Cassandra Wilson: Cassandras fröhlicher Blues
Blues für Sonnentage legt Cassandra Wilson auf ihrem neuen Album vor. Erfrischend leicht, etwas nachdenklich und mit einer genialen Gitarre begleitet legt die 56-jährige Sängerin einen interessanten Genremix aus Blues, Folk und Jazz vor.
"Another Country" heißt das neue Album. Wo auch immer dieses andere Land sein könnte, Sängerin Cassandra Wilson hört sich so an, als sei sie darin zu Hause. Wir stellen es uns als heiß und etwas schwül vor. Ein südliches Land, in dem eine feine Briese, die durch schattenspendende Bäume raschelt Kühle und den Duft ferner Blütensträucher mit sich trägt. Es mag - zugegeben - daran liegen, dass wir dieses Album abspielten, als im Büro 30 Grad Lufttemperatur herrschte. Auf jeden Fal passte das Album genau zur Sommerstimmung und brachte mit seiner gefühlvollen Ruhe Erfrischung an den Schreibtisch.
CD: Jazz
Another Country
Cassandra Wilson
Veröffentlichtung: 29. Juni 2012
Tracks: 11
Label: Neo Membran (Sony Music)
Bewertung: ![]()
Cassandra Wilson stammt aus Jackson, Mississippi in den USA. Wo könnte diese Stimme anders ihre Wurzeln haben? Rauchig und ruhig sitzt sie selbstsicher in einer Mittellage und klingt selbstvergessen in sich gekehrt vor sich hin, um mit plötzlicher Klarheit ohne Zwischenstation in feine Höhen zu springen. Wilson hat eine klassische Musikausbildung seit ihrer frühen Kindheit genossen und wechselte in ihrer Jugend zum Folk und driftete dort weiter Richtung Jazz und Blues. 56 Jahre später ist sie eine der besten Stimmen des Jazz in den USA: Gefühlvoll und doch schlicht, sehr fein und doch so klingend, als sei sie gar nicht trainiert, sondern spaziere sich ganz spontan aus ihrer Kehle heraus.
"Another Country" ist ein intimes Album, für das wir nicht nur sie, sondern auch Fabrizio Scotti. Er ist der Gitarrist auf diesem Album und seit 2002 Wilsons musikalischer Mitstreiter. Wohl nur dem Einfluss des Italieners haben wir es zu verdanken, dass sich eine Version von "O Sole Mio" auf dem Album befindet, das schon schwer in Richtung Jazz-Kitsch geht. Zumindest die Quetschkomode hätte bei dem Song nicht auch noch zu den Instrumenten dazu kommen müssen. Andererseits ist es auch großartig, dass eine Musikerin, die ihren Stil eigentlich schon hat, immer noch zu leichtfüßgen Experimenten bereit ist. Zwei Songs, "Deep Blue" und "Letting You Go" sind Instrumental-Solos für Scotti, beide von meditativer Klarheit, in der man versinken kann.
Die restlichen sieben Songs ("O Sole Mio" kommt am Ende des Albums erneut als Funk-Version) sind Wilsons eigene Kompositionen. Die meisten sind nahe an der Blues-/Folkquelle, werden dabei aber alle Erdenschwere des Blues und schwärmerische Jubelei des Folks über Bord, andere orientieren sich stärker am Jazz - und alle nehmen lateinamerikanische Musikanleihen. So steht am Ende ein leises, intimes Album, in dem sich Gitarre und Stimme ergänzen - die Gitarre liefert die Hitze, die Stimme kühlt wieder ab. An einigen Stellen (eben "O Sole Mio") werden die Songs starke Spielerei, doch auch das sei einer Jazz-Meisterin einmal erlaubt.
Mehr von der Künstlerin sehen Sie in unserer Bildergalerie von Cassandra Wilson.
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.













