The Gaslight Anthem: Punk-Rock mit Sicherheitsnetz
Auf ihrem vierten Album "Handwritten" schlagen die Punk-Rocker The Gaslight Anthem einen Weg ein, der weg vom rumpelnden Punk führt. So ganz künstlerisch gelungen ist noch nicht - dafür fehlt das letzte bisschen Mut, um vom Bruce-Springsteen-Rock loszukommen.
Von Martin Haldenmair
Es ist nicht leicht für eine Band, die schon ganz am Anfang ein geniales Album hingelegt hat und die jetzt erst so richtig auf Stilsuche geht. 2008 erregte die Band The Gaslight Anthem mit ihrem zweiten Album "The '59 Sound" Aufmerksamkeit. Rock nach dem alten Rezept "Drei Akkorde und die Wahrheit" (naja, drei Akkorde, blutdrucksteigernde Percussion und ehrliche Texte trifft's eher), der zwischen Harmonie und punkiger Rumpelei pendelte. Dann wussten wir: New Jersey, genauer New Brunswick, hat uns eine gute Band geschenkt. Darf diese Band jemals etwas anderes machen?
CD: Rock
Handwritten
The Gaslight Anthem
Veröffentlichtung: 20. Juli 2012
Tracks: 11 (14 auf der Deluxe-Version)
Label: Mercury (Universal)
Bewertung: ![]()
Hymnen an den Rock
Sie muss natürlich etwas anderes machen, sonst werfen oberschlaue Musikjournalisten wie wir ihnen vor, unkreativ zu sein. "American Slang", ihr nächstes Alum 2010 zeigte die punkigere Seite ihres Könnens. Nun ist die rockigere, melodischere dran: "Handwritten" heißt es für 2012. Verschwunden ist alles Gequetschte aus der Stimme des Leadsangers Brian Fallon, auch die verrückten Schreie im Hintergrund mussten verstummen. Nicht umsonst tragen sie "Anthem", also "Hymne" in ihrem Namen.
Leicht heißer uns sehr liebevoll trägt Fallon seine rockigen Hymnen vor. "45", der kurze, energiegeladene Einstieg in das Album (zuvor als Single erschienen) ist definitiv ein Hinhörer. Klassisch unprätentiös und mit elektrisierender Zielstrebigkeit. Der Punk ist bei alledem nie verleugnet, seine Elemente stecken nun in den Details der Songs, in den Übergängen und Eskapaden der Gitarre. Seine wütende Kraft ist so stark zurückgedrängt.
Punk ohne Wut
Das ist leider auch das Problem dieses aktuellen Stilelements: Es löst sich zwar von der wilden Seite, hält aber der cremig-sanften, die an Bruce Springsteen erinnert noch sehr starkt die Treue. So geht bei den längeren Stücken die Energie, ohne die die Grundstruktur "drei Akkorde und die Wahrheit" nicht wirklich funktionieren kann - verloren. Hier wünschen wir der Band den Mut, sich noch stärker von ihrem Vorbild abzunabeln. In "Handwritten", dem erste Album beim Major Label Universal sind die Jungs von The Gaslight Anthem noch mit Sicherheitsleine unterwegs. Wir sind gespannt, welche Stunts sie ohne diese auf ihrem nächsten Album hinlegen werden.
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