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Concorde Filmverleih Twilight Breaking Dawn 2

 

Breaking Dawn: Was  haben  wir  von  "Twilight"  gelernt?

Actionfilme sind doof aber liebenswert. Welt kaputt, Mann haut drauf, Welt wieder ganz: schön. Ein ähnliches Genre, nur für kreischsüchtige Mädchen hat die "Twilight"-Serie erfunden. Wir sehen uns an, was uns dieses neue Genre gelehrt hat.

Von Martin Haldenmair

Die Kamera fährt liebevoll durch kahle Räume mit schicken Möbeln. Zimmern mit großen Fensterflächen. Neben uns stöhnt eine mittelalte Dame lustvoll. Sehen wir gerade aus Versehen einen Porno für Leute, die Häuser geil finden? Nein, es ist der letzte Teil der "Twilight"-Serie mit dem deutschen Titel "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 2". Wieso verschwendet ein Film, der 115 Minuten dauert so viel Zeit damit, uns Interieurs zu zeigen? Er hätte doch noch so viel zu bieten: Leute, die herumstehen und hölzerne Dialoge sprechen. Leute, die herumstehen und irgendwohin gucken.

Nur eines der vielen Rätsel, die uns "Twilight" aufgibt. Ein anderes ist, wieso alle Figuren in den Film so viel Spaß am Vampirsein haben und nur die Cullens immer einen auf gequält machen müssen. Oder warum gut Szenen mit interessanten Nebenfiguren immer dadurch ruiniert werden müssen, dass die Hauptfiguren dazu kommen und über ihre Gefühle reden. Und dabei herumstehen und irgendwohin gucken. Die Antwort ist: Weil es egal ist, ob der Film gut oder schlecht erzählt. Er ist ein Erfolg, so lange nur Bella, Edward und Jacob drin sind, Edward funkelt und Jacob sein Hemd auszieht. Der Rest ist Füllmaterial, narrative Sägespäne, cineastisches Styropor.

Blicken wir statt zu kritisieren mit etwas Wehmut auf die vielen Lektionen zurück, die uns diese Reihe gelehrt hat:

1. Der Feminismus ist tot

Am Ende der Serie ist Bella endlich glücklich. Anfangs war sei ein bedauernswertes Mädchen, das ganz allein seinen Weg suchen musste. Nun ist sie eine Frau mit einem reichen Ehemann, der sie vor allem Unbill beschützt. Sie hat ein Kind, dem sie ihr Leben widmen kann. Als Vampir (kleines Geschenk von ihrem Mann) hat sie alle Schwächen überwunden. Bildung, Beruf, Selbstständigkeit und andere feministische Flausen liegen hinter ihr. Nimm das, Emma! Hier ist Bella.

2. Erzählkrücken sind quicklebendig

"Twilight" hat keine Angst, erzählerische Mittel zu verwenden, für die schon in der Steinzeit Geschichtenerzähler mit der Keule auf den Kopf bekamen: Ein Trailer, der behauptet, es werde nichts mehr sein, wie zuvor. Figuren die "am Papier geschnitten" sagen, wenn sie sich am Papier geschnitten haben (haben wir doch alle schon mal gesagt, wenn wir uns am Papier geschnitten haben). Und der Klassiker "Es war doch alles nur ein Traum". Große Metzeleien finden im vierten Buch nicht statt? Kein Problem! Es gibt sie als Vision mit viel fehlschlagenden Spezialeffekten. Man will ja die Zuschauer bloß nicht verschrecken dadurch, dass eine Figur einen echten Verlust erleben könnte.

3. Der Underdog gewinnt nicht immer

Zwei Jungs, ein Mädchen. Der eine ist reich, wohnt in einem großen Haus, hat Erfolg und fährt Volvo. Der andere ist arm, wohnt mit seinem behinderten Vater in einer Hütte und fährt ein selbstgebasteltes Motorrad. Wie geht die Geschichte normalerweise aus? Ganz klar, der arme Biker, der natürlich ein großes Herz hat (er kümmert sich um seinen Vater) kriegt das Mädchen, der reiche Langeweiler (Hallo? Volvo?) geht leer aus.

"Twilight" holt uns in die grimmige Realität: Du kriegst das Mädchen nur, wenn Du unsterblich bist, glitzerst und mindestens eine Insel besitzt. Hau ab, Wolfsjunge!

4. Viele merkwkürdige Dinge sind offenbar ungeheuer sexy

Wir haben so viel falsch gemacht in unserem Beziehungsleben. "Twilight" hat uns gelehrt, dass man von einer Klippe springen muss, wenn man sitzen gelassen wird. Dass man eine Frau heimlich beim Schlafen beobachten muss. Dass es romantisch ist, das Auto der Freundin zu sabotieren, so dass sie nicht irgendwo hinfahren kann, wo man nicht will, dass sie hinfährt. Und es ist auch vollkommen in Ordnung, sich in ein kleines Kind zu verlieben, so lange es - als Vampir-Mensch-Hybrid - nur schnell genug aufwächst.

5. Von Sex wird man schwanger

Es war die große Überraschung des vierten Teils: Bella wurde schwanger. Wie konnte das passieren? Sie hatte doch nur ungeschützten Sex mit ihrem frisch angetrauten Mann. Könnte es etwa sein, dass die beiden Dinge miteinander verknüpft sind? So erstaunt, wie die Figuren taten, war das wohl bisher nicht evident. Also schreiben wir es hier noch mal auf: Ja. Von Sex, kann man schwanger werden. Wir nehmen an: besonders, wenn man nicht verhütet.

Bonuslektion: 6. Es gibt auch gute Vampirfilme

Was gibt es Schöneres, als wenn ein "Twilight"-Fan behauptet, alles über Vampire zu wissen, aber noch nie von Bram Stoker gehört hat? Hätte es die Serie nicht gegeben, hätten wir in den letzten Jahren wohl nie so viele Vampirfilme gesehen, nur um uns daran zu erinnern, was echte Vampire sind. Und ohne "Twilight" hätten es machen Produktionen wie "So finster die Nacht" und dessen amerikanisches Remake "Let Me In" sicher um einiges schwerer gehabt. Also ein großes Dankeschön an Funkel-Eddie und Glitzer-Bella.

Mehr vom Film sehen Sie in unserer Bildergalerie zu "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht.


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PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare (2)
Martin H. (23.11.12 - 21:54)
@Angie

Die Kritik muss ich wohl schlucken. Das sind tatsächlich ein paar Fehler durchgerutscht. Danke für den Hinweis.

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