Billy Talent: Wut, Riffs und Poesie
"Todesstille"? Ja, von wegen. Mit Wut, lauten Riffs und unwiderstehlichen Harmonisierungen gehen Billy Talent auf ihrem vierten Album "Dead Silence" gegen alles los, das sie nervt. Die Band präsentiert Punk mit Finesse.
Von Martin Haldenmair
Diese CD gehört verboten. Sie hat unsere Redaktion in ein Chaos gestürzt. Papierkörbe brennen, Kaffeetassen werden Wurfgeschoße, die Praktikanten machen Jagd auf die "Auspeitscher der Armen" und es hat doch tatsächlich einer in der Gemeinschaftsküche geraucht! Zugegeben, es ist fast ein normaler Tag bei MAX, wäre der anarchistische Raucher nicht. Welche Band kann so viel Revoluzzertum sähen? Billy Talent mit ihrem neuen Album "Dead Silence".
CD: Rock
Dead Silence
Billy Talent
Veröffentlichtung: 7. September 2012
Tracks: 14´
Label: Warner Music
Bewertung: ![]()
Ein neues Kapitel
Die ersten drei Alben von Billy Talent (ihr erstes Album "Watoosh!" brachten sie noch als Pezz heraus) hießen einfach "Billy Talent", "Billy Talent II" und "Billy Talent III". "Dead Silence" setzt sich vom Titel, Artwork und vom Ton von dieser Trilogie ab. Apokalyptisches mit einem Funken Hoffnungen beschwören das CD-Cover (eine versunkene Stadt voller Haie mit einer erleuchteten Telefonzelle) und die Songs des Albums herauf. Der Sound verzichtet größtenteils auf die Stadion-Rock-Klänge von "Billy Talent III". Dynamisch, hart und komplexer als bisher klingt die Band, die immerhin schon seit 1993 zusammen ist und in der Zeit vom melodischen Punk zur Härte hinübergedriftet ist.
Gepeinigte Seelen und ein Funken Hoffnung
"Lonely Road to Absolution" führt in das Album, eine schwermütige Ballade, von allen vier Mitgliedern der Band im Chor gesungen und ein wenig an den Stil von System of a Down erinnernd, die auf solch schwebende Klänge sich erst recht in härteste Gitarrenriffs stürzen. Ähnlich auf "Dead Silence": Die Einsame Straße, die die vier Musiker so ruhig beschreiten ist der Auftakt für "Viking Death March", einem Musterbeispiel, was vier gepeinigte Punkseelen erreichen können, (die sich bestes Aufnahmeequipment leisten können).
Bohrende Shouts, manisch wirbelnde Percussion und metallische Riffs treiben uns im Eiltempo durch den vierminütigen Song über Ungerechtigkeit, Verlogenheit und fordern uns auf unsere Stimme wie eine Waffe zu erheben ("Raise Your Voice Like A Weapon"). Ja, da ist natürlich Ende mit dem Bürofrieden.
Schattierungen der Düsternis
Sanfter sind "Don't Count On The Wicked" und "Show Me The Way", bei denen die Band mit überraschenden Wechseln der Stimmung und bewussten Unschärfen erreichen kann. Die anderen Bandmitgliedern unterstützen ihren Leadsänger Benjamin Kowalewicz äußerst effektiv, mal indem sie seine Schreie harmonsierend abfangen und mal, indem sie sich wie im poppigen "Man Alive!" zusammen mit ihm in überschnappende Kreischrefrains steigern.
Selbst eine Geschichte über die Liebe hat Platz auf diesem Album "Swallowed by the Ocean" hat sie, und dass sie nicht gut ausgeht, müssen wir wohl nicht erst erwähnen. Sie zeigt eine zartere Seite in all der Düsternis. Der fröhlichste Song ist ausgerechnet der letzte, der titelgebende "Dead Silence". "No time to be afraid my love/ I will see you again" heißt es dort. Wir wollen es hoffen. Büromöbel kann man nachkaufen, gute Stimmung und Herzrasen nicht.
Billy Talent tourt im September und Oktober durch Deutschland:
29.09.2012: Dresden, Messehalle
30.09.2012: Stuttgart, Schleyerhalle
02.10.2012: München, Zenith
07.10.2012: Frankfurt, Festhalle
09.10.2012: Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
10.10.2012: Münster, Halle Münsterland
11.10.2012: Hamburg, Sporthalle
13.10.2012: Berlin, Max-Schmeling-Halle
14.10.2012: Saarbrücken, E-Werk
Mehr von der Band sehen Sie in der Bildergalerie zu Billy Talent.
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