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Anthony Kiedis: 600  Seiten  Spannung

Mit zwölf Jahren zum ersten Mal Sex. Alkohol und Drogen bis zum Umfallen. Mit Nina Hagen im Bett. Anthony Kiedis, Frontmann der Red Hot Chili Peppers, schreibt in seiner Autobiografie "Scar Tissue" über seine Lebenserfahrungen und spricht darüber exklusiv in MAX

Den festen Händedruck hätte man Anthony Kiedis ja noch so zugetraut. Auch dass er körpergrößentechnisch so ungefähr in der Liga von Tom Cruise (1,70 Meter) und Al Pacino (1,68 Meter) spielt, ist keine Überraschung. Aber dass der Sänger der Red Hot Chili Peppers (RHCP) noch so verdammt gesund aussieht, war keinesfalls zu erwarten. Zumindest nicht, wenn man seine Autobiografie "Scar Tissue" (KiWi, 576 Seiten, 14,90 Euro) gelesen hat. Darin erzählt Kiedis freimütig, dass er seinem Körper über einen sehr langen Zeitraum mehr Drogen als feste Nahrung zugeführt hat. Am November wird er 42 Jahre alt, und es ist ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt. Falten sind in seinem Gesicht nicht zu erkennen, überhaupt fehlen sichtbare Gebrauchsspuren. Mit federnden Schritten führt er durch das Haus im Laurel Canyon in Los Angeles, in dem die Chili Peppers seit September an ihrem neuen Album arbeiten.

Keine Lorbeeren für Ehrlichkeit gewünscht

"Das läuft hier ohne jeden Stress. Wir treffen uns hier, wann immer wir Lust dazu haben – wir schauen einfach mal, was daraus wird." Auf der Treppe stehen auf jeder Stufe zwei Kerzen. Die Einrichtung der Zimmer sieht aus wie eine Mischung aus Chill-out-Lounge und Raucherecke in einer Waldorf-Schule. Braune Ledersofas, ein Glastisch, indische Batiktücher an der Wand. Kiedis macht es sich auf einem der Sofas bequem und ist bereit, mal wieder ein paar Intimitäten aus seinem Leben auszuplaudern. Etwas, worin er seit dem Schreiben seiner amüsanten und mutigen Autobiografie ja schon Routine hat. "Ich hatte nicht die Absicht, Lorbeeren für besondere Ehrlichkeit oder großen Mut einzuheimsen", erklärt er gleich zu Anfang. "Ich dachte nur, ich hätte eine gute Story zu erzählen. Die Geschichte eines Jungen, der in den achtziger und neunziger Jahren in wilden, kreativen Zeiten in Los Angeles aufwächst. Das war ein sozialer Untergrund, mit dem der Rest der Welt nicht so vertraut ist." Kiedis lächelt ironisch und sagt: "Aber dann ist doch eine ziemlich intime Beichte draus geworden, oder?

Kann man so sagen. Fast 600 Seiten ist diese Lebensbeichte lang, keine Zeile davon langweilig oder überflüssig. Manche Episoden wirken auf dem Leser sogar extrem amüsant. Für Kiedis mag es nicht immer so lustig gewesen sein: "Zwar war ich als Kind und Jugendlicher privilegiert, weil mir Türen offen standen zu einer geheimnisvollen Welt, die den meisten Menschen verschlossen bleibt. Aber das hatte auch seine Schattenseiten."


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