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Networking-Media Schiller Christopher von Deylen

 

Schiller: "Ich  kultiviere  Zufälle"

Bald tourt Christopher von Deylen, alias Schiller, mit "Sonne" durch Deutschland. Zuvor fragen wir ihn, was es mit elektronischer Musik auf sich hat. Nach einem kurzen, informativen Vortrag über die Stile der Electronica von den 70ern bis in die 90er, geht's ans Eingemachte:

Von Martin Haldenmair

MAX Online: Wie oft bekommen Sie zu hören: Das macht doch alles der Computer?

Christopher von Deylen: Das ist über die Jahre weniger geworden, aber es kommt schon noch vor, dass mich jemand fragt "ich habe hier ein iPhone, damit kann ich doch auch Musik machen, also wo ist das Besondere?"

Was entgegnen Sie?

Christopher von Deylen: Ich habe auch ein iPhone und benutze das tatsächlich auch, um unterwegs Ideen festzuhalten. Es ist im Grunde toll, dass man heute mit Geräten, die man sowieso mit sich herumträgt, Musik machen kann. Genauso wie kann man mit jedem Telefon Fotos machen kann. Trotzdem heißt das noch lange nicht, dass ich die gleiche Stärke erreichen kann wie sagen wir mal, Helmut Newton, ein weltberühmter Fotograf, der in Museen ausgestellt wird.

Oft ist das Glück mit den Dilettanten, doch um sich längerfristig und nachhaltig auszudrücken und eine eigene Klangwelt zu kreieren, dafür reicht das Smartphone dann doch nicht.

Ist elektronische Musik wieder auf dem Vormarsch?

Christopher von Deylen: Ich glaube, dass das Wellenbewegungen sind, in denen sich bestimmte Geschmäcker und Klangempfindungen beim Publikum zu wiederholen scheinen. Denn die Elektronik war natürlich nie weg, sie galt allerdings zwischenzeitilich immer wieder als nicht fein genug. Und es gibt immer wieder Phasen, in denen die vermeintlich handgemachte, ehrliche Musik von richtigen Bands, in Anführungszeichen "richtigen" Bands bevorzugt wird. Früher war es so, dass jemand, der elektronische Musik macht, nicht so sehr als Künstler galt wie jemand, der sich in einer Band mit Schweiß und Tränen an der Gitarre abarbeitet. Heute vermischen sich die Genres, das finde ich sehr gut. Ich denke, die Elektronik ist mittlerweile stark im Klangbild zeitgenössischer Musik verankert.

Ihr Klangbild ist im Grunde sehr minimalistisch. Was machen Sie, damit ein neues Album nicht das Selbe ist wie das alte?

Christopher von Deylen: Das ist ja das Spannende daran und jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung. Es gibt dabei Dinge, die ich nicht ändern kann: Das sind meine Stilmittel. Das, was den Sound von Schiller ausmacht. Das Klangbett, der Gesamtsound. Wenn Sie sich ein Rolling Stones Album anhören von vor 30 Jahren, dann klingt das nicht unbedingt so anders wie ein aktuelles. Das ist nun einmal deren Sound. Da sagt auch keiner "Ohgottohgott, können die Stones nicht endlich ihre Gitarren zu Hause lassen?"

Dann geht es um die Umsetzung. Es gibt ja nur zwölf Töne auf der Tonleiter - jedenfalls was unsere Hörgewohnheiten betrifft. Und da ist es ab und zu eine wirkliche Herausforderung, Kombinationen zu finden, die es so deutlich noch nicht gegeben hat. Auf dem neuen Album versuche ich, mich so gut es geht von dem Bisherigen Schiller-Werk freizuschwimmen und so zu tun, als ob es das gar nicht gäbe. Was natürlich nicht in Gänze funktionieren kann, denn ich kann ja nicht selektiv mein Gedächtnis löschen. Aber ich versuche, nicht bewusst auf etwas aufzubauen, was es schon einmal gab. Sondern ich versuche mit jedem neuen Album, von vorne anzufangen.

Sie spielen die Stücke live, sie haben verschiedene Sänger. Ist die Unberechenbarkeit des Menschlichen ein Faktor?

Christopher von Deylen: Ja, das ist der Punkt. Die meisten Dinge entstehen aus Versehen. Die schönsten und wirkungsvollsten Dinge kann man nicht planen. Wenn ich mich hinsetze, habe ich keine Melodie im Kopf, sondern ich probiere einfach, ich fange an zu spielen. Ich lasse mich treiben. Auf einmal nimmt es Form an. Und es ist ja so: So gern man denkt der Computer und der Synthesizer seien willfährige Gehilfen, machen sie doch manchmal, was sie wollen. Und in dieser Interaktion entstehen Dinge, die ganz toll sind, aber aus Versehen passiert sind. Ich kultiviere und koordiniere sie dann, um weiterzukommen.

Sie sagten, wie haben nur zwölf Töne. Mit der Elektronik könnten Sie sich von der Einschränkung auch lösen.

Christopher von Deylen: Es ist nicht so, dass ich mich nicht schon damit auseinandergesetzt hätte. Aber ich komme immer wieder zum Schluss, dass ich das alles recht verkopft finde. Und relativ wissenschaftlich mathematisch analytisch. Es gibt ja diverse alternative Tonleitern und einige Komponisten, die sich viel Zeit genommen haben, um etwas Neues zu erfinden. Aber das Ergebnis berührt mich nicht. Es wirkt auf mich arg bemüht und angestrengt und vor allem extrem dogmatisch. Die menschliche Regung fehlt mir, wenn alles durch einem festgelegtn Konzept unterworfen wird. Musik hat viel mit Gefühl zu tun, eher weniger mit Informatik.

Ohne Gefühl geht's nicht, auch nicht am Computer.

Christopher von Deylen: Richtig! Die Virtuosität, das Erlernte, das Gekonnte mag hilfreich sein. Aber jemand, der perfekt eine Partitur herunterspielen kann, da kann man dann natürlich staunen, Respekt vor seiner Leistung haben, aber das Ganze bekommt dann einen eher sportlichen Aspekt. Es gibt aber auch Menschen, die gar nicht so virtuos sind, aber mit drei Tönen, bei denen sie beim dritten von links vielleicht auch noch unsicher sind, was sie damit machen sollen, etwas auslösen, was die Menschen berühren kann.

Tourdaten Schiller: Sonne
23.11.2012: Frankfurt, Jahrhunderthalle
24.11.2012: Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall
25.11.2012: Hamburg, o2 World
26.11.2012: Bremen, Pier 2
27.11.2012: Rostock, Stadthalle
29.11.2012: Bielefeld, Ringlokschuppen
30.11.2012: Siegen, Siegerlandhalle
01.12.2012: Leipzig, Haus Auensee
03.12.2012: Chemnitz, Stadthalle
04.12.2012: Freiburg, Rothaus-Arena
05.12.2012: Nürnberg, Meistersingerhalle
06.12.2012: München, Zenith
07.12.2012: Stuttgart, Porsche-Arena
08.12.2012: Dresden, Messe
09.12.2012: Berlin, O2 World

Mehr vom Künstler sehen Sie in unserer Bildergalerie zu Christoper von Deylen/ "Schiller".

Weiterführender Link: Homepage von "Schiller
Facebook-Seite von Schiller

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