Robert Francis: Gitarre gegen den Wahnsinn
Langsam und gefühlvoll ist "Strangers in the First Place", das dritte Album des Gitarristen Robert Francis aus Los Angeles. Mit rauem Bariton singt er abgründige Songs über die Liebe und wir spüren: es ist nur diese präzis gezupfte Gitarre, die den jungen Musikern vorm Wahnsinn schützt.
Von Martin Haldenmair
"I hope, she tries to be good, when my mind's a dangerous neighborhood ..." ganz sanft und liebevoll singt Robert Francis diesen nicht ganz normalen Text. Dazu gibt es von der Gitarre eine friedlich-fröhlichen Melodie, die wie schnell improvisiert wirkt, beim genaueren Zuhören sich ebenfalls als komplexer erweist als gedacht. Francis' Indie-Folk überrascht mit Abgründen in den einschmeichelnden Schunkelmelodien.
CD: Alternativ
Strangers in the First Place
Robert Francis
Veröffentlichtung: 01. Juni 2012
Tracks: 12
Label: Neo Membran (Sony Music)
Bewertung: ![]()
"Junebug" machte den aus Los Angeles stammenden Sänger und Songschreiber Robert Francis 2009 bekannt. Auf iTunes war der Song für eine Woche frei verfügbar und wurde weltweit heruntergeladen. In Deutschland kletterte er in die Top Ten, in Frankreich war er sogar Nummer eins. Mit leicht angerauten Bariton sang Francis sanft über dem stetigen Rhythmus einer dunklen Gitarre von einer verflossenen Liebe. So weit so typisch Indie. Doch auch hier wurde der Song dann besinders düster, wenn Francis' Stimme nach oben ging. Dann sang er nämlich Sachen wie "You were beautiful then/ You're just a coke jaw now."
Der Song erschien auf seinem zweiten Album "Before Nightfall". Drei Jahre später bringt er nun das dritte Album heraus: "Strangers in the First Place". In den drei Jahren ist seine Musik noch schlichter geworden, als auf seinen zwei vorherigen Alben. Die Gitarre übernimmt die Führung mit meist sehr einfachen doch immer mit größter Präzision und viel Gefühl gezupften Melodien. Seine Studioband an der unter anderem seine zwei älteren Schwestern beteiligt sind, unterstützen ihn bei seiner schlichten Klangkulisse, aus der sich dann und wann ein keckes Banjo oder etwas sträker angeschlagenen Drums hervorwagen dürfen.
Canouflage scheint die Grundidee des Albums zu sein die Melodien und Arrangements an Standard-Pop mit etwas Rock anzupassen. Vielleicht steht dahinter der Wunsch statt eines Gitarristen-und-Sänger einen hauptsächlich Sänger sein zu wollen. Das ist ein bisschen schade, denn richtig interessant werden die Songs, wenn die Instrumente etwas ausbrechen und Francis's Stimme abhebt. Wollen wir hoffen, dass er sich im nächsten Album wieder etwas mehr Freiheit gönnt.
Denn ein weiteres Album ist dieser spannende Musiker auf jeden Fall wert. Wer sonst schreibt Texte wie "If I'm not with you, I'm drinking, smoking, playing russian roulette with a girl I just met"? Der Text ist aus dem Song "Star Crossed Memories", der beste Song des Albums und auch instrumental des spannendste, denn hier bekommen Banjo, Percussion und E-Gitarre jeweils kleine Momente im Rampenlicht. Doppelbödig sind all seine Songs, manche schon offensichtlich vom Anfang an wie "Heroin Addicts", während uns manche zunächst in trügerische Sicherheit wiegen um uns zu erschrecken, wenn wir glauben, wir seien nun endlich beim anheimelnden Schunkel-Folk angekommen. So eben der letzte Song "Dangerous Neighborhood", der uns mit einer fröhlichen Melodie und einem bitteren Text aus dem Album verabschiedet.
Mehr vom Künstler sehen Sie in unserer Bildergalerie von Robert Francis, mehr von seinem Album sehen Sie im Musikclip zu "Eighteen".
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