Zettl: Darum zerreißen alle Kritiker "Zettl"
Ganz große Namen: Bully, Götz George, Dieter Hildebrandt und Götz George. Am Ruder Helmut Dietl ("Rossini"). Doch die Satire "Zettl" erntet nur Verrisse.
Von Lisa Altmeier
Alle Mühe war vergebens: Da hatten sich die PR-Strategen von Zettl doch so ins Zeug gelegt. Der Nachfolge-Film von Helmut Dietls Münchner Klassiker "Kir Royal" wurde mit einem gigantischen Tamtam beworben: Michael Bully Herbig war Premierengast bei "Gottschalk live", Reinhold Beckmann lud gefühlte zehn Crew-Mitglieder in seine Talkshow ein und "Zettl" war in allen Zeitungen und Zeitschriften Thema. Ein schöner Trailer machte Lust aufs Kino.
Der durch die PR-Maschinerie in glückselige Vorfreude gelullte Zuschauer erwartete ein Gag-Feuerwerk. Tatsächlich hat er während der Vorstellung eher das Gefühl, ein paar großen Raketen beim Absturz zuzusehen. Die Reaktionen der Filmkritiker lassen sich am besten mit dem Wort "Enttäuschung" beschreiben. Warum ist das so?
Worum geht es in diesem Film überhaupt? Die Handlung nachzuvollziehen ist schon die erste Schwierigkeit: Sie strotzt vor Unübersichtlichkeit und in "Zettl" gibt es zu viele Figuren. Grob zusammengefasst: Ein zum Chauffeur degradierter ehemaliger Journalistenschüler (Max Zettl, gespielt von Michael "Bully" Herbig) wird Chefredakteur einer neuen Berliner Zeitung. Der Zuschauer darf hinter die Kulissen der Berliner High Society und der Medienbranche schauen: In "Zettl" werden allerhand (politische) Affären aufgearbeitet.
Schon die ersten zwei Minuten sind enttäuschend. Auf einer animierten Landkarte in beige hüpfen Comicfiguren von München nach Berlin und ein Sprecher erklärt, wo denn jetzt genau die Verbindung zwischen "Kir Royal" und "Zettl" liegt. Herausgekommen ist ein wirres Geflecht von schlechten Zufällen. Dieser Einstieg wirkt konstruiert, die gezeichneten Zusammenhänge sind nicht verständlich. Langweilig und unübersichtlich. Der Raketenstart ist damit verpatzt.
Zusammengeschusterte Notlösung
Warum die "Kir Royal"-"Zettl"-Verbindung so rumpelig ist, kann erahnen, wer den Auftritt von Regiesseur Helmut Dietl bei Beckmann verfolgt hat. Dort erzählte der nämlich, dass er ursprünglich Baby Schimmerlos-Darsteller Franz Xaver Kroetz als zweite Hauptrolle vorgesehen hatte. Aber Kroetz sprang ab.
Wie "rettet" Dietl seinen Film? Ganz einfach: Baby Schimmerlos wird rausgestrichen. Er ist der Einfachheit halber tot. Der Plot beginnt mit seiner Beerdigung. Dadurch wirkt alles weitere Geschehen wie eine lieblos zusammengeschusterte Notlösung.
Zwar kommt die Feuerwerksrakete nach der weder lustigen noch ehrlich sentimentalen Beerdigung ein wenig in Fahrt: Die (Nicht-mehr-)Affäre der Berliner Göre (Karoline Herfurth) mit dem sichtlich lädierten Bundeskanzler ist nett anzuschauen und die deutsche Nationalhymne als Hintergrundmusik einzubetten war nicht die schlechteste Idee. Und wer freut sich nicht, wenn er Harald Schmidt als ätzenden schwäbelnden Ministerpräsidenten sehen darf. Doch: Die Kracher bleiben aus.
Tiefgefrorener Bundeskanzler
Ein Bundeskanzler, der offiziell in der Karibik weilt, in Wahrheit aber tot und tiefgefroren in einem Krankenhauszimmer liegt. Eine Berliner Bürgermeisterin, die den Chefredakteur einer neuen Zeitung als ihren Sohn vorstellt, weil sie ihre Intimoperationen vertuschen will. Es gibt ein paar Momente, in denen der Zuschauer denkt: Gute Idee. Aber schlecht gemacht. Meistens denkt er: Schlechte Idee. Und schlecht gemacht. Ein, zwei nette Gags tauchen auf, aber keiner, der so gut wäre, als dass er im Gedächtnis haften bliebe.
Wir erfahren nichts Neues über die Berliner High Society. Stattdessen bestätigt der Film altgediente Klischees. Das enttäuscht. Manche Drehungen der Handlung sind überhaupt nicht nachvollziehbar: Warum will Chefredakteur "Zettl", dass die Berliner Oberbürgermeistern (eigentlich ein Mann) sich als seine Mutter ausgibt? Bei einer Komödie erwartet man nicht unbedingt, dass alle Ereignisse streng logisch nachvollziehbar und realitätsnah sind. Aber wenn sie es schon nicht sind, sollten sie wenigstens witzig sein.
Riesige Fallhöhe
Das Dielektkabinett ist etwa zwanzig Minuten lang charmant. Danach fahren die Ohren des Zuschauers Kirmes. Wie soll man sich da noch auf die seltsame Handlung konzentrieren? Die Rakete stürzt ab, noch bevor sie in Fahrt gekommen ist. Es ist ein bisschen wie bei American Pie 4: Der gescheiterte Versuch, an alte Erfolge anzuknüpfen. Umso trauriger, dass man Helmut Dietl bei seinen öffentlichen Auftritten abnimmt, dass er sein Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat.
"Zettl" ist vermutlich nicht der schlechteste deutsche Film des Jahres. Es wird 2012 sicher Helden geben, die viel Schlechteres produzieren. Aber es ist einer der Filme mit der größten Fallhöhe. Der heißgeliebte Vorgänger "Kir Royal", die prominente Besetzung, die gute Werbestrategie, all das hat eine überbordende Erwartungshaltung produziert. Und zwar insbesondere bei Journalisten. Die freuen sich nämlich immer besonders auf Filme, in denen es um Journalisten geht. Die erwartungsfrohen Vorberichte haben die Vorfreude der Zuschauer potenziert und das ist wahrscheinlich der Grund, warum am Ende des Films Rezensenten und echte Zuschauer in trauter Einheit den Kopf schütteln: "Das wars jetzt? Darauf hab ich mich so gefreut?" Diese Rakete hinterlässt ein tiefes Einschlagsloch.
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Den Trailer zu "Zettl" sehen Sie hier. Was sonst noch läuft und was demnächst startet, sehen Sie in unserer Galerie der Filmtrailer.
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Leser-Kommentare (1)
nur so
michael herbig hat ein unattraktives gesicht
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