Linkin Park: Feuer und Schmerz bei Linkin Park
Das neue Album von Linkin Park, "Living Things", schlägt die Brücke zwischen "A Thousand Suns" und ihrem alten Sound. Das Ziel ist klar, für den Mainstream vermarktbar zu bleiben und gleichzeitig, den eigenen Stil weiterzuentwickeln. Eine hörenswerte Mischung ist das Ergebnis.
Von Martin Haldenmair
Ist es wirklich schon zwölf Jahre her? tatsächlich: Im Jahr 2000 erschien "Hybrid Theory", das erste Album von Linkin Park. Ein rebellische Musik, zusammengestrickt aus verschiedenen Genres und mit kraftvollem, und mit oh so emotionalen Gesang als Antrieb ausgestattet. Wobei: so rebellisch kann Linkin Park nun auch wieder nicht gewesen sein, wenn man daarn denkt, mit welcher Leichtigkeit ihre Musik in die Charts der Radiostationen reinkam. Nu Metal jedenfalls nannten wir diese Mischung aus laut und melodisch. Zwölf Jahre sind es nun also her und vier Alben, in denen die Band weitere Genres erforscht hat. Mit "Living Things" erscheint nun ihr fünftes Studioalbum. Dabei bringen die Musiker die gefällige Rebellion in poppige Rhythmen.
CD: Alternativ
Living Things
Linkin Park
Veröffentlichtung: 22. Juni 2012
Tracks: 12
Label: Warner Bros. Records (Warner)
Bewertung: ![]()
Geglättet, doch nicht bis zur Unkenntlichkeit
"Mainstream" ist ein ganz ein böses Wort. Einer Band zu unterstellen, sie würde den Geschmack der Masse treffen, also einfach ganz viele Leute berühren, ist fast schon klagefähig. Dennoch: "Living Things" ist mainstream - und das meinen wir nicht negativ. "A Thousand Suns", das vorhergehende Album, war ein Experiment, ein eigenes Genre zu entwickeln. Es spaltete die Hörer in ein Lager, das die Scheibe als genial priesen und eines, das ihm schlimme Dinge anzutun wünschten (am besten während sie dabei "Hybrid Theory" in voller Dröhnung laufen ließen). In "Living Things" spielt Linkin Park wieder mit verschiedenen Genres, aber weniger radikal und mit eingängigeren Melodien. Es ist zum einen ein persönliches Album, in dem die Stimme von Mike Shinoda uns sehr nahe kommt, andererseits für den Mainstream poliert und geglättet. Dafür istder Sound auch tauglich, einen wirklich coolen Trailer zu "Abraham Lincoln - Vampire Hunter" zu begleiten:
Schade um die Gitarren, doch gut für die Synthesizer
Das Polieren hat negative Seiten, wie bei den Gitarren, die zu stark gebügelt wurden, als dass sie noch wirklich großen Charakter haben könnten. Hier ist wirklich etwas aus der "Hybrid Theory"-Zeit Erhaltenswertes verloren gegangen. An anderen Stellen entsteht dafür ein neuer Klang: Distanziert, geradezu kühl, bietet er einen Kontrast zum mal sanften, mal rauhen und immer sehr emotionalen Gesang. "Roads Untraveled" ist so ein Beispiel, bei dem zwischen der Gitarrenkulisse sehr präzise, klare, gläserne Klaivertöne schweben. "Castle of Glass" wird von metallischen Rhythmen getragen und von dumpf dröhnender Perkussion, die sich mit Syntehsizernklängen mischen weiterentwickelt. Hier bekommen auch die Gitarren am Ende wieder mehr Kontur.
In "Living Things" übernehmen Joe Hahns and Mike Shinodas Elektro-Ideen die Vorherrschaft vor den Überbleibseln aus dem Rock. Einen Überblick über den Sound aus "Liging Things" gibt das zuvor als Single eröffnete "Burn it Down". Elektro, Hip-Hop, und ein leicht rotziger Text wie aus alter Zeit finden hier zusammen. Die vielfältige Mischung ist stark geglättet und daher nicht der interessanteste Titel. Spannender wird es, wenn die Songs sich nicht durch Variation sondern durch Intensivierung steigern wie in "Lie's Greed Misery" oder "Victimized", in der sich der anfangs ruhige Sprechgesang (allgemein ist dieser etwas zu melodisch geraten) in ein Schreikonzert verwandelt. "Living Things" ist ein wichtiger Schritt der Band auf ihrem Weg der Stilentwicklung. Zum einen ist sie sicherlich leichter vermarktbarer als "A Thousand Suns" (allein mehrere Arena-taugliche Hintergrundchors sprechen für diesen Gedanken), denn es verschmilzt einige der sperrigen Ideen aus "A Thousand Sun" mit Pop. Andererseits behält Linkin Park bei allen Änderungen doch einen wiedererkennbaren Sound. Tödlich wäre nun allenfalls, noch stärker auf Glätte zu setzen und eine Mittschunkelband werden zu wollen. Doch wir denken, dass uns diese Band im nächsten Album sicher wieder überraschen wird.
Mehr von der Band sehen Sie in unserer Bildergalerie von Linkin Park.
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