sicherheitsleuten abgedrängt wird.
Der angeblich letzte Wunsch des zu seinen Lebzeiten tatsächlich als Filmfan bekannten Kim Jong Ils erfüllte sich so nur teilweise. Aladeen hätte vorgehabt, die Asche auf dem roten Teppich und Halle Berrys Brust zu verteilen. Stattdessen wurde es ein Herrenmarkensakko - aber dafür wurde der Vorfall von Dutzenden Kameras festgehalten. Wenig überraschend hatten wir heute wieder ein Communiqué aus der Republik von Wadiya im Posteingang: Abadeen forderte uns auf, seinen glorreichen Auftritt über alle uns zur Verfügung stehende Kanäle zu verbreiten. Wie könnten wir uns diesem Befehl widersetzen?
Die Academy hatte ursprünglich Cohen gebeten, nicht als Diktator zu erscheinen. Wie er darauf reagierte, sehen Sie in der Videobotschaft an die Film-Academy. Der Trailer erlaubt einige EInblicke in das geheimnisvolle Land Wadiya.
Mehr von seinem Auftritt bei den Oscars sehen Sie in derBildergalerie zu Cohen als Diktator mit Kim Jong Ils Asche.
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