Anvil: Metal-Loser
Von Julian Rohrer
Drehen wir das Rad der Geschichte dreißig Jahre zurück: Tausende Menschen flippen gemeinsam vor der Bühne des Super Rock Festivals in Japan aus. Bon Jovi, die Scorpions und zahlreiche andere Bands teilen sich die Bretter, die die Welt bedeuten. Dazwischen: eine kanadische Band namens Anvil. Heute gilt sie als eine der ersten Bands, die eine besondere Art des Metals spielte: Speed Metal. Doch während sich Bon Jovi und Co. geradewegs in den Rock-Olymp schwingten, verlief sich Anvil auf dem Weg nach oben. Die DVD "The Story of Anvil" dokumentiert, warum dies nicht geklappt hat.
"Alles verändert sich"
Wer nun ein hartes Stück Heavy-Metal-Geschichte voller "Sex and Drugs" erwartet, liegt falsch. Die Geschichte dieser Band ist ein Lehrstück über das Leben. Zu behaupten, Anvil hätten lediglich Pech gehabt, wäre untertrieben. Blickt man in die Augen des Sängers Lips, sieht man einen Mann, dem nicht nur einmal im Leben ein Zug knapp vor der Nase wegfuhr. Und doch glänzen sie durch seinen unbändigen Willen, sich durch nichts brechen zu lassen und es doch noch zu schaffen.
Schlagzeuger Robb Reiner sagt in einer Episode über Lips: "Der Typ lebt, um mich verdammt noch mal zu verletzen" Es ist nur der Auftakt für eine tränenreiche Versöhnung zweier Haudegen, die viel zusammen durchstanden. "Wir sind eine Familie, wir sind echte Freunde. Da geht man durch Höhen und Tiefen. So ist das". Das ist eine der unbestechlichen Weisheiten des Films - und des Lebens ...
"Ich könnte auch von der Klippe springen"
"Die Zeit schreitet voran: Dein Bauch wird dicker, dein Gesicht feist, die Haare fallen aus. Mann, du verlierst deine Zeit - machs jetzt!" Vielleicht liegt in dieser Carpe-Diem-Mentalität die Kraft jenes Mannes, der auch nach 25 Jahren Bandgeschichte noch vor leeren Hallen spielt. Gibt es einen Heavy-Metal-Gott, so hasst er diese Band. In einem schwermütigen Moment meint Lips gar: "Ich könnte auch eine Klippe runterspringen - das wäre der einfachste Weg." Doch sofort wird er von Robb unterbrochen: "Nein, Mann, ich würde dich stoppen!" Das ist eine der rührendsten Szenen des Films und zeigt, worauf es ankommt: Vertrauen und Freundschaft. Schlussendlich wünscht man sich mehr als in jedem Hollywood-Streifen diesem sympathischen Haufen, dass sich doch noch der ersehnte Erfolg einstellt.
Und siehe da, gegen Ende des Films reist die Band noch einmal nach Japan. Die Erwartungen sind groß, die Angst vor einem neuen Misserfolg auch. Wie es ausgeht? Am 11. März wird die DVD in Deutschland erscheinen und diese Frage beantworten.
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