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Tobis To Rome with Love

 

To Rome With Love: Kurze  Affären  in  der  Ewigen  Stadt

Woody Allen pilgert von Paris nach Rom und inszeniert dort einen leicht surrealen Episodenfilm über die Ewige Stadt, in der jeder ohne Konsequenzen jede Gelegenheit ergreifen kann

Paris hat Woody Allen Glück gebracht. "Midnight in Paris" brachte ihm den vierten Oscar ein. Seit 46 Jahren dreht er (fast) jedes Jahr einen Film, bei dem er die volle Kontrolle über Drehbuch, Besetzung und endgültigen Schnitt hat. Im Regiestuhl sitzt er sowieso und meist spielt der immerhin 76-Jährige auch noch selbst mit. Nach der Stadt der Lichter zieht er nun die ewige Stadt - die neueren Allens spielen häufig in Europa. Kann der ruhelose Geschichtenerzähler seinen Erfolg wiederholen. Nein. Es ist schon allein deswegen nicht möglich, weil nach dem lange fälligen Oscar (der letzte liegt über 20 Jahre zurück) sein 48. Film die höchsten Erwartungen erfüllen muss. Ist er genau das gleiche wie "Midnight in Paris", würden wir ihn als einfallslos empfinden, wäre er ganz was anderes, würden wir kritisieren, dass er eben überhaupt nicht wie der Erfolgsilm ist. Die richtige Frage lautet: Ist "To Rome with Love" ein guter Film? Ja.

Film: Komödie

To Rome with Love

Woody Allen

Kinostart: 30. August 2012

Länge: 112 Minuten

Mit: Woody Allen, Penélope Cruz, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Jesse Eisenberg

FSK: keine Altersbeschränkung

Bewertung:


Rom als Bühne

"The Bop Decameron" sollte er ursprünglich heißen, bis Allen klar wurde, dass vielleicht gar nicht so viele Leute auf der Welt den italienischen Episodenroman "Dekameron" aus dem 14. Jahrhundert von Boccaccio gelesen haben dürften (wenn Sie dazu gehören: blättern sie ruhig rein, der Autor war definitiv nicht prüde bei seinen Beziehungsgeschichten). Übriggeblieben von der Idee ist ein ganzes Arsenal an Figuren (ein Dutzend sind wichtig, ein weiteres Dutzend immerhin in Nebenrollen) und eben eine rein episodische Struktur. Rom ist die Bühne für vier Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben und deren Figuren sich nicht begegnen. Nur Rom haben sie gemeinsam. Ähnlich wie Allens Paris ist auch dieses Rom ein idealisiertes Bild seiner selbst mit ewig goldenem Licht, schöner Architektur und immer glücklichen Menschen (Rom hat in Wirklichkeit wie Paris sowohl die schönsten als auch die hässlichsten Gebäude der Welt an einem Fleck versammelt). In dieser Stadt gibt es wohl nur ein wahres Verbrechen: Eine Gelegenheit nicht zu nutzen.

Gelegenheiten ergeben sich einige: Student Jack (Jesse Eisenberg) bekommt sie in Gestalt von Monica (Ellen Page). Sie ist die beste Freundin seien festen Freundin und kurz auf Besuch in Rom, um von ihrem letzten Beziehungsknatsch Ablenkung zu finden. Der frischgebackene Ehemann Antonio (Alessandro Tiberi) bekommt Besuch von einer Escortdame namens Anna (Penélope Cruz), während sich seine Frau Milly (Alessandra Mastronardi) hoffnungslos in der Stadt verirrt und schließlich von einem des Weges kommenden Filmstars (Antonio Albanese) verführt wird. Leopoldo (Roberto Benigni), ein gänzlich langweiliger Mensch, kann sich vor Frauen nicht mehr retten, als er über Nacht ohne Grund berühmt wird und die Presse stündlich darüber berichtet, was er zum Frühstück gegessen hat und ob er Kaffee über seiner Zeitung verschüttet hat oder nicht (ja, aber seine geistesgegenwärtigen Reflexe konnten Schlimmeres verhindern). Einer Versuchung ganz anderer Art erliegt der ewig erfolglose (oder ewig seiner Zeit voraus seiende, das hängt von der Perspektive ab) Opern-Regisseur Jerry (Woody Allen). Er entdeckt, dass sein römischer Schwager in spe (Fabio Armiliato) eine geniale Opernstimme hat - doch nur unter der Dusche. Jerry ist eigentlich im Ruhestand, doch da er den mit dem Tod gleichsetzt - wohl ähnlich wie Allen selbst - nimmt er die Gelegenheit wahr, eine klassische Oper mit tragbarer Duschkabine zu inszenieren.

Anspielungen auf alte Woody-Allen-Filme

Die Dusch-Oper ist dabei vielleicht noch der vernünftigste Abkehr vom Realismus. Denn der Surrealismus lauert in Allens Rom an jedem Straßeneck, schließlich drehte dort Allens Vorbild Frederico Fellini einige seiner besten Filme. Die merkwürdigste Idee ist, den jungen Architekturstudenten Jack vom erfolgreichen Architekten John (Alec Baldwin) begleiten zu lassen. Der kommentiert zynisch die Flirtstrategien der jungen Leute, warnt vor der Affäre und ärgert sich ganz allgemein, wie die Geschichte weiterentwickelt. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. Braucht es auch nicht.

Mit "Stardust Memories" drehte ein damals noch junger Allen Fellini schon einen Fanfilm (erinnernd an dessen Meisterwerk "8 ½"), den Fellini allerdings nicht besonders toll fand. Von "Ozymandias Melancholie" war die Hauptperson, ein junger Filmemacher gespielt von Allen, geplagt. Diese Melancholie zitiert Allen auch als alter Opern-Regisseur und nimmt sich und einige seiner Marotten dabei auf die Schippe. "To Rome with Love" ist so auch ein etwas selbstbezüglicher Film. Fragmente und Anspielungen hemmen den Film in der Mitte etwas in seinem Fluss und es dauert eine Episode, bis er sich wieder freigeschwommen hat. Danach schließt er mit dem Versprechen auf mehr Geschichten. Für Allen wäre Rente wohl wirklich gleichbedeutend mit dem Tod.

"To Rome with Love" ist ein Kaleidoskop von Sketchen mit viel Wortwitz (ein paar Gags zünden nicht ganz) voller Stars des amerikanischen und italienischen Kinos, die sich die beste Mühe geben, Allen gefallen zu wollen. Er hat nicht den Zug von "Midnight in Paris" oder die zynischen Abgründe von "Ich sehen den Mann deiner Träume", sondern erzählt einfach ganz entspannt ein paar unsinnige Geschichten. Und das ist macht ihn sehr sympathisch.

Machen Sie eine Tour durch das Rom der Affären in der Bildergalerie zu "To Rome with Love". Den Trailer zum Film können Sie hier sehen.

Weiterführender Link: Homepage des Films "To Rome with Love"
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