True Grit: Racheengel
Der Western ist genauso verschwunden wie die Zeit, in der er spielte: Nach und nach, ohne großes Aufsehen, nur ein wenig Nostalgie zurücklassend. Die Brüder Coen holen das Genre mit "True Grit" zurück.
Von Martin Haldenmair
Vom Western ist Nostalgie an eine Zeit und ein Genre geblieben, in denen vieles einfach war. Wo noch heroisch - in Duellen - getötet wurde und wo Männer noch tragische Helden sein durften ohne ironische Hornbrillen zu tragen. Ethan und Joel Coen, die ungewöhnlichsten Regisseure Hollywoods, holen das Relikt zurück und interpretieren den Klassiker "Der Marshall" neu. Mattie Ross (Hailee Steinfeld) ist 14 Jahre alt und hat einen stählernen Willen. Ihr Vater wurde kürzlich ermordet, der Mörder Tom Chaney (Josh Brolin) versteckt sich im Indianerland. Sie heuert einen Marshall (Jeff Bridges) an ihr den Mörder zu beschaffen. Nur, dass sie auf ihre Investition aufpassen möchte und mitreitet, ist selbst für diese raue Gegend ungewöhnlich. Marshall Rooster Cogburn behält man aber besser im Auge: Er ist ein wahres Urviech des Westens, versoffen und stinkend (wahrscheinlich), freigiebig allerhöchstens mit Kugeln.
Film: Western
True Grit
Joel & Ethan Coen
Fazit:
Schlichte Rachestory in beeindruckenden Bildern und etwas schwarzem Humor
Jahr: 2010
Deutscher Kinostart: 24. Februar 2011
Mit: Jeff Bridges, Matt Damon, Hailee Steinfeld, Josh Brolin, Barry Pepper
Bewertung: ![]()
Und noch jemand ist dem Mörder auf der Spur: Texas-Ranger LaBoeuf (Matt Damon). Von diesem Rodeoclown hält Mattie erst mal gar nichts, doch Cogburn schließt einen Deal mit ihm ab. Zu dritt reiten sie in die Wildnis: ein Mädchen mit vielleicht etwas zu viel gesundem Menschenverstand und zwei Draufgänger, die sich gegenseitig mit Jägerlatein überbieten.
Schnörkellos mit schwarzem Humor
Eine geradlinige Rachegeschichte erzählen die Coen-Brüder als würde ein Rockvirtuose plötzlich "Hänschen Klein" ins Mikro flüstern. Sie verzichten auf ihr übliches Repertoire an verschrobenen, bekifften Figuren sowie absurden Wendungen und gehen an die Seele des Westerns: großartige Landschaftsaufnahmen (glücklicherweise in 2D), eine emotionale Story und plötzliche, blutige Gewaltausbrüche. Ohne Ironie, aber mit einem eigenartigen, schwarzen Humor über die Nonchalance des Tötens, des Sterbens und der Gewalt - es sind halt doch die Coens am Werk.
Darum spielt auch ein herrlicher Jeff Bridges mit, diesmal nicht zugedröhnt wie in "Big Lebwoski", aber mit whiskeyschwerer Zunge und tapsendem Bärenschritt. Wie so ein Wrack sympathisch und zugleich gefährlich wirkt, ist Bridges Geheimnis. Matt Damon als redefreudiger Ranger, der seinen Stern ein bisschen zu selbstverliebt herzeigt, ist ebenso goldrichtig besetzt, wie Josh Brolin als instabiler Gegner. Die große Entdeckung des Films ist die 15-jährige Hailee Steinfeld als entschlossener und doch menschlicher Racheengel.
Wiederkehr eines Genres
Herausgekommen ist: tatsächlich ein Western! Schlicht, aber intensiv und handwerklich bestens gelungen. Wer das Genre nicht mag, wird auch durch "True Grit" nicht in diese Filmwelt hineinfinden. Wer sich darauf einlassen möchte, ist bald gefangen in einer einfachen und gewalttätigen Welt, an der allenfalls die etwas plötzliche Schlusssequenz zu kritisieren ist.
Sehen Sie hier Trailer und Filmausschnitte von "True Grit".
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