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Dominik Asbach Reamonn

 

Reamonn: Allein  und  ohne  Band

"Ich heiße Paul und ich komme aus Irland. Und ich brauche Geld. Ich muss zurück nach Irland!"

Jetzt steht Paul in der Fußgängerzone. Und er ist nervös. Obwohl er bereits vor 22000 Menschen gespielt hat. Das war damals in Gelsenkirchen, beim World-Cup-Fanfest. Dort stand er zusammen mit Bryan Adams auf der Bühne. Jetzt steht er auf der Straße, allein. Das ist neu für ihn. Noch nie hat er ohne seine Band gespielt und noch nie auf der Straße. Aber er hat sich auf das Duell vorbereitet. Seine Strategie: "Ich werde nur Coversongs spielen. Nirvana, Keane oder Oasis. Unsere eigenen Songs kennt ja noch kein Mensch."

Langsam klappt er seinen Koffer auf, nimmt die Gitarre und beginnt sie andächtig zu stimmen. Nach ein paar Minuten fragt er: "Soll ich jetzt anfangen?" Ja! Die Zeit läuft. Das Blut schießt ihm in den Kopf, seine Wangen leuchten feuerrot. Dann singt er den Oasis-Klassiker "Don't Look Back In Anger". Niemand beachtet ihn. Die gleichen griesgrämigen Passanten mit ihren dicken Einkaufstüten rennen von rechts nach links und von links nach rechts. Es nieselt. Und beginnt zu dämmern. Die ersten Neonröhren der Geschäfte werfen ihr stumpfes Licht auf das Kopfsteinpflaster. Paul wird sicherer, singt lauter.

Sein erster Fan ist weiblich - und etwa drei Jahre alt. Das Mädchen wippt begeistert zu Oasis im Takt und hüpft fröhlich um den Gitarrenkoffer. Papa und Kinderwagen bleiben stehen. Und das Mädchen darf als Erste ein paar Münzen in den Koffer werfen. "Ich heiße Paul und ich komme aus Irland. Und ich brauche Geld. Ich muss zurück nach Irland!", ruft er stockend den Passanten zu. Zwei zahnbespangte Teenies haben den Iren mit der schicken Britrock-Frisur erspäht, laufen ganz dicht vorbei und schenken ihm ihr erotischstes Lächeln und einige Cent. Warum? "Na, weil er so geil aussieht!" Ein Student greift ebenfalls beherzt in die Hosentasche. "Straßenmusiker finde ich super", sagt er. "Die machen wenigstens was, anstatt nur zu betteln."

Paul spielt und singt und lacht. Und ruft immer wieder: "Bitte! Ich brauche Geld. Ich muss Reamonn schlagen." Wenige Passanten bleiben länger als für einen Song stehen, aber viele geben ihr Kleingeld. Nach 30 Minuten beugt sich Paul neugierig über den Koffer. "Okay, lasst uns zählen!", ruft er und gleich darauf: "Hey, das sind mindestens acht Euro! Ich habe gewonnen!" Er lacht mit heiserer Stimme, haut sich begeistert auf den Oberschenkel.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne. Vielleicht sind die Leute eingeschüchtert, weil Rea so bekannt ist. Das ist oft so: Menschen haben Angst vor Stars. Vielleicht lag es auch an den Coversongs. Und vielleicht, weil ich den Leuten zugerufen habe, dass ich kein Geld habe." Er freut sich, als hätte er gerade einen Lotto-Jackpot geknackt. Insgesamt 11,56 Euro liegen in seinem Gitarrenkoffer. Fast doppelt so viel wie bei Rea. "Er wird sich aufregen!", sagt Paul und lacht wieder. "Ich werde es ihm nicht sagen." Um grinsend zu ergänzen: "Nur, wenn er mich danach fragt."

Die Reamonn Live-DVD und CD "Wish Live" erscheint am 11. Mai, die neue Single "Serpentine" am 4. Mai. Und das Debütalbum von Royseven "The Art Of Insincerity" gibt es ab dem 11. Mai.


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Leser-Kommentare (3)
Michael P. (26.04.07 - 13:44)
Tolle Idee

Gratulation der Redaktion zu der tollen Idee. Kein Wunder, dass Paul gewonnen hat. Der singt einfach besser, sorry Rea.

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