"Thor": Gott auf Erden
Iron Man hatte seinen großen Auftritt. Nun lasst die Götter zu ihrem Recht kommen! Unter Effektgewitter halten die etwas vergessenen Gestalten des Marvel-Universums Einzug ins Kino. MAX Online hat sich das Epos auf der Götter-Leinwandwelt angeschaut.
Von Martin Haldenmair
Reicher Comic-Mythos
Odin Allvater Galgengott, Donnerer Thor und Loki Lügenschmied - reich ist die nordische Mythologie. 1962 plünderten Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby die Edda und gaben der Welt den mächtigen Thor als Comic. Der Sohn des Göttervaters Odin und sein Hammer Mjolnir verteidigte fürderhin die Erde gegen die Bösewichte des Marvel-Universums. Nun ist der Originalmythos schon besser mit einem Humpen Met zu genießen als nüchtern (allein die Sache, in der sich der definitiv männliche Gott Loki in eine Stute verwandelt und später das sechsbeinige Ross Sleipnir zur Welt bringt ...), auch die Comicabenteuer waren ziemlich abgedreht. Kann das im Kino funktionieren?
Kenneth Branagh findet die Mitte
Christopher Nolands Prinzip, Comics sehr realitätsnah zu verfilmen (die erfolgreiche "Dark Knight"-Reihe), kommt für Thor schon mal nicht in Frage. Wir reden hier von germanischen Göttern, rauflustig wie wohl sonst nur Obelix. Und niemand will einen realistischen Obelix sehen. Kenneth Branagh schafft es, die Mitte zu treffen. Die Götterwelt ist opulent, die Effekte krachend, das Bühnenbild ein Traum aus den 20ern Jahren des Monumentalkinos. Die Götter sind ungestüm, emotional, überlebensgroß. Übertrieben gespielt sicherlich - aber nicht zu viel, sondern passend zur Geschichte. Allenfalls Anthony Hopkins, hinter Augenklappe und Rauschebart gerade noch erahnbar, überzieht es als Göttervater dann doch ein bisschen.
Der Inhalt: Schlachten, Humor ...
Thor (Chris Hemsworth) ärgert sich über seinen Vater Odin (Anthony Hopkins). Der will einen Angriff der Frostriesen ungestraft lassen. So verhält sich doch kein Gott aus Asgard! Mit seinem Bruder Loki (Tom Hiddleston) und seinen treuen Gefährten geht es per Stargate-Regenbogenbrücke zum Eisplaneten Jötunheim. Doch außer einem sinnlosen Kampf gibt es dort nichts zu holen. Gut und spaßig genug für Thor - nur Odin will keinen Krieg. Er verbannt seinen Sohn im Zorn als Sterblichen auf die Erde. Die Regenbogenbrücke schleudert ihn gegen das Auto einer Astrophysikerin (Natalie Portman). Thors Hammer landet auch auf Erden, doch den muss er sich erst wieder zurückverdienen. Und dann ist da noch Bruder Loki, der verschlagen ein doppeltes und dreifaches Spiel treibt.
Wenn ein solch sagenhafter Typ wie Thor auf der ganz normalen Erde, pardon: in Midgard, aufschlägt, wird es interessant: Was für ihn normales Verhalten ist, finden alle anderen plötzlich sonderbar. Chris Hemsworth spielt unaufdringlich komisch den verwirrten und doch immer optimistischen Gott auf Erden. Branagh reißt die Sketche nur an und übersteigert sie nicht in Slapstick. Hier wird der Film richtig unterhaltsam. Leider ist der wichtigste Mensch in Thors Leben, die Wissenschaftlerin Jane, etwas zu blass geraten. Die kürzlich Oscar-prämierte Natalie Portmann holt sehr wenig aus ihrer Rolle. Im Gegensatz zu Stellan Skarsgård, der sie als ihr zerknautschter Mentor leicht in den Schatten spielt. Ebenfalls eine gute Entscheidung war es, Tom Hiddleston als Loki zu besetzen. Der schmale, fahle Brite besitzt die nötige Präsenz, um den intriganten Gott lebendig und sogar sympathisch zu machen.
... und dünne Psychologie
Problematisch ist die Küchenpsychologie: eine Prise Neid, ein Schuss Geltungssucht und ein leider extra großer Löffel Vater-Sohn-Konflikt-plus-Bruderzwist. Das ist auf Dauer etwas penetrant. Drehbuchautor J. Michael Straczynski geht üblicherweise subtiler zu Werk. So geht der Geschichte zwischen tobenden Schlachten und dünnen Figuren in ihrer epischen Länge von fast zwei Stunde gegen Ende fast der Saft aus. Aber eben nur fast, Götter heilen nun mal schnell. Und so wird es dann doch noch ein unterhaltendes Heldenlied - am besten zu genießen mit einem Humpen Met.
Eine Reihe von Filmausschnitten, Interviews und natürlich auch den Trailer sehen Sie in unserer Videogalerie zu "Thor". In unserer Bildergalerie zu "Thor" erhalten Sie einen Eindruck von dem Spektakel.
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