Chima: Chima, der Held der Bummelanten
"Stille" nennt Chima sein erstes Album bei Universal und ist doch darauf sehr gesprächig. Von den Kleinigkeiten des Lebens, vom Lieben, Entliegen und vor allem vom Umhergetriebenwerden singt er kleinere und größere Stücke. Wir hören rein.
Von Martin Haldenmair
Vor den Erfolgreichen haben wir hier auf MAX natürlich Respekt (es sei, denn sie sind wirklich unsympathisch und tragen dabei zu klein kariertes Karo), doch die Bummelanten haben immer einen Platz in unseren Herzen. Schließlich leben wir davon, dass wir hier Texte über Musik aufschreiben, anstatt einen richtigen Job nachzugehen wie Trambahnschaffner oder Bundeskanzler. Chima kommt uns da gerade recht. Er verkörpert in seinen Liedern den ewigen Zuspätkommer, den Inslebenhineinleber, den Keinenwirklichenplanhaber. Das ist sympathisch. Und die Musik ist auch noch ziemlich gut.
CD: Pop
Stille
Chima
Veröffentlichtung: 6. Juli 2012
Tracks: 13
Label: Island (Universal)
Bewertung: ![]()
Erwachsene Ängste, junge Gefühle
Chima ist immerhin ein gut ausgewachsener Mann von über 30 Jahren, auf "Stille" aber ist er alterslos. Er singt von erwachsenen Themen, von Versagensängsten in einer Gesellschaft der Funktionierenden, in denen sich all seine Lebenspläne in Nichts auflösen. Doch singt er das oft mit so naivem Sehnen, dass er auch erst 16 sein könnte. Wenn ein deutscher Musiker von seinen "Eiern aus Stahl" rapt, fliegt bei uns normalerweise die CD im hohen Bogen aus dem Laufwerk (wir haben uns von der IT extra eine Automatik dafür bauen lassen und eine Zielscheibe aufgestellt). Normalerweise.
Wenn Chima trotzig in "Risiko" davon erzählt, dass er mit den genannten Anhängseln in der Hose nebst einem "Löwenherz" unter dem Hemd endlich mal sein Leben in den Griff kriegen werde, klingt das so sympathisch hilflos, dass wir ihm am liebsten einen Drink ausgeben wollen (oder einen Kakao? Nein, der Mann verträgt sicher mehr als wir).
Unprätentiöser Rap
Chimas Musik kommt aus dem HipHop, nimmt aber für Stille starke Anleihen am Pop, allerdings mit angenehm kleiner Instrumentalisierung. Ein paar wetzende Geigen, Percussion, Gitarre und fertig. Es ist diese Unprätentiöse Art, die das Album sehr angenehm zu hören macht. Die erste Hälfte der 13 Songs ähnelt sich musikalisch dabei sehr stark, sie alle sind in der Art wie das vorher als Single ausgekoppelte "Morgen" gehalten.
Chima verbirgt in der Aussprache seine Frankfurter Herkunft nicht ("Morgen" klingt eher wie "Moagen") und reimt dementsprechend unbekümmert auch mal "gebracht" ("gebrahaaach") auf "Krach" ("Krahaaach"). Der Stimmansatz ist dabei manchmal etwas gequetscht, weswegen die Stimme in den großen Höhen (und in denen treibt er sich oft herum) etwas zu flattern beginnt.
Anti-Romanzen und Songs zum Entlieben
Die zweite Hälfte, beginnend mit "Mariechen" ist musikalischer interessanter, mit etwas mehr Variation in den Melodien und einigen wirklich gemeinen Texten. Das "Mariechen" ist eine romantische Anti-Romanze ("Deine Körperflüssigkeiten spülen meine Seele frei"), hinter der wir den Erwachsenen hören, "Kleinigkeiten" dafür wieder eine süße Liebesgeschichte, die wieder vom Teenager-Chima gesungen wird.
Chimas erstes Album beim neuen Label Universal ist noch nicht perfekt, hat aber definitiv das Potential, für den Sänger das langersehnte Sprungbrett zur größeren Karriere zu werden. So einmalig verbindet sonst keiner in Deutschland Teenager-Sehnsüchte mit erwachsener Abgeklärtheit.
Mehr vom Künstler sehen Sie in unserer Bildergalerie von Chima.
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Leser-Kommentare (2)
@Popshot: Danke für den Link
Danke für den Link. Er ist wirklich ein spannender Musiker und nimmt hoffentlich unsere Neckereien so wie wir sie meinen :D













