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Amy Macdonald: Küken-Pop

Amy Macdonald wird erwachsen. Das zeigt sie im MAX-Interview. Mit großen Schritten überholt sie ihr gefallenes Vorbild Pete Doherty und bleibt dennoch auf dem Boden.

Von Julian Rohrer

Wenn sich Künstler verändern, definieren sie ihre Kunst gerne neu. Oder sie kleiden ihre Klassiker in ein neues Gewand. Oft ist es ein Zeichen einer inneren Wandlung. Die schottische Künstlerin Amy Macdonald machte zuletzt mit der Pop meets Klassik CD "A Curious Thing: Special Orchestral Edition" auf sich aufmerksam. Es zeigt eine Wandlung, die sie auch im Interview bestätigt. Das Küken wird erwachsen, alte Idole werden zu gefallenen Engeln. Wie Pete Doherty, der jetzt unter Anklage in Regensburg steht, weil er angeblich in einen Plattenladen eingebrochen sei. Mit dem Song "Poison Prince" verarbeitet sie mit großen, traurigen Augen den tiefen Fall des Helden: "Ja, das ist schon eine lange Zeit her. Es handelt von der großartigen Band 'The Libertines', in der Pete war. Die Band hatte so viel Potential! Aber mit dem Weg, den Doherty einschlug, ruinierte er einfach alles. Es war einfach beschämend für seine Fans. Darum geht es in dem Song. Ich flehe ihn darin an, diesen Nonsens hinter sich zu lassen, und wieder zur Musik zurückzukehren."

Ein Ort Namens Bishopbriggs

Ganz ohne den Boden unter ihren Füßen zu verlieren, hat die in Bishopbriggs geborene Musikerin mit ihren 24 Jahren hat schon viel erreicht. Diesen Erfolgen verdankt Macdonald dann auch die Einladung zu dem Projekt mit dem Philharmonieorchesters des Deutschen Radios, nicht in den Abgrund mit Drogen und Exzessen - wie anders als ihr ehemaliges Vorbild Pete. "Das Spielen der Songs in einem neuen Gewand machte für mich eigentlich keinen großen Unterschied. Im Hintergrund spielte meine Band mit, während ich das Orchester kaum gehört habe. Für das Publikum klang es aber viel größer und interessanter." Doch muss konstatiert werden: Diese klassische Neuinterpretation ihrer Songs ist nicht der Gipfel der Karriere und kommt zu früh. Kein Küken macht Kunstflüge, solange es die Grundzüge des Flatterns noch nicht gemeistert hat. Selbiges gilt für Amy Macdonald. Die wunderbare Magie ihrer Stimme blitzt in ruhigen Passagen dennoch auf und lässt den Hörer träumen. Ist das nicht auch eine Menge wert?

Rockige Wurzeln

Dabei hätte die junge Schottin doch soviel mehr zu bieten, denn ihr Land pulsiert geradezu in ihrer Kunst. "Ich liebe die Natur meiner Heimat. Selbst wenn man in Städten wie Glasgow oder Edinburgh lebt, kann man innerhalb von 20 Minuten auf dem Land mit all den Bergen und Steinen sein. Ein spektakuläres Land - und das genieße ich, zum Beispiel, wenn ich mit meinem kleinen Hund spazieren gehe." Die Wurzel ihrer Karriere ist ebenso in Schottland zu suchen: die Rockband "Travis". "Ich sah die Band bei einem Auftritt in Teen Park, einem großen Festival in Schottland. Ich war einfach nur begeistert. Und da war mir klar, dass ich in meinem Leben nichts anderes machen will, als Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben. Mit zwölf habe ich mir eine Gitarre besorgt und mit 14 meinen ersten Song geschrieben." Der Rest ist Geschichte. Echo, Music Award und phänomenale Chartplatzierungen folgten.

Was für ein Glück für ihre Fans ist es doch, dass sich das Küken gerade Pete Doherty zum Vorbild genommen hat. Abschreckender kann eine Popkarriere kaum laufen. Vielleicht ist die Emanzipation von diesem Vorbild genau das, was die schottische Bodenständigkeit der Amy Macdonald ausmacht.

Hier geht es zur Bildergalerie von Amy Macdonald.

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