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Wild Bunch/Central The Rum Diary

 

The Rum Diary: The  Rum  Diary

Johnny Depp verwirklich mit "The Rum Diary" ein Herzensprojekt. Er war die treibende Kraft hinter der Verfilmung des Romans seines Freundes Hunter S. Thompson und will in der Hauptrolle alle Register seines Könnens ziehen.

Von Martin Haldenmair

"Ich vermeide Alkohol ... wenn ich kann," murmelt Paul Kemp (Johnny Depp) und kippt sich mit dem zufriedenen Lächeln einer Katze, die gerade ungesehen die Speisekammer ausgeräumt den Inhalt seiner Hotel-Minibar hinter die Binde. Der Tite "Rum Diary" ist ernst gemeint: Nüchtern ist in dem Film keiner. Und wenn, dann führt er Böses im Schilde.

Film: Komödie

The Rum Diary

Bruce Robinson

Kinostart: 2. August 2012

Länge: 119 Minuten

Mit:
Johnny Depp, Amber Heard, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Giovanni Ribis
FSK: ab 12

Bewertung:


Hunter S. Thompsons Frühwerk

Das klingt tatsächlich nach einem Film für Johnny Depp, der in letzter Zeit eine ganze Menge irgendwie zugedröhnter Figuren gespielt hat (wir sagen nur Jack Sparrow). Tatsächlich ist "Das Rum Diary" ein Herzensprojekt Depps, doch nicht, um mal wieder einen Besoffenen spielen zu können, sondern um ein Frühwerk seines Freundes Hunter S. Thompson auf die Leinwand zu bringen. Thompson ist eine schillernde Figur der amerikanischen Literatur. Der Erfinder des "Gonzo-Journalismus", der in freien Assoziationen, voller Emotionen, nicht unbedingt wahrheitsgetreu und nicht selten unter Einfluss von Drogen und Alkohol hypnotische Texte schrieb.

Schon einmal spielte Depp die Hauptrolle in einer Verfilmung eines Thompson-Romans, 1998 in "Fear and Loathing in Las Vegas". Für die Rolle ließ er sich von Thompson, mit dem er seit den 90ern befreundet war höchstpersönlich den Kopf rasieren, war die Hauptfigur doch niemand anderes als Thompson selbst, auch wenn sie im Roman und Film Raoul Duke hieß. Hier heißt sie Kemp, doch im Grunde ist sie eine jüngere Version von Thompson. Keinen Jack Sparrow gibt es also zu sehen, sondern einen echten Menschen, dessen sprachliche Manierismen Depp haargenau nachzumachen versteht.

Gemächlicher Quasi-Krimi

"The Rum Diary" ist keine Prequel zu "Fear and Loathing in Las Vegas", weder inhaltlich noch stilistisch. Letzterer, unter der Regie des Ex-Monty-Python Terry Gilliam, war ein Anschlag auf die Sinne der Zuschauer, ein einziger Drogentrip von einem Film. "The Rum Diary" ist dagegen ein fast schon gemächlich laufender Film, der in der Wirklichkeit gründet und davon ausgehend immer wieder ins Surreale abgleitet. Der Film spielt in den späten 50ern in Puerto Rico. Kemp, ein erfolgloser Schriftsteller, hat einen Job bei einer englischsprachigen Zeitung ergattert. Der Chefredakteur redet zwar immer von neuen Ideen und jungem Blut, möchte aber im Grunde nur einen Mitarbeiter, der etwas weniger besoffen ist, als der unkündbare Moberg (Giovanni Ribisi) und etwas weniger an die Landessitten angepasst als der Kampfhähne züchtende Fotograf Sala (Michael Rispoli).

So wird nichts aus Kemps Ideen, mal etwas über die Situation der verarmten Bevölkerung zu bringen, statt dessen darf er amerikanische Touristen interviewen, die ihrer Begeisterung für die Hotelbowlingbahn Ausdruck verleihen, aber sonst keinen Fuß vor die Tür setzen. Ohne Selbstgebrannten (dank Moberg) ist das nicht auszuhalten. Schicker ist die Welt von Bauunternehmer Sanderson: Weiße Villa am Meer, Rotes Cabrio, schicke Yacht und eine heiße Freundin namens Chenault (Amber Heard). Und der eine oder andere nicht ganz legale Deal, der ihn und seine Freunde reich, die Puerto-Ricaner arm macht. Er könnte einen Werbetexter brauchen. Kemp lässt sich anfangs nur zu gern in die Näher Sandersons (und Chenaults) treiben.

Der rechte Biss fehlt

Dieser Quasi-Krimi ist Hintergrundgeräusch für ein Porträt über das gescheiterte Expatriierten-Paradies Puerto Rico, das wiederum Bühne für leicht surreale Sketche von Johnny Depp ist. Letztere sind schräg, wild und ganz präzise ausgeführt. Es ist schön, Depp zusammen mit exzellenter Verstärkung durch den sekelettartigen Ribisi und den dicklichen Rispoli an so fein gebauten Nummern zu sehen. Viel Liebe wurde hineingesteckt, um die passende Stimmung aufkommen zu lassen: In 16mm wurde der Film gedreht (vielleicht das letzte Mal, dass wir so etwas bei einem modernen Film sehen werden) und so legt sich über all die Bilder ein leichter Schleier, als sei man selbst schon leicht angedüdelt.

Leider aber zerfällt der Film unter dem Gewicht der drei Ansätze etwas. Der soziale Kommentar wird gelegentlich mit ziemlich unsubtilen Kommentaren ("Ich habe den amerikanischen Traum gekauft) hervorgekehrt, doch bleibt das ohne Biss. Kemp ist als Journalist angeblich zynisch, doch sehen wir ihn meist lethargisch und distanziert die Situation beobachten. So hält auch der Film den Zuschauer auf Distanz, was bei zwei Stunden Länge keine gute Idee ist.

"The Rum Diary" ist ein liebvolles, surreal umgesetztes Projekt, dem nur leider der rechte Biss fehlt um zum wirklich großen Film zu werden.

Machen Sie einen Auslfug nach Puerto Rico in der Bildergalerie zu "The Rum Diary". Mehr von Johnny Dep sehen Sie im Trailer zum Film.

Weiterführender Link: Homepage zum Film "The Rum Diary"
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