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Mercury Records Metallica Lour Reed "Lulu"

 

Metallica: Metal  für  Erwachsene

Kann das klappen? Altmeister Lou Reed hat zusammen mit den Metal-Titanen von Metallica ein Album aufgenommen: "Lulu". Die Antwort: Es kann. Doch die Scheibe ist nichts für zartbesaitete Gelegenheitshörer.

Von Max Zierer

"Große Kunst", schreibt die Süddeutsche Zeitung, eine "krude Kombination", meint FOCUS Online. "Fuck Metallica", sagen die enttäuschten Fans bei Youtube. Das sagen sie allerdings schon seit Anfang der Neunziger so gut wie immer. Und kaufen dennoch weiter fleißig jedes neue Release der immer experimentierfreudigeren Metal-Ikonen aus der Bay Area um San Francisco.

CD: Alternativ

Lulu

Lour Reed & Metallica

VÖ: 28. Oktober 2011

Tracks: 10

Bewertung:


Erwachsenenmusik "Lulu" - Begleitung: Metallica

Doch Lulu ist kein klassisches Metallica-Album und will auch nicht als solches verstanden werden. Die Platte ist eher eine Art Nebenprojekt, das sich nicht in die Reihe der Alben Metallicas einreihen soll. Lulu, das ist vor allem das neue Album von Lou Reed - Metallica liefern dazu nur den Soundtrack.

Die Doppel-CD ist dabei richtig schwere Kost - textlich, gesanglich und musikalisch. Lou Reed läuft zu Hochform auf. Auf Lulu krächzt er auf Hochtouren und hält einen verwirrten, knapp neunzigminütigen Monolog über Frank Wedekinds gleichnamiges Theaterstück. In diesem Sinne spuckt Reed seinem Zuhörer schon im ersten Lied Sätze wie diesen vor die Füße: "Ich würde mir Beine und Titten abschneiden, wenn ich an Boris Karloff und Kinski denke". Lulu ist Erwachsenenmusik. Easy Listening ist was anderes.

Mut zum Risiko

Metallicas Experimentierfreudigkeit hat den Fans schon so manche Sternstunde bereitet, aber auch viele Nerven gekostet. Es war 1996 und Kurt Cobain nicht lange tot, als das blues-lastige Album "Load" viele hartgesottene Anhänger vor den Kopf stieß. Der Metal-Klassik-Bastard "S&M" (1999) wurde dagegen von Kritikern und Anhängern gleichermaßen gelobt. 2003, kurz vor der Beinahe-Auflösung der Band, folgte dann ein Ausflug in die damals schon auf dem absteigenden Ast begriffene Welt des Nu-Metal. Musikalisch ist der Band das heute offenbar peinlich: Kein einziger Song von "St. Anger" findet sich noch in Metallicas regelmäßiger Live-Setlist.

Zugutehalten kann man den Amerikanern auf jeden Fall ihren steten Mut zum Risiko. Sie könnten schließlich auch auf Nummer sicher gehen und alle zwei Jahre den immer gleichen Old-School Metal-Mix veröffentlichen.

Nichts für Headbanger

Die Zusammenarbeit mit dem 69-jährigen Singer-Songwriter ist ein besonders mutiges Kapitel in der mittlerweile über dreißig Jahre andauernden Bandgeschichte. In welchem musikalischen Genre Lulu in der Rückschau verortet werden wird, ist schwer abzuschätzen. Auf einem klassischen Rockkonzert würden die sperrigen Zehn- bis Zwanzigminüter jedenfalls deplatziert wirken. Zum ausgelassenen Headbangen lädt keine der Nummern ein.

Verstörende Texte

Lou Reeds Backing-Band spielt sich auf "Lulu" nicht in den Vordergrund. Metallica sind sich nicht zu schade, ein Riff auch zwanzig oder gar dreißig Mal zu wiederholen, wenn es zu Reeds Dramaturgie passt. Denn im Rampenlicht steht immer der Meister selbst, der dem Zuhörer einiges abverlangt: "Ich werde dein schärfstes Messer schlucken, wie den Schwanz eines Dunkelhäutigen", ächzt er. Reeds lyrische Ergüsse sind mit "verstörend" noch zurückhaltend beschrieben. Metallicas düstere und schwerfällige Riffs bilden den passenden Kontext zur Psycho-Poesie des Exzentrikers. Das alte Rezept "Mehr Schocken, Mehr Platten verkaufen" wie Alice Cooper und Slipknot es einst perfektionierten, kann man Lou Reed und Metallica jedoch nicht vorwerfen. Dazu ist das Album zu weit von den musikalischen Erwartungen eines schocklüsternen Teenager-Publikums entfernt.

Große Kunst hin oder her - Lulu polarisiert, weit abseits der ausgetretenen Mainstream-Pfade. Metal-Puristen werden den Kopf samt Mähne schütteln, angesichts der Unverdaulichkeit dieser Platte. Lou Reeds Anhänger könnten begeistert sein. Nur eines ist sicher: Nebenbei anhören geht nicht. Man muss sich einlassen auf Lulu, sonst ist der Finger schneller auf der Stopptaste, als Lars Ulrich Napster sagen kann.

Stolz posieren sie für ihr Album: Mehr von Metallica und Lou Reed in der Bildergalerie.

Was wir damals von Metallicas Nu-Metal-Auslfug hielten lesen Sie auf der nächsten Seite im Rückblick auf "St.Anger".


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