Eva Padberg: Das Model-ABC
Topmodels essen Wattebäusche mit Orangensaft, sind egozentrisch und permanent zugedröhnt. So zumindest denken wir doch fast alle über sie. Eva Padberg, selbst Topmodel, greift in ihrem Buch "Model-Ich" Klischees an - oder versucht es wenigstens.
Von Alexandra Reinsberg
Vorneweg schon mal: Sie ist natürlich eine von uns. Nur hat sie einfach wahnsinnig Glück gehabt. Mit dieser Erkenntnis, ein paar Fotos und (man höre und staune) kalorienreichen Rezepten füllt Eva Padberg die 167 Seiten ihres Buches "Model-Ich". Bodenständig aus einem kleinen Dorf in Thüringen kommend, haut sich Eva (Mädchen von nebenan darf man doch beim Vornamen nennen, oder nicht?) nach durchfeierten Nächten wie du und ich im Biodönerladen im Prenzlberg die Wampe voll und fühlt sich manchmal so gar nicht attraktiv.
Model-Ich
Eva Padberg
Erscheinungsdatum: 28. September 2011
Beschreibung: 174 Seiten mit Farbfotos
Preis: 14,99 Euro
Verlag: Diederichs
ISBN: 978-3424350593
Evas Alphabet
Wie es also dazu kam, dass sie mit 31 Jahren Topmodel, Musikerin, Schauspielerin, Moderatorin, UNICEF Botschafterin, Küchengeneral und Hundefrauchen ist und bald eine Model-Coaching-Show moderiert, schildert Eva von A bis Z. Ihr Alphabet geht von "Arschtritt" über "bodenständig" zu "Drogen", "Essen" und "Fashion-Shows" und endet mit "Zicken" und der "Zukunft".
Das Thema "Essen" beschränkt sich dabei jedoch nicht nur auf das eine Kapitel, sondern zieht sich durchs gesamte Buch. Mit Sätzen wie "Ich bin durch Modeln zum Essen gekommen", "Ich habe mehr Abende mit einer Tüte von Mc Donald´s alleine in einem Pensionszimmer verbracht, als ich zählen möchte" und "... ich habe noch nie eine Diät gemacht", scheint Eva eine Mission zu verfolgen. Die Anti-Hungerhaken-Mission. Dagegen hält sie, dass sie ein paar Mal die Woche spontan Freunde trifft zum gemeinsamen Kochen und Schlemmen. Alles klar. So viel Zeit haben noch nicht mal Studenten! Leicht verdaulich in kleinen Happen serviert Eva ihre Kapitel, die lieber nicht in einem Rutsch durchgelesen werden sollten. Dann würde einem nämlich das ganze schon einmal Durchgekaute wohl wieder hoch kommen.
Das perfekte Model - mit eigener Castingshow
Mit viel Pathos, großen Bemühungen, lockerflockig zu schreiben und ein paar mehr oder weniger hilfreichen Tipps für Nachwuchsmodels ("Wer wirklich Model werden will, sollte sich bei einer seriösen Agentur vorstellen." Ach was!) schreibt Eva also einen Mix aus Biografie, Ode an die Liebsten und Bestandsaufnahme der Branche. Über die Castingshow "Germany´s Next Topmodel" sagt sie: "Realistisch ist sie nicht." Zwar würden die Mädchen die bunten Shootings und tollen Reisen mitnehmen, echte Herausforderungen wie die Einsamkeit in einer fremden Stadt und Konkurrenzdruck ohne Aussicht auf Belohnungen müssten sie jedoch nicht meistern. Eva wird im Frühjahr übrigens trotz dieser Einstellung die VOX-Show "Das perfekte Model" moderieren.
Keine Allüren
Über das aufregende Modelbusiness weiß Eva nicht viel zu erzählen, denn sie lag immer schon im Bett oder bekam einfach nicht mit, wenn die anderen im Koksrausch waren. Angebote von Männern wies sie stets höflich ab, ihr Herz gehört schließlich nur ihrem jetzigen Mann Niklas, mit dem sie seit Beginn ihrer Karriere zusammen ist. Auch in Fashion-Fragen hat Frau Padberg keine außergewöhnlichen Allüren: "Am Ende des Tages schlüpft man sowieso wieder in sein 15-Euro-Kleid (für das man seltsamerweise mehr Komplimente bekommt, als für vieles von dem teuren Zeug, in das man gesteckt wird.)" Bitte? Wirklich interessante Themen wie beispielsweise der große Druck in der Branche, der manche Models schon in den Tod getrieben hat, werden in einem Absatz abgefrühstückt.
Lieber wieder Coelho
Am Ende des Buches ist Eva Padberg zwar bekannt geworden, warum genau weiß der Leser allerdings immer noch nicht. Denn: Alleine wäre sie, so heißt es, wohl nie auf die Idee gekommen, sich ins anstrengende Model-Business zu werfen. Hätte sie nicht einfach Glück gehabt, wäre sie wohl nicht mit 15 Jahren bei der "Bravo-Girl-&-Boy-Wahl" entdeckt worden und hätte nie ihre Karriere starten können, die sich mittlerweile mehr vor Kameras als auf dem Laufsteg abspielt. Einen Plan B gab es sowieso nie. Und: "Ohne Arschtritt geht bei mir fast gar nichts." Es ist beruhigend zu erfahren, dass auch super Schlanke mit super Beinen Selbstzweifel haben. Anrechnen müssen wir Eva auch, dass sie den ganzen Modelzirkus wohl unbeschadet überstanden hat. Immerhin prügelt sie nicht mit High Heels auf Angestellte ein. Aber wie auch? Eva ist schließlich ein "Turnschuhmädchen". Wirklich Neues, Interessantes oder gar Spannendes erfahren wir jedoch in "Model-Ich" nicht. So bleibt nur, aus Evas Insider-Wissen zu schöpfen und uns dem angeblichen Lieblingsautor aller Models zuzuwenden: Paulo Coelho.
Mehr von dem schreibenden Topmodel sehen Sie in unserer Bildergalerie von Eva Padberg .
Vor ein paar Jahren sprach sie mit uns schon mal über ihren Beruf, ihr Leben und die Liebe - das lesen Sie auf der nächsten Seite im Interview mit Eva Padberg.
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.
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