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Reuters The Wire

 

The Wire: "Wir  haben  etwas  zu  sagen"

Die fünfte Staffel von "The Wire" ist in Deutschland im Verkauf. Wir sprechen mit dem Schöpfer der Serie, David Simon", über das Zeitungssterben, Probleme des Westens und die Kunst, Amateurschauspieler zu führen.

Von Martin Haldenmair

Die Polizei im Kampf gegen einen Drogenring, die Geschichte haben wir oft gesehen. Allerdings nie so wie bei "The Wire". In der Serie gibt es wenig Glorie, Macho-Gehabe oder mitreißende Schießereien. Die Polizei kämpft nicht nur gegen Gangster, sondern gegen Bürokratie, Missgunst aus den eigenen Reihen und allgemeine Lethargie. Im Bereich der Politik und der Schulen sieht es nicht viel besser aus: David Simon erfand mit "The Wire" eine Serie, die fast wie eine Dokumentation wirkt und die dennoch mit festem dramaturgischen Griff ein spannendes Bild der Stadt Baltimore zeichnet. Zum zehnjährigen Jubiläum erscheint bei uns die fünfte Staffel auf DVD. Die Gelegenheit für ein Gespräch.

DVD: Drama

The Wire

David Simon

Land: USA
Jahr: 2002-2008
Umfang: 5 Staffeln
FSF: ab 16 Jahren

Bewertung:


MAX Online: In "The Wire" geht es um Drogenkrieg in der Stadt Baltimore. Wie bekommt man Leute dazu, sich eine düstere Serie über bürokratische Polizei und hilflose Zeitungen in einer wenig bekannten amerikanischen Stadt anzusehen?

David Simon: Es geht in "The Wire" um Probleme, die den Westen betreffen: Das Verbot von Drogen, das so viel Verluste und Tragödien verursacht hat. Die Idee, dass Politiker so von Lobbys beherrscht werden, dass die einfachen Leute nicht mehr an sie rankommen. Wir zeigen, wo die Probleme einer Stadt wie Baltimore wurzeln. Wenn die Prämisse einer Serie mehr ist als "wird er den Bösewicht schnappen?" oder "wird er mit ihr schlafen?", dann hat man die Gelegenheit, etwas auszusagen. Alle, die "The Wire" gemacht haben, hatten etwa zu auszusagen. Zum Beispiel Ed Burns, früher Polizist bei der Drogenfahndung, dann eine Zeit Lehrer in Baltimore.

Sie selbst waren Polizeireporter bei einer Zeitung in Baltimore. In der fünften Staffel geht es um eben diese Zeitung und ihr Versagen.

Simon: Viele Leute meinen fälschlicherweise, die fünfte Staffel war ein persönlicher Angriff auf die Baltimore Sun. Ich denke, das war unglaublich naiv und übertrieben. Ich habe den Journalismus geliebt. Und ich habe die Baltimore Sun als Idee geliebt. Sie ist meine Alma Mater, der Ort, an dem ich beruflich aufgewachsen bin. Ich bin direkt vom College dort angestellt worden und war 15 Jahre dabei. Die Reaktion war die Stimme von Journalisten, die jede Kritik an dem, was aus Journalismus geworden ist bekämpften.

Warum diese Reaktionen?

Simon: Journalismus war zu der Zeit, als "The Wire" auf Sendung ging unter großer Belastung und er ist es immer noch durch die digitale Transformation des Nachrichtensammelns. Bei vielen Journalisten gab es die Vorstellung: "Wir sind essentiell für diese Demokratie. Wir liefern die unabhängige Kritik an der Gesellschaft. Als das ökonomische Gewicht auf das Internet überging, wurden wir verwundbar. Wir wurden marginalisiert."

Das stimmt nicht?

Simon: Zeitungen waren schon ein Jahrzehnt vorher auf selbstzerstörerischem Kurs. Wallstreet hatte bemerkt, dass sie die Gewinne steigern könnten, in dem sie beschissenere Zeitungen machen. Also wurde an der Qualität gespart, wurden weniger Reporter und Redakteure beschäftigt, weniger Nachrichten selbst gemacht. Als sie dann ins Onlinegeschäft hätten stürmen sollen, hatten sie nicht mehr den Mut oder die Vision dafür. Also haben sie alles gratis angeboten.

Suchten Sie nach einer Möglichkeit, mit "The Wire" eine wahre Geschichte durch Fiktion zu erzählen?

Simon: Ich halte "The Wire" nicht fälschlicherweise für Journalismus. Es ist ein Fernseh-Drama. Aber ich hätte kein Interesse an Fernseh-Drama, wenn ich damit nicht ein paar Punkte zur sozio-politischen Realität meines Landes sagen könnte. Wenn ich mit "The Wire" nur Unterhaltung gemacht hätte, hätte ich versagt. Dann wäre mein Abfall vom Journalismus zwecklos gewesen.

Nun wollen wir wissen, wie Simon seinen realistischen Stil umgesetzt hat. Auf der nächsten Seite sprechen wir darüber welche Rolle Zeit, Budget und Wiederholungen für den Erfolg einer Serie spielen

Weiterführender Link: Deutsche Facebook-Seite zu "The Wire"
Homepage von David Simon

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