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Buika: Vom  Glück  des  Nicht-Verstehens

Wer "Die Haut, in der ich wohne" von Pedro Almodóvar gesehen hat, dem ist sie aufgefallen: Die kratzige Stimme, die klingt wie Tina Turner, aber von eiligen Flamenco-Gitarren begleitet wird. Sie gehört der Sängerin Buika.

Von Susanne Dickel

Klar und hell flirrt der Ton eines Klaviers im Raum. Darunter mischen sich dunkle Akkorde. Und dann erklingt eine Stimme. So heiser, dass man schon fürchtet, sie würde am Ende der Liedzeile abbrechen, aber plötzlich gewinnt sie wieder an Kraft und treibt das Klavier vor sich her. Das ist Buika auf ihrem neuen Album "En mi piel".

CD: Soul

En mi piel

Buika

VÖ: 11. November 2011

Tracks: 20

Bewertung:


Klebriger als Ahornsirup

Mit "Por el amor de amar" legt Buika auf dem am 11. November erschienenen Album stimmgewaltig los. Der Titel berührt, auch ohne Spanisch zu verstehen.

Vielleicht ist es sogar besser, es nicht zu verstehen, denn der - im Booklet leider (oder zum Glück?) nicht übersetzte - Songtext offenbart den klebrigsten Kitsch, zu dem das Spanische in der Lage ist: "Ich will das Licht sein, das die Blume küsst." Manche Zeile erweist sich auch als vollkommen sinnlos: "Meine Füße fahren fort zu tanzen ohne aufzuhören." Möglicherweise ergibt sich die Bedeutung im filmischen Zusammenhang, denn das Lied ist auch im Film "Die Haut, in der ich wohne" zu hören. Also besser nicht auf den Text achten. Es geht sowieso auch in den anderen Titeln zu 90% um Liebe. Und, große Überraschung, meistens um die scheiternde oder verlorene.

Eine gelungene Mischung aus Soul, Jazz und Flamenco

Der folgende Song "Se me hizo fácil" beweist, dass Buika auch ganz anders kann. Schnelles Trommeln erzeugt Karibikstimmung. Jedenfalls so lange, bis sich Saxofon, Trompete und Posaune dazwischen mischen. Kaum zu glauben, aber es klingt tatsächlich harmonisch.

Typisch Buika, die gerne Elemente von Soul und Jazz zusammenbringt mit Flamenco und Copla Andaluz, einer Form der spanischen Volksmusik. Sie profitiert davon, dass sie praktisch mit allen Varianten spanischer Musik bereits in Berührung kam: Geboren wurde sie auf Mallorca, verbrachte ihre Kindheit bei Gitanos (Zigeunern) und lebte zeitweise in Los Angeles, bevor sie nach Europa zurückkehrte und sich in Madrid niederließ.

Da war doch was?

Buika ist offenbar sehr umweltbewusst, denn sie recycelt gern: Wer schon die Vorgänger "Niña de Fuego", "Mi Niña Lola" und "El último trago" kennt, für den reiht sich ein Déjà-vu ans nächste. Von den 26 Liedern auf "En mi piel" tauchte knapp die Hälfte bereits auf früheren Alben auf, beispielsweise "Volverás" oder "Árboles de agua". Immerhin gibt es als nettes Extra auch einige Duette, eines davon mit Seal. Dazu kommen noch ein paar Live-Auftritte. Bei denen taucht unwillkürlich der Name "Herbert Grönemeyer" im Geist auf. Denn hin und wieder singt Buika nicht, sondern schreit wie er die Worte heraus.

Baby, Melancholie!

In einer chilligen Lounge in Berlin Mitte, München Schwabing oder der Hamburger Hafencity wird man Buika sicherlich nicht hören, denn selbst schnellere Titel wie "Nostalgias" - auf der Rückseite übrigens mit Rechtschreibfehler - wirken immer ein wenig melancholisch. Umso besser passen die Lieder dafür in eine kleine Bar in Kreuzberg, im Glockenbachviertel oder um die Ecke von der Roten Flora. Oder nach Hause: Man schiebe die CD in den Player, schenke sich ein Glas Rotwein ein und lehne sich entspannt im Sessel zurück. Mit den ruhigen Klängen von "Perla Marina" im Hintergrund, lässt sich ein novembergrauer Abend bestens genießen. Und wenn man die Augen schließt, wähnt man sich in einem Jazz-Club von New Orleans oder an die Strände Cubas versetzt.

Mehr von der faszinierenden Sängerin sehen Sie in unserer Bildergalerie von Buika, einen Song erleben können Sie in unserem Videoclip zu "En mi piel".


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