HomeCityguidePopkulturLifestyleShop

 

Reuters Haudegen

 

Haudegen: "Popmusik  braucht  Wahrhaftigkeit"

Haudegen geht mit ihrem zweiten Album "En Garde" auf die "Die letzten unserer Art"-Tour. Vorher erklären uns die harten Jungs aus Marzahn, was der Popmusik heute fehlt und was das Schöne an der Gosse ist.

Von Martin Haldenmair

MAX Online: Wieso habt ihr mit eurer Art Erfolg?

Haudegen: Wir sind genau das Gegenteil dessen, was im Fernsehen mit Jenny Elvers-Elbertzhagen passiert ist. Wir sind Menschen, die ernst zu nehmen sind. Anstatt Krickelkrakel aufs Papier zu bringen, sagen wir, wie es ist, wie es in vielen Menschen aussieht. Wir bringen ein wenig Ernsthaftigkeit rein.

Popmusik braucht Ernsthaftigkeit?

Haudegen: Ne, Popmusik braucht Wahrhaftigkeit. In einer Musikwelt, in der vieles nach Plastikbecher klingt sind wir die brasilianischen Klanghölzer. Wenn du verstehst.

Ich denke schon, es klingt alles bei euch sehr naturbelassen. Hattet ihr jemals Gesangsunterricht und wenn ja, was habt ihr mit dem Gesangslehrer angestellt?

Haudegen: Wir haben fast alles autodidaktisch beigebracht. Wir haben das gemacht, was wir für richtig gehalten haben und freuen uns dass es ankommt. Wir sind nicht die super ausgebildeten, studierten Sänger. Doch was wir singen, hat Herz und Seele. Wir glauben, dass die authentischen und wahrhaftigsten Emotionen gar nicht ausgebildet werden können.

Wie geht es euren Stimmen nach dem Auftritt?

Haudegen: Wir haben uns natürlich von Coaches beraten lassen. Da kommt es schon vor, dass wir uns vor dem Auftritt opernmäßig einsingen. Und es kommt vor, dass wir danach mit einem Ingwertee in der Hand zwischen den ganzen Haudeginnen und Haudegen stehen und einen kleinen Schmack halten.

So viel Kompromiss muss sein.

Haudegen: Das ist, glaube ich, kein Kompromiss. Das ist Professionalität. Am nächsten Tag geben wir wieder ein Konzert und dass wir dafür sorgen, dass wir wieder singen können, gehört zum guten Ton. Das is wie beim Maurer, wenn der am Abend fertig ist, nimmt der sein Werkzeug, putzt die Kelle, schön ins Wasser, damit er am nächsten Tag an die nächste Mauer gehen und seine Kunst weiter machen kann.

Auf eurem neuen Album seid ihr vielfältiger geworden. Das erste wirkte wie einmal raufhauen "So, wir sind da". Jetzt sehen wir mehr von euch.

Haudegen: Ich denke, das Album ist energetischer geworden, hat mehr Druck, hat mehr Kraft an sich. Wir sind sehr facettenreich und wir wollten uns von unserer schönsten Seite zeigen.

Was ist für zwei Gossenjungs schön?

Haudegen: Unsere Herzen sind schön. Wir sind reinen Herzens. Wir sagen was wir denken. Die Gosse ist ja auch romantisch. Die Gosse trägt viel Liebe in sich. Darum nennen wir's Gossenpoesie. Wir sind Poeten der Neuzeit.

Stichwort Poesie: Der Song "Tintentfass und Feder" ist ziemlich melancholisch in diesem Album. Wie seht ihr denn die Welt?

Haudegen: Wir leben unsere Leidenschaft in einer Welt, in der es oft schwierig ist, Leidenschaft zu leben, weil sie gebunden ist an Normen und Zwänge. Wir erfinden mit Haudegen eine eigene Welt, in der er es um alte Tugenden und Werte geht als um vorprogrammiertes Handeln. In der es ums Bauchgefühl geht als um das, was andere sagen. Aber wir sind sehr glückliche Menschen. Wir lieben die Welt.

Also die Welt hat aktuell zu wenig Wahrhaftigkeit, zu wenig Gefühl?

Haudegen: Naja, das kriegen auch viele mit. Da musst du ja nur den Fernseher anmachen. Da geht es um Mord- und Todschlag, Finanzkrise, Bankenkrise. Wahrhaftigkeit steht da ganz an letzter Stelle. Ist wahrscheinlich schon aus allen Büchern gestrichen. Ohne arrogant klingen zu wollen, aber unser Erfolg gibt uns schon Recht, dass die Menschen nicht so dumm sind, wie sie verkauft werden.

Du hast gesagt, der Erfolg gibt euch Recht. Es hat ein wenig gedauert, bis er kam. Hattet ihr manchmal das Gefühl: "Ne, wir machen besser was anderes"?

Haudegen: Ich denke, da müssen wir ganz unten anfangen. Wir sehen Erfolg anders. Erfolg ist nicht das, was andere Leute in uns sehen. Andere Leute sagen: Oja, die verdienen jetzt viel Geld mit ihrer Musik, die sind jetzt wohlhabend. Unser Erfolg ist ein anderer: dass wir das tun können, was uns glücklich macht. Dass wir mit dem, was wir tun, andere Menschen glücklich machen. Dass wir eine gute Zeit haben und dass wir das Gefühl haben, dass wir unsere Welt ein kleines Stückchen verändern können. Wir sind nicht so naiv, zu sagen, wir können die ganze Welt verändern. Und es soll um Gottes Willen nicht so rumkommen, dass wir mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend rennen. Wir sagen einfach, dass wir eine gute Zeit haben, dass wir das Gefühl haben, dass sich etwas bei den Menschen bewegt, die wir mit unserer Musik erreichen.

Was bewegt sich?

Haudegen: Die ehrlichsten und aufrichtigsten Emotionen. Wenn Menschen zu Tränen gerührt sind, obwohl's nur Musik ist. Wenn die Menschen ihr eignen Geschichten in unsere Musik hineinprojizieren. Als wir angefangen haben, haben wir geglaubt, dass wir allein sind mit unseren Ansichten und Überzeugungen. Wir haben jetzt gemerkt: Wir haben die Musik gemacht, die uns gefehlt hat. Und wir haben offenbar auch die Musik gemacht, die anderen Menschen gefehlt hat.

Haudegen auf Tour:
25.10.2012: Köln, Luxor
26.10.2012: Bremen, Tivoli
28.10.2012: Hannover, Capitol
29.10.2012: Hamburg, Gruenspan
31.10.2012: Erfurt, Gewerkschaftshaus
01.11.2012: Zürich, Papiersaal
02.11.2012: Freiburg, Waldsee
04.11.2012: München, 59 to 1
06.11.2012: Frankfurt, Batschkapp
07.11.2012: Bochum, Zeche
08.11.2012: Dresden, Straße E
10.11.2012: Berlin, Huxleys
13.12.2012: Leipzig, Peterskirche

Mehr von den Künstlern sehen Sie in unserer Bildergalerie von Haudegen.

Weiterführender Link: Homepage von Haudegen
Facebook-Seite von Haudegen
PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN

Überschrift

Name


Ihr Kommentar 
AGB

Beitrag abschicken
 

Zeit

Heute
Morgen
Dieses Wochenende

Kategorie

Konzerte & Nachtleben
Kunst & Schauspiel
Gesellschaft & Freizeit
ANZEIGE

Silvester Gala Wachenheim

31. Dezember 2014,
Schloss Wachenheim

powered by openeventnetwork