The Doors: Goodbye, Doors
Wie lassen sich fünf Jahre Musikgeschichte in 90 Minuten packen? Mit dem Soundtrack als Co-Star. In Tom DiCillos "The Doors - If You're Strange" führen unsterbliche Songs durch ein halbes Jahrzehnt der Revolutionen und Enttäuschungen. Johnny Depp gibt den Takt.
Von Martin Haldenmair
Ein umgestürztes Auto an einem Highway. Der Fahrer ist ein bärtiger Mann, dessen Gesicht gleichzeitig Alter und ein jugendliches Sehnen ausstrahlt. Über das Autoradio knistert die Meldung, dass Jim Morrison tot in Paris aufgefunden wurde. In einem Aufblitzen flitzt die Geschichte der Band, dessen Frontman Jim Morrison war, rückwärts vorbei: The Doors.
Film: Dokumentation
The Doors - When You're Strange
Tom DiCillo
Land: USA
Jahr: 2009
Länge: 90 Minuten
Fazit: Sauber recherchierter, sentimentaler Rückblick auf The Doors und das Amerika der 60er und 70er
Bewertung: ![]()
Puristische Rockdoku
Das ist der einzige Effekt, den sich Regisseur Tom DiCillo gönnt. Keine Interviews, keine nachgespielten Szenen - sein Dokumentarfilm könnte kaum puristischer sein. Und das war eine gute Entscheidung, denn das Material ist schon Spektakel genug. Chronologisch von den Anfängen der Band in Venice Beach über die größten Erfolge, bis zum Tod des Sängers rollt ihre Geschichte über die Leinwand. Peinlich genau recherchierte Archivaufnahmen von den Künstlern, den Proben, den Auftritten und ihrem Privatleben bilden das Rückgrat des Films.
Doppeldeutige Songs
Interessant wird die Dokumentation dadurch, dass diese Bilder mit denen des Amerika der 60er und 70er verknüpft werden. Die Songs werden so zum Geschichtskommentar - eine doppelte Bedeutung, wie sie Songschreibern Robby Krieger und Jim Morrison gefallen hätte. Doppeldeutigkeiten entstehen auch durch den geschickten Schnitt Micky Blythes (den Tom DiCillo wahrscheinlich von der Fernsehserie "Law & Order" kennt, an der beide mitarbeiten). Kleine Seitenblicke der Bandmitglieder genau zum richtigen Zeitpunkt hineingeschnitten scheinen einen Kommentar zum Text des Sprechers zu geben.
Melancholischer Johnny Depp
Ihn darf man natürlich auch nicht vergessen: Sprecher Johnny Depp, der zurückhaltend, mit leicht melancholischer Stimme die Geschichte der Band erzählt. Ihn für das Projekt zu gewinnen, war ein Glücksfall, denn sonst hätte der eher trockene und umfangreiche Text schnell langweilig werden können.
Der Frontman im Zentrum
Jim Morrison steht - wie bei den Auftritten der Band - auch in der Dokumentation im Rampenlicht. Der Film macht aber nicht den Fehler, The Doors auf Morrison zu reduzieren. Die unverzichtbaren Fähigkeiten der anderen Mitglieder John Densmore, Robby Krieger und Ray Manzarek erhalten einen würdigen Platz. Auch vor dem schwierigen Thema der Eskapaden Morrisons scheut der Film nicht zurück, hier wirken wieder die ungeschönten Archivaufnahmen am besten. Denn sie zeigen, wie schnell der zwanzigjährige Musikpoet durch Drogen und Alkohol alterte.
"The Doors - If You're Strange" ist ein solides Porträt der Band und ihrer Zeit sowie eine unverhüllte Huldigung ihrer Musik.
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