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Dominik Asbach Reamonn

 

Reamonn: "Du  wirst  groß  rauskommen!"

Eine Mutter mit Kind flüstert: "Schau mal! Da war die Mama auf dem Konzert!"

Rea hat nicht vergessen, wie er 1998 mit 50 Mark und einer Demo-CD nach Deutschland kam. Im Gepäck nichts außer seiner Gitarre. "Straßenmusik ist ein Teil von mir", sagt er. "Das ist wie Öl im Holz - das bekommt man nie wieder raus." Vor zehn Jahren stand er das letzte Mal auf der Straße. "Ich war jung und hatte kein Geld. Und dann gehst du eben raus und versuchst, cool zu sein. Ich bin Samstagmorgens auf die Straße gegangen, hab' ein paar Stunden gespielt, und mit dem Geld bin ich dann abends ausgegangen. An guten Tagen habe ich so 60 Pfund verdient. Damit kann man sich schon das Essen für eine Woche leisten - und ein paar Bier."

In Irland beschallte er die Grafton Street in Dublin. "Hier gab es manchmal einen regelrechten Krieg unter den Straßenmusikanten. Alle wollten die besten Plätze haben. Aber mein Vater war Polizist und hat oft die anderen Musiker vertrieben, damit ich die besseren Plätze bekomme." Und als er dann nach Deutschland kam, tingelte er zunächst als Alleinunterhalter durch die Irish Pubs des Landes. Und es gibt viele Irish Pubs in Deutschland. Sogar in Heidelberg. "Vielleicht kommt ja jemand raus und sagt: Hey, du bist ja wieder da!", sagt er. Und lacht dabei nicht.

Das Auto hält mitten in der Fußgängerzone. Rea springt aus dem Wagen, schnappt sich seinen Gitarrenkoffer und schreitet mit schnellen Schritten die Straße entlang. Vor einem Restaurant stellt er den Koffer ab. Routiniert öffnet er die Schnallen, packt die Gitarre am Hals, zupft kurz an den Wirbeln. Und fängt sofort an zu spielen. Er singt etwas von "I'm on the road" und "Mississippi" und "Oh, Carolina". Der Song klingt nach Route 66, Roadmovie und Lagerfeuerromantik.

Sofort bleiben zwei Passantinnen stehen. Regungslos, mit weit aufgerissenen Augen. Und hätte eine jetzt keine dicke Wurstsemmel im Mund, würde der wohl weit offen stehen. Sie zweifeln keine Sekunde. Und es hat ihnen tatsächlich die Sprache verschlagen. Auf die Frage, ob sie wissen, wer hier spielt, nickt die eine nur stumm. Die Wurstsemmel noch immer im Mund. Rea hat also sogar in Heidelberg Verehrerinnen.

Viele Passanten rennen vorbei. Einkaufsbummel als Marathonlauf. Mit griesgrämigem Gesicht, dicken Einkaufstüten und starrem Blick auf ihre Schnürsenkel. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass man bei Straßenmusik sofort an Panflöte spielende Indios in bunten Filz-Ponchos denken muss. Aber einige schauen doch. Neugierig. Ihrem Blick ist anzusehen: Das Gesicht kommt mir bekannt vor. Auch die Stimme. Aber nein, das kann nicht sein.

Vereinzelt bleiben immer wieder Menschen stehen. Ein händchenhaltendes Ehepaar bremst ab, die Augen der Frau glänzen. Sofort kramt sie nach ihrem Foto-Handy. "Hat der eine Wette verloren?", will sie wissen. "Du wirst noch groß rauskommen!", ruft der Mann und lacht über sich selbst. Eine verblüffte Studentin fragt: "Warum macht der das? Aus Nostalgie?" Und eine Mutter mit Kind flüstert: "Schau mal! Da war die Mama auf dem Konzert!" Rea singt: "Oh tonight you killed me with your smile so beautiful and wild." Und Mama nimmt das Mädchen auf den Arm und wiegt es im Takt.
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PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare (3)
Michael P. (26.04.07 - 13:44)
Tolle Idee

Gratulation der Redaktion zu der tollen Idee. Kein Wunder, dass Paul gewonnen hat. Der singt einfach besser, sorry Rea.

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