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Anthony Kiedis

 

Anthony Kiedis: Sex  und  Drogen

Er verbrachte seine Kindheit bei seinem Vater in L.A., einem erfolglosen Schauspieler und Kleindealer, der die Frauen wechselte wie die Hemden. "Er war ein bizarres Vorbild", sagt Kiedis. "Mehr wie ein gleichaltriger Freund, nicht wie ein Vater. Er ließ mir eine Menge Raum. Aber beschützt habe ich mich nie gefühlt. Er fühlte sich einfach nicht verantwortlich." Kiedis sagt das ohne Selbstmitleid. "Schließlich habe ich ja auch eine Menge Spaß gehabt." Er hing im Schlepptau seines Vaters nächtelang auf Partys ab, probierte schon als Kind Marihuana aus und schlief mit einer Freundin seines Vaters, die ihm dieser für erste Feldversuche zur Verfügung gestellt hatte. Damals war er gerade zwölf Jahre alt. Eine andere Anekdote: Eines Abends war Cher seine Babysitterin. Sie zog sich zu später Stunde vor den Augen des kleinen Tony aus und übernachtete schließlich in einem Bett mit ihm. Episoden dieser Art finden sich viele in "Give It Away". Und nicht alle gehören zum Allgemeinwissen über Kiedis. Zum Beispiel, dass er in jungen Jahren eine Karriere als Kinderdarsteller in Hollywood anstrebte, sich dann aber lieber entschloss, mit seinen Jungs auf der Straße abzuhängen und Drogen zu nehmen.

Auch wenn Kiedis als Erwachsener noch einige Male in Hollywoodfilmen auftauchte (etwa in "Gefährliche Brandung"), gehört die Schauspielerei nicht zu den Optionen für seine Zukunft: "Um diesen Job wirklich gut zu machen, musst du brennen und unglaublich viel Energie darauf verwenden. Ich finde es armselig, wenn Leute nur in Filmen mitwirken, weil sie schon auf einem anderen Gebiet berühmt sind." Wenn es einen roten Faden im Leben von Anthony Kiedis gibt, dann ist es wohl genau dieser Anspruch, alles, was er anfängt, auch in vollem Tempo und ohne Auffangnetz zu tun. Egal, ob es sich dabei um Live-Gigs mit seiner Band handelte, über die Kiedis sagt: "Nur ein Auftritt, bei dem wir uns ein paar Blessuren holten, war ein guter Auftritt!" Oder ob es um Sex oder Drogen ging: Zu viel von beidem war für den Frontman gerade gut genug.

Wenn Kiedis in "Scar Tissue" über seine desaströse Drogenkarriere spricht, über den Verlust von guten Freunden, und seiner Selbstachtung dann sind das Szenen wie die folgende: "Ich war dermaßen voll mit Gift, dass ich mich unterwegs am Straßen-rand erleichtern musste. Während ich mich erbrach, sah ich nach unten, und mein Blick fiel auf drei absolut intakte Bällchen voller Heroin. Super. Jackpot! Drogen für umsonst!, dachte ich und sparte mir die Fahrt nach Downtown."

Kiedis ist seit ein paar Jahren clean, zum wiederholten Mal. Mehr als das. Seinem Körper führt er regelmäßig reinen Sauerstoff zu, was er effektvoll und sexy schon im Prolog seines Buchs beschreibt. Alkohol trinkt er nicht, er ernährt sich schon geradezu penibel gesund – und auch den durchtrainierten Körper verdankt Kiedis keiner Laune des Schicksals.


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