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Von Julian Rohrer

Neun lange Jahre mussten die treuen Fans der ersten Stunde auf ein neues Lebenszeichen der Grunge-Rock-Band aus San Diego warten. Nun steht das brandneue Album der Lebenskünstler in den Läden. Wie eine selbst heraufbeschworene Message klingt der Titel, der schlicht so heißt wie die Band: "Stone Temple Pilots" - was nichts anderes heißen soll als "wir sind wieder hier" und wohl eine Art Neuanfang markiert.

CD: Alternativ

Stone Temple Pilots

Stone Temple Pilots

VÖ: 21. Mai 2010

Tracks: 12

Bewertung:


Der gefährliche Stalker

Dabei sah es für den charismatischen Frontmann und Sänger Scott Weiland überhaupt nicht gut aus. Als eine männliche Variante von Amy Winehouse machte er über die Jahre vor allem mit seinen Drogenexzessen Schlagzeilen. Auf dem schmalen Grat des goldenen Heroins, das den Abhängigen in Schlangenlinien zwischen Leben und Tod hin und her schlingern ließ, erwies sich Scott erst in den letzten Jahren stärker als sein Stalker, der Sensenmann. Nun scheint er ihm im wahrsten Sinne von der Sichel gesprungen zu sein und leistet auf dem neuen Album eine wirklich tolle Arbeit. Wie ein junger Rock-Gott beweist er, dass er eben doch zu den größeren Größen des Buisness gehört. Und es noch drauf hat. Von den ruhigen, ja, fast subtilen Tönen, bis hin zu kräftigen Plädoyers für die Liebe stimmt einfach alles.

Flausch im Dreck

Obwohl die Band im musikalischen Überschwang vergisst, dass sie genug geschafft hat, um ihre Eigenständigkeit auch in die Gegenwart hinüberzuretten, sind die vergleichsweise unspektakulären Ausflüge in den amerikanischen College-Rock mit all seinen Banalitäten erfreulich selten. Am besten ist die Band, wenn Scott sein gehauchtes "Looooooove" ins Mikro flirtet und die beiden DeLeo-Brüder ihre wunderbar flauschigen Gitarren- und Bass-Läufe um dieses ach so zart-bittere Organ schmiegen. Dass die alten Herren ihre räudigen Grunge-Wurzeln nicht vergessen können, beweisen sie allerdings ebenso. Wie das schwarze Schaf in der "Beatles"-Familie verraten sie nicht nur ihr Sixties-Erbe, sondern erklären mit dieser verpoppten Punk-Attitüde auch der amerikanischen Gesellschaft den Krieg. Allerdings nicht mit der Ungestümheit der Jugend oder einer schmissigen "Sex Pistols"-Attitüde, sondern mit der Intelligenz ewiger Studenten und der Weisheit alternder Rocker.

Das Album von den "Stone Temple Pilots" gibt es seit dem 21. Mai zu kaufen. Bilder der Alt-Grunger gibt es in unserer Bildergalerie.

Besetzung:
Gesang: Scott Weiland
Gitarre: Dean DeLeo
Schlagzeug: Eric Kretz
E-Bass: Robert DeLeo

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