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dapd/ ddp Brunei - Sultan von Brunei

 

Der Herrscher-Check: Der  Super-Sultan

Im kleinen asiatischen Brunei regiert der Glitzer-Sultan Hassanal Bolkiah seit 44 Jahren. Er gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Noch ein Fall für unseren Star-Herrscher-Check: Was können wir von ihm lernen?

Von Tim Wessling

Kebawah Duli Yang Maha Mulia Paduka Seri Baginda Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu'izzaddin Waddaulah Ibni Almarhum Sultan Omar Ali Saifuddien Sa'adul Khairi Waddien ist zweifach geschieden, 65 Jahre alt und stolzer Vater von insgesamt zwölf Kindern. Er hat einen ziemlich coolen Job: Er ist der Sultan von Brunei. Nicht nur das - er ist auch Premierminister, Finanzminister und Verteidigungsminister in Personalunion. Seit 1967 regiert er das Land mit Notstandsgesetzen. Hören wir da einen Europäer "Diktator!" schreien? Unsere zierliche Reiseführerin, die wir in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan (kurze Namen sind nichts für ein kleines Land) treffen, beschreibt ihn stattdessen als "hard working man". Was macht er, dass seine Regierung so viel mehr vom Volk geliebt wird als beispielsweise unsere?

Faible für Spielzeuge

Er ist schon mal nicht so betont zurückhaltend und ernst wie unsere Politiker. Wie viele Männer seines Alters steht er auf große Spielzeuge. Vor allem Autos. Unsere Reiseführerin legt gerne eine semi-offizielle Liste vor: 500 Mercedes, 350 Bentleys, 170 Jaguars, 367 Ferraris, 130 Rolls Royce, 190 BMWs, 160 Porsches und 20 Lamborghini. Gesamtwert: 4,5 Milliarden Euro - und da sind die acht Flugzeuge noch nicht eingerechnet. Und weil die ganzen Autos auch standesgemäß bewegt werden wollen, hat sich der Sultan eine eigene Rennstrecke um seinen Palast gebaut. Außerdem hat er ein Faible für große Militärkanonen und kitschige Segelschiffmodelle.

Partypotential in Brunei (mit leichten Einschränkungen)

Auch das Volk bekommt etwas ab. Kollege Sultan hat das Prinzip einer Kuschel-Diktatur ganz gut verstanden: kostenlose Krankenhäuser, keine Steuern und stark subventionierte Autos und Häuser. Der Staat schickt seinen Nachwuchs sogar umsonst zum Auslands-Studium in die ganze Welt. Inklusive Flug, Block, Stift, Unterkunft und Büchern natürlich.

Das klingt nach ziemlich amtlichen Party-Potential. Wenn da nicht dieser ungemütliche islamische Gerichtshof wäre, der praktisch alles Spaßige verbietet. Alkohol zum Beispiel. Nachtclubs auch - die wurden 1990 mit recht rigoroser Regelung einfach geschlossen. Die Sache mit den Zwangsehen und anderen Menschenrechtsverletzungen hat sich in dem hübschen Ländchen mit bezauberndem Urwald auch noch nicht ganz geklärt. Schade eigentlich. Dennoch: Kebawah Duli Yang ... (für die Presse heißt er einfach nur Haji Hassanal Bolkiah) lässt für sein Volk Gold vom Himmel regnen. Und schwupps sind alle glücklich. Vielleicht ist auch das der Grund, warum er Träger des Bundesverdienstkreuzes ist.

Erfolgsrezept: Öl und Architektur

Es war irgendwann in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, als vor der Küste des Sultanats Öl entdeckt wurde. Über Nacht wurde der winzige Staat (flächenmäßig doppelt so groß wie Luxemburg) zu einer Wirtschaftsmacht. Und was passiert, wenn das Öl weg ist? Wir konnten den Sultan leider nicht persönlich sprechen, aber sind uns recht sicher: Er hätte auf diese Frage hin mit den Schultern gezuckt. Ohne das schwarze Gold hätte Brunei nicht viel mehr als vergoldete Moscheen und einen riesigen Palast mit Rennstrecke. Hier ist halt nichts. Nur Urwald und Bohrinseln.

Eine Revolution hätte es allerdings schwer in Brunei. Denn wo sollen die Revolutionäre sich treffen? Wie wäre es mit dem Polo-Feld vor dem Sultans-Palast, das zwar den feinsten englischen Rasen hat, aber seit 26 Jahren unbespielt ist? Das Staatsoberhaupt möchte es als Gedenken an seinen Vater erhalten. Deswegen hat er sich auch ein neues Feld direkt daneben gesetzt, auf dem er auch selbst gerne mal die Keule schwingt.

Ein anderer Hotspot könnte die Jame'Asr Hassanil Bolkiah Moschee werden. Die hat Kollege Sultan nämlich vor die Tür der Hauptstadt gepflanzt. Natürlich standesgemäß mit 29 vergoldeten Kuppeln, denn er ist der 29. Sultan. Dort gibt es eine Rolltreppe (nicht vergoldet) und an jedem Freitag läuft sie den ganzen Tag über. Trotzdem nehmen die überschaubaren Menschenmassen lieber die Treppe daneben. Was mag wohl dahinter stecken? Fitnesswahn? Technik-Phobie? Falsch! Auf die Rolltreppe darf nur der Sultan selbst - und weil die Jungs von der Moschee-Verwaltung nicht wissen, wann er kommt, läuft sie und läuft sie und läuft sie... zumindest, solange das Öl sprudelt.

So also regiert es sich erfolgreich, mit Glanz und Stil - und langem Namen. Unser Star-Herrscher-Check sagt: top.

Übrigens: Einen Superlativ hat der Sultan noch nicht geknackt. Den längsten Namen der Welt. Den hat vermutlich der König von Thailand. Der heißt (festhalten): Phra Bat Somdet Phra Poramintharamaha Bhumibol Adulyadej Mahitalathibet Ramathibodi Chakkrinaruebodin Sayamminthrathirat Borommanatbophit.

Mehr vom Sultan und seinem Reich sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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