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Emma Nathan/ Dominorecordo Anna Calvi

 

Anna Calvi: Solo  der  Gitarrengöttin

Es war ein gutes Jahr für Anna Calvi, doch kurz vor ihrer ersten Solo-Tour verletzte sie sich die Hand. Ein Super-GAU für die leidenschaftliche Gitarristin. Nun nimmt sie neuen Anlauf ...

Von Max Muth

Anfang Februar lief alles wie am Schnürchen für die Londonerin. Die erste Solo-Tour mit ihrem hochgelobten Album "Anna Calvi" stand auf dem Programm. Dann der Rückschlag: Vor den ersten Konzertterminen verletzte sich die Ausnahme-Gitarristin die Hand. Die Auftritte in England und den USA wurden gecancelt, den zweiten Teil der Tour absolvierte sie mit einem Ersatzgitarristen - für Anna Calvi, die auf der Bühne von ihrer Gitarrenkunst lebt, mehr als suboptimal. Insofern ist diese Tour für die 28-jährige klar etwas Besonderes - ihre erste richtige Solo-Tour. Wir haben sie vor dem Konzert in Müchen getroffen.

Sehnsucht nach den 70ern

"Danke für eine ausverkaufte Show" lässt der Veranstalter im Münchner "Backstage" auf den Plakaten für das Konzert von Anna Calvi wissen. Auf der Bühne wird gerade das Harmonium von Bandmitglied Mally Harpaz installiert. Die ersten schwarzgekleideten Gäste für das Konzert nebenan sind schon angekommen. Drüben gibt es heute Metal, im Biergarten läuft der DFB-Pokal. Fußball ist an dem Tag allerdings zweitrangig, denn in wenigen Stunden spielt hier eine der Neuentdeckungen des vergangenen Musikjahres.

Anna Calvi sagt, sie vermisse die goldenen 70er Jahre. Damals spielten Jimi Hendrix und Konsorten mehrere Auftritte pro Abend, um danach in irgendwelchen Spelunken bis in den Morgen zu feiern und zu jammen. Aber die Zeiten sind vorbei und für Anna Calvi sollte das eigentlich erfreulich sein: Jimi Hendrix jedenfalls hätte die Engländerin ziemlich langweilig gefunden. Sie trinkt und raucht nicht, nimmt keine Drogen und zieht nach Auftritten nicht um die Häuser. Ihre Stimme ist ihr Kapital und das muss geschützt werden: "Ich singe sehr laut und muss dehalb meine Stimme vor Konzerten aufwärmen und danach wieder beruhigen. Ich sollte deshalb danach besser nicht in lauten Clubs rumhängen."

Unscheinbare Gitarrengöttin

Ihre Stimme trainiert sie erst seit fünf Jahren. Calvi ist Geigerin mit Universitätsabschluss, ihr liebstes Instrument aber ist die Gitarre. Rockstar werden, das war nie Calvis Traum - Gitarrengott zu sein wie Hendrix, ist ihr Ziel. Bis sie den Ruhm eines BB King, Eric Clapton oder eben Hendrix erreicht hat, wird noch einige Zeit vergehen. Ihren Namen allerdings kennt man inzwischen.

Wer der jungen Engländerin auf der Straße begegnet, erkennt sie vermutlich nicht. Das bestätigt auch ihre eigene Erfahrung: "Einmal hat mich in London in der U-Bahn jemand erkannt, aber das war das einzige Mal." Eigentlich seltsam, wenn man bedenkt, was die 28-Jährige im vergangenen Jahr geleistet hat. Touren mit Nick Cave und Johnny Flynn, ein von Publikum und Kritikern hochgelobtes Album, Vergleiche mit P.J. Harvey und nicht zuletzt eine Nominierung für den britischen Mercury Prize. Brian Eno nennt sie die größte musikalische Entdeckung seit Patti Smith und Karl Lagerfeld bezeichnet sie als seine Muse.

Wieso die Musikerin oft übersehen wird, wie sie auf der Bühne zur Femme Fatale wird und was Anna Calvi als nächstes vorhat, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Mehr von der Künstlerin sehen Sie in unserer Bildergalerie.


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