Wir sind Helden: Immer noch die Helden
Mit dem Album "Soundso" melden sich Wir sind Helden zurück. Im Interview sprechen sie über ihr erstes Bandbaby, ihr Öko-Image und Muttergefühle für Tokio Hotel
MAX: Judith, bei den Helden werden wichtige Entscheidungen ja demokratisch getroffen. Haben Sie die Band vorher gefragt, ob Sie schwanger werden dürfen?
Judith Holofernes: Gefragt habe ich nicht direkt, aber ich habe mir im Vorfeld schon sehr viele Gedanken und auch Sorgen darüber gemacht, weil ich wusste, dass ein Kind das Leben der Band beeinflussen wird. Als ich es dann gesagt habe, war ich schon erleichtert und froh, dass sich alle darüber gefreut haben.
Mark Tavassol: Es war ja nicht so, dass Judith vor uns rumgedruckst hat. Wir sind seit Jahren unterwegs, und als Freunde reden wir über alles Mögliche. Daher wussten wir, dass sie sich das generell vorstellen konnte.
Jean-Michel Tourette: Ich habe mich wahnsinnig gefreut und habe überhaupt keine Bedenken. Es gibt genug Zirkuskinder, und es ist alles organisierbar, wenn ein Wille da ist.
Tavassol: Der Gedanke, Vater zu werden, ist einem ja nicht fremd. In unserem Alter kann dies natürlich auch schnell konkret werden. Durch das "Bandbaby" wird uns klar, dass wir unseren Beruf sehr wohl auch mit Kindern weiterführen können.
Holofernes: Es ist sozusagen ein Testballon. (lacht)
MAX: Zur Musik - der Titel des neuen Albums "Soundso" klingt ja etwas undifferenziert...
Roy: Wir haben lange Zeit auch keinen passenden Namen gefunden, der eine Klammer für das Album bildet und wollten es schon "Wir sind Helden" nennen. Dann haben wir uns die einzelnen Songtitel noch mal genauer angesehen, und in fast allen Songs geht es um Identifikation und Festlegung. Die eigene Wahrnehmung und die Außenwahrnehmung ist für uns auch als Band ein großes Thema, weil die Medien ja auch bestimmte Vorstellungen haben, wie wir sein sollen. Daher fanden wir "Soundso" sehr passend, außerdem ist es ja auch ein Songtitel auf dem Album.
MAX: Hören sich die Helden gern im Radio?
Roy: Ich freu' mich immer total. Ich dreh' dann das Autoradio so laut wie es geht und hätte dann am liebsten einen großen Handschuh mit meinem Namen drauf, der auf mich zeigt (lacht). Nein. Aber ich höre unsere Songs wirklich gern. Nur unsere Platten spiele ich nicht.
Tourette: Ich auch nicht. Wenn die eigene Musik fertig ist, dann ist sie einfach uninteressant, weil man ja nichts mehr daran ändern kann. Ich weiß nicht, ob ein Autor sein Buch noch einmal durchliest, nachdem er es geschrieben hat. Anders ist es jedoch, wenn man die Lieder live spielt. Hier kann man sehr wohl wieder interagieren.
MAX: Sie sind letztes Jahr bei Life Aid in Berlin aufgetreten. Am 7. Juli soll Life Earth stattfinden, das internationale Konzert-Happe¬ning von Al Gore für den Klimaschutz. Würden die Helden bei so einem Megaevent noch einmal mitmachen?
Tavassol: Natürlich finde ich es richtig, Dinge zu unterstützen, die einen guten Gedanken in sich bergen. Man kann sicher darüber diskutieren, ob so eine schillernde Veranstaltung wie Life Aid jetzt zu plakativ ist, oder ob das die richtige Art und Weise ist, armen Ländern zu helfen oder ob das Geld tatsächlich auch in die richtigen Kanäle fließen wird. Es wird einem ja auch gern unterstellt, dass man das aus Imagegründen macht oder um das eigene Gewissen zu beruhigen. Deswegen machen wir gute Dinge eigentlich lieber medial unbeobachtet. Alles in allem war Life Aid für die Beteiligten weniger glamourös, als es aussah. Auch wenn mir Claudia Schiffer über den Weg gelaufen ist.
Holofernes: Ich habe mit Tim Robbins geredet.
MAX: Sie haben eine große Fangruppe in Frankreich. Eine andere deutsche Band, die dort in jüngster Zeit auch gefeiert wird, ist Tokio Hotel. Wie kommt's?
Holofernes: Ich kann mir das wunderbar erklären. Ich finde Tokio Hotel als Band für Leute, die doch einiges jünger sind als wir, absolut plausibel. Es gibt sehr viel weniger respektable Unterhaltungskonzepte für Zwölfjährige. Tokio Hotel spielen gut, sie haben vergleichsweise unpeinliche Texte und sie sind sehr nett. Mein mütterliches Herz macht sich natürlich sofort Sorgen, und ich denke mir, hoffentlich passt jemand gut auf die auf. Was das Umfeld angeht, kann ich das nicht beurteilen. Aber die Jungs haben von ihren Persönlichkeiten her eine Chance, da möglichst heil durchzukommen. Ich bin froh, dass mir das alles, was ich erlebe, nicht mit 20 Jahren passiert ist, sondern erst jetzt. Und wenn ich mir dann vorstelle, so jung wie Tokio Hotel zu sein, dann ist das schon eine enorme Herausforderung.
Das komplette Interview in der aktuellen Ausgabe der MAX (05/2007)
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