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Reuters Jude Law

 

Jude Law: Comeback

Eine ganze Weile lief es nicht rund. Jetzt ist der britische Schauspieler mit drei neuen Filmen zurück und besser als jemals zuvor. Die Analyse eines Comebacks

"Wenn meine kleine Tochter das Wort Paparazzi sagt, dann klingt das für mich, als würde eine Dreijährige das Wort Fotze sagen. Du bist schlicht machtlos, wenn dich die britische Presse zur Story erklärt", sagte Jude Law vor zwei Jahren. Und wie in allen Sätzen, mit denen man um sich wirft, wenn man geladen ist oder verletzt oder beides, steckt auch in diesem mehr Wahrheit, als in dem, was man sich mit klarem Kopf zurechtlegt. Während andere Schauspieler den Rummel um ihre Person genießen und wieder andere ihn erdulden, ist das mit der Öffentlichkeit und dem Ruhm bei Jude Law eine zwiespältige Geschichte.

2004 wählte das US-Magazin "People" Jude Law zum "Sexiest Man Alive", und selbst bei einer Konkurrenz wie Johnny Depp, Brad Pitt und George Clooney war diese Wahl keine wirkliche Überraschung. Die Adonis-Lobby hatte ganze Arbeit geleistet. Jeder noch so winzige Artikel, jedes Zitat über ihn klang wie ein Seufzer über Jude, hey Jude. Von "Schönheit, die normale Schönheit, sogar die von Schauspiel-Stars transzendiert" war zu lesen, von "lebender Kunst". Seine Augen sind mal "sturm-dunkel", mal "verletzbar". Eine "männliche Sirene" sei Law, einer, der mit seinen "berühmten Wangenknochen Kuchen schneiden könnte". Nur manchmal erwähnte ein mutiger Schreiber seine Körpergröße (nur knapp 1,78 Meter) und seine Geheimratsecken. Halbherzige Versuche, dem Göttlichen so etwas wie Menschlichkeit abzutrotzen. Schon zu Beginn seiner Karriere war das nicht anders. Als er mit "Indiskretionen" 1995 am Broadway auftrat und damit für einen Tony, den Theater-Oscar, nominiert wurde, schrieb "Vanity Fair": "Seine Nacktszene führte dazu, dass Operngläser wieder sehr gefragt waren."

Zu gern wüsste man, ob Law irgendwann einmal angefangen hat, heimlich mitzuzählen, wie oft er in Interviews gefragt wurde, wie es sich anfühlt, ein Sexsymbol zu sein. Manchmal hat er sich sogar noch die Mühe gegeben zu kontern - mit Sätzen wie "Ich sehe mich als das, was ich bin: ein Vater und ein Schauspieler." Damit, wie unangenehm ihm das alles sei und dass man einen Künstler nicht an seiner Augenfarbe erkenne, sondern an seinen Rollen. Was hat Jude Law nicht alles gespielt, um all die Schön-Redner davon zu überzeugen, dass er auch noch so etwas wie Talent besitzt? Den eiskalten Schwulen in "Oscar Wilde". Den verbitterten Gelähmten in "Gattaca". Den ekligen Gestörten in "eXistenZ". Den Mietmörder mit fauligen Zähnen in "Road to Perdition". Den Deserteur in "Unterwegs nach Cold Mountain". Und Dickie Greenleaf natürlich, den Millionärssohn und Lebemann in "Der talentierte Mr. Ripley", der für all das, was er besitzt, ziemlich schnell ermordet wird. Kaputte und Deformierte. Rollen, die den Kopf ansprechen, nicht den Bauch. Es ist, als hätte sich Law irgendwann geschworen, niemals auch nur in die Nähe des romantischen Helden zu kommen, den die Fans von ihm erwarten. Niemals jemanden zu spielen, der ihm ausschließlich abverlangen würde, was einem wie ihm frivol erscheinen muss: einen Mann, der einfach nur schön ist. Schön ohne Notwendigkeit.


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