Tron Legacy: Daft Punk und 3D
Es war einmal ein Programmierer, der wurde in seine eigene Schöpfung hineingezogen. Sein Sohn reiste ihm nach und fand eine Welt voller Style und 3D-Effekte mit Musik von Daft Punk: "Tron Legacy" kommt in die Kinos.
Von Martin Haldenmair
Einen Film mit Computerhilfe drehen? 1982 war das unmöglich! Doch dann gab Disney einem Unbekannten namens Steven Lisberger eine Chance - und ein nettes Budget. Das Ergebnis war: "Tron". Ein flotter Programmierer (Jeff Bridges) wird von einem rachsüchtigen Programm per Laserstrahl (jajaja, Physik funktioniert so nicht, aber egal!) in den Computer gefeuert. Dessen Welt besteht nur aus bunten Linien. Körperlos, gewichtslos, fremdartig und dennoch seltsam real wirkte sie. Und nicht nur das: Es war sogar gelungen, echte Schauspieler in die vom Computer gebauten Bilder einzufügen. Und so zischten Jeff Bridges und Bruce Boxleitner auf Lichträdern in die Kinogeschichte.
Film: Science Fiction
Tron Legacy
Joseph Kosinski
Fazit:
Augenzucker mit modernster Computertechnik
Jahr: 2010
Deutscher Kinostart: 27. Januar 2011
Mit: Jeff Bridges, Bruce Boxleitner, Garrett Hedlund, Michael Sheen, Olivia Wilde
Bewertung: ![]()
Mut zur Fortsetzung
18 Jahre später eine Fortsetzung des damals visionären Streifens zu drehen erfordert Mut. Hinter den Kulissen ist Lisberger diesmal als Produzent tätig, die Regiezügel hält Newcomer Joseph Kosinski in der Hand. Jeff Bridges (mittlerweile immerhin Oscarpreisträger) und Bruce Boxleitner nehmen ihre alten Rollen wieder auf. Als junges Augenfutter und neue Helden treten Olivia Wilde (Thirteen aus "Dr. House") und Garrett Hedlund in den Vordergrund.
"Get in, get the girl, get out!"
Flynns Computerwelt, der Raster, läuft außer Kontrolle. Sein Meisterprogramm Clu (gespielt von einem digital verjüngten Jeff Bridges) hat die Macht an sich gerissen. Flynn kann die Welt nicht verlassen und verlegt sich für zehn Jahre aufs Meditieren: Jeff Bridges ist hier offensichtlich ganz in seinem Element aus "Die Männer, die auf Ziegen starren". Auf den Spuren seines verschwundenen Vaters verschlägt es Sohn Sam (Garrett Hedlund) ebenfalls auf den digitalen Raster. Gerettet von einem heißen, weiblichen Programm namens Quorra (Olivia Wilde) will er so schnell wie möglich wieder heim und seine neue Freundin dabei mitnehmen - wie das auch immer funktionieren soll. Das bringt des Vaters Zen gewaltig durcheinander, und Clu hat nur darauf gewartet, dass der endlich mal wieder einen Mucks macht.
Vorporgrammierte Erzählen
Die Geschichte ist, man sieht's, ein wenig dünn. Einige schöne Ideen bleiben auf der Strecke. Über die neuen digitalen Lebensformen hätte man genauso gern mehr erfahren wie über das doppelzüngige Programm Castor, gespielt von einem herrlich überziehenden Michael Sheen und über seine schöne Sirene Gem (Beau Garrett). So wird der Film gegen Ende sehr formelhaft und Flynns Dialog am Anfang ist fast nur dazu da, Merchandising-Artikel vorzustellen (allein "Tron, der Flammenwerfer" fehlte).
Stilvolles 3D
Doch genug der künstlerischen Klein-Klein-Kritik - die wichtigste Frage ist doch immer: Macht es Spaß, den Film zu sehen? Aber hallo, aber ja! Die Effekte sind vom Feinsten. Die Computerwelt besteht aus matt polierten, schwarzen Oberflächen und hat sogar Wolken und Wetter, alles sehr real animiert, doch eben immer ein klein bisschen neben der Realität. Geschickt eingesetzt wurde das 3D tatsächlich mit dramaturgischen Sinn: Unsere Welt erscheint zweidimensional (hier kann der Zuschauer ruhig die 3D-Brille abnehmen, das Bild wird gleich viel heller) und erst die digitale Welt springt plötzlich durch die Leinwand.
Daft Punk am digitalen Plattentelller
Nicht zu vergessen: die Musik. Im ersten Teil setzte Elektromusik-Pionierin Wendy Carlos minimalistische Synthesizer-Klänge ein. Für "Tron Legacy" dreht Daft Punk mächtig auf, tritt sogar selbst kurz auf, mischt Fanfaren mit Motorengeräuschen und wildert auch mal in dem bombastisch-symphonischen Gefilden eines Hans Zimmer ("Braaaaam!"). Das reißt mit und rundet die stylische neue Welt der Computerwesen ab. Also kurz: Hirn nicht ganz so hoch takten, Brille auf und ab geht's auf den Raster.
Die digitale Welt ruft: Interviews mit den Stars und Machern sowie Ausschnitte aus dem Filmsehen Sie in unseren Videos zu "Tron Legacy" .
Weitere Einblicke gewährt Ihnen unserer Bildergalerie.
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