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Musikanalyse: Fleischeslust

Was dem Hip-Hopper der Popo ist, ist dem Blues-Musiker die Hand ... Zwei Künstler haben erforscht, wie häufig welche Körperteile in den Musik-Genres auftauchen.

Von Andrea Ege

Ob Brüste, Hinterteile, Haare oder Hände - es gibt fast kein Körperteil, das in der Musik nicht mehr oder weniger ausgiebig besungen wird. Fernanda Viégas und Martin Wattenberg, beide Künstler und Wissenschaftler, haben sich dieses Themas angenommen. Ihre Leidenschaft ist die virtuelle Visualisierung von Daten. Also entwickelten sie eine Methode, mit der man Songtexte so darstellen kann, dass sie auf den ersten Blick anzeigen, welche Körperteile darin auftauchen.

Keuscher als gedacht

Die Darstellung dieser so genannten "Fleshmaps" ist so simpel wie aufschlussreich: Kleine Punkte kennzeichnen alle Wörter eines Songtexts, die sich nicht auf den menschlichen Körper beziehen. Dazwischen tauchen in Bildern die entsprechenden Körperteile auf. So analysiert, lassen sich die Körper-Anteile nicht nur in einzelnen Songs, sondern auch in ganzen Musikgenres aufzeigen. Die Häufigkeit ihres Auftauchens wird in Prozent umgerechnet und in verschiedenen Grafiken dargestellt (siehe www.fleshmap.com/listen).

Und siehe da: Die musikalische Unzucht hält sich erstaunlich in Grenzen. Brüste stehen in der Beliebtheits-Skala der Musiker gar nicht so weit oben. Und in den Genres "Alternative" über "Electronica" bis hin zu "Metal" ist es das Auge, dem die größte verbale Aufmerksamkeit gewidmet wird. An zweiter Stelle des Anatomie-Rankings innerhalb der einzelnen Musikgenres rangiert die Hand.

Hip-Hopper scheren aus

Doch nicht nur die Brust tummelt sich eher auf den hinteren Rängen der Fleisch-Skala. Auch andere primäre und sekundäre Geschlechtsteile tauchen in den Top Five nur selten auf. Mit einer Ausnahme: Hip-Hop. Dort hat es der Po auf den ersten Platz geschafft. Überhaupt scheint Hip-Hop das körperfixierteste aller Musikgenres zu sein. Nirgends sonst beziehen sich die Songtexte so sehr auf die menschliche Anatomie. Da wundert es auch nicht, dass die Vagina und der Penis auf Platz sechs und sieben rangieren. Sogar dem Zehennagel wird Aufmerksamkeit zuteil. Er taucht in immerhin noch 0,09 Prozent der analysierten Hip-Hop-Songs auf.

Einen Eindruck von den Fleshmaps bekommen Sie in unserer Bildergalerie.

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