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Brian Setzer: Ganovenswing

Ganoven, Gangster, dicke Autos, Zigarren und knatternde Schüsse aus der Tommy-Gun: Das Chicago der 30er Jahre war wahrhaft kein Ort für ehrliche Bürger. Für diese romantisch verklärten Zeiten der Prohibition liefert Kult-Rocker Brian Setzer nun den perfekten Soundtrack.

Von Julian Rohrer

In einem Anfall geniösen Wahnsinns hat sich Brian Setzer 1994 dazu entschlossen, ein mehrköpfiges Swingorchester zu entführen und bereist seitdem fast schon seriös die Welt. Ende der Siebziger sah das alles noch ein wenig anders aus: Als Gründer der Stray Cats wurden unvergessene Songs wie "Rock This Town" performed, angetan mit wilden Frisuren und fetzigen Klamotten - ganz im Sinne der Rockabilly-Mode dieser Tage.

Ganze 15 Jahre und mehrere Alben später veröffentlicht der Altmeister nun sein 13 Songs umfassendes Album "Songs From A Lonely Avenue". Dabei surft der Sound munter zwischen beschwingten Swing-Eskapaden durchtanzter Strandabende und rauchiger Rockabilly-Balladen hin und her. Der Chef sitzt dabei im offenen Cadillac - ja, genau, dem mit den Haifischflossen - und zwirbelt sich seine Kotletten, während es durch die dreckigen, aber irgendwie mystisch-charmanten Hochhausschluchten New Yorks geht.

Whiskey, Pomade und fliegende Petticoats

Den Hörer einfangen, ja das kann Brian Setzer. Spätestens, wenn er mit tiefer, Whiskey-geschwängerter Stimme, voller Pomaden-Pathos und verlebter Eleganz von den "Lonely Avenues" des Lebens singt, fallen ihm die Mädchen im artigen Petticoat gleich reihenweise um den Hals. Keine Angst: Die Big Band mit dem cool an der Zigarette hängenden Contra-Bassisten zieht schließlich auch die neidischen Typen der angesprochenen Mädchen in seinen Bann, während sich die tolle Gitarre Setzers, direkt aus den dunklen Ecken der Bar erklingend, gleichsam über alles legt und den Tanz anführt.

Dass das Album "Songs From A Lonely Avenue", welches am 16. Oktober erscheint, kein Meilenstein der Musikgeschichte wird, ist klar. Zu oft gab es die Kombination Orchester plus Rocker schon. Doch die Fähigkeit Setzers, eingängige Melodien mit tollen Orchesterarrangements zu verbinden und den Hörer dadurch in ein einzigartiges Kopfkino der wilden 30er zu entlassen, ist phänomenal - allein deshalb lohnt es sich schon, ein Ohr zu riskieren. Doch Vorsicht: Wer dem Paten verfällt, gehört über kurz oder lang zur Familie ...

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