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Delphi The Artist

 

The Artist: The  Artist  im  Oscarcheck

Tim und Struppi huschen als Schattenbild dem kreisförmigen Licht entgegen. Wir sitzen im Kino und fühlen uns als wären wir wieder zwölf. Stop: Seit wann läuft bei Tim-und-Struppi-Filmen Orchestermusik im Hintergrund?

Von Lisa Altmeier und Stefanie Fetz

Es sind nicht Tim und Struppi, sondern George und Uggie, die Protagonisten im viel gelobten Stummfilm "The Artist". Uggie ist mindestens so cool wie Struppi. Aber hat dieser Film wirklich die zehn Oscars verdient, für die er nominiert ist? Wir machen den Oscar-Check mit sechs der zehn Kategorien:

The Artist

Michel Hazanavicius

Kinostart: 26. Januar 2012

Beschreibung: 100 Minuten, Schwarz-Weiß
Mit: Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman


Beste Filmmusik:

In Stummfilmen ist die Musik viel wichtiger als in Tonfilmen. Sie muss Informationen transportieren, die der Zuschauer für gewöhnlich aus der Sprechweise der Darsteller ableiten kann. Das gelingt in "The Artist" nahezu perfekt. Schon die opulente Orchestermusik als Auftakt des Films klingt wesentlich wohltuender als die hysterischen Synchronstimmen, die uns in deutschen Kinos sonst zu Filmbeginn um die Ohren geschleudert werden. Oscar verdient? Ja.

Bester Hauptdarsteller:

George Valentin (Jean Dujardin) wirkt vor allem im Duett mit seinem treuen Begleiter Jack (Uggie, der Jack Russell Terrier, immerhin nominiert für den "Golden Collar", der am 13. Februar zum ersten Mal verliehen wird). Die beiden tänzeln über die Bühne und üben sich in synchronen Gesten der Unterwerfung, wenn Ehefrau/Frauchen beleidigt ist. Das Duo ist witzig und charmant, Dujardins Mimik ausdrucksstark. Er ist gut, aber ist er so brillant, dass er einen Oscar verdient? Wir finden: Da ist immer wer, der ihm die Show stiehlt, denn in den Szenen mit dem Hund, haben wir die ganze Zeit auf den Hund geschaut ("Ist der cool") und in den Szenen mit der Frau haben wir die ganze Zeit auf die Frau geschaut ("Ist die toll"). Von daher: Oscar verdient? Nein.

Beste Nebendarstellerin:

'Who's that Girl?' steht zu Beginn des Films auf allen Zeitungstiteln. Diese Frage wurde definitiv beantwortet. Bérénice Bejo als Peppy Miller ist großartig. Ja, sie ist vielleicht seltener in Großaufnahme zu sehen als Kollege Dujardin. Trotzdem empfinden wir es fast als Untertreibung, sie nur als Nebendarstellerin zu nominieren. Diese Frau ist ein einziges Strahlen. Wir haben ihr jeden einzelnen lautlos gesprochenen Satz abgenommen. Hinreißende Mimik. Oscar verdient? Ja!

Bestes Originaldrehbuch, Michel Hazanavicius:

Die Idee mit dem Stummfilm ist genial. Und deutsche und amerikanische Feuilletonisten überschlagen sich mit Lobeshymnen auf den Plot. Aber, wenn wir mal genauer hinschauen: Die Geschichte ist schnell erzählt. Bekannter Schauspieler trifft auf unbekannte hübsche Frau. Er wird ihr Trittbrett in die Branche, scheitert aber selbst am Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm. Immer wieder laufen sie sich über den Weg. Sie wird berühmt, er rutscht sozial und finanziell ab und schließlich... Nein wir nehmen jetzt nicht alles vorweg, aber ja, es ist so vorhersehbar, wie es klingt. Oscar verdient? Nein.

Beste Regie, Michel Hazanavicius:

Das magere Drehbuch lässt viel Platz für Regieanweisungen. Hier zeigt Hazanavicius sein Können. Denn das Zusammenspiel der Darsteller überzeugt und die Bildkomposition wirkt harmonisch und authentisch. Für diese Leistung darf er die Trophäe dann gerne bekommen. Oscar verdient? Ja.

Bester Film:

"The Artist" ist im aktuellen 3D-Wahn Hollywoods definitiv ein Querulant, weil er sich absolut rückbesinnt auf die schauspielerischen Urtugenden der mimischen Überzeugungskraft und der Ausdrucksstärke des Spiels. Statt opulent animiertem Szenenbild sehen wir ein Statement für die Kunst. Und es ist auch definitiv mal etwas anderes, wenn die Musik den Ton angibt. Oscar verdient: Ja.

Bestes Kostüm

Aber hallo. Hier waren Schendier am Werk, die wirklich recherchiert haben. Einige der Kleider sind tatsächlich aus dem 20er Jahren, aufwendig restauriert. Doch einige der schönsten Stücke wurden eigens für den Film hergestellt, mit den Materielien und Schnittmustern der späten 1920er und fürhen 1930er. Das Ergebnis: An den Herren sitzen die Anzüge tiptop, die Damen verzaubern mit lfatternden Schals, wehenden Roben und Glockenblumenhütchen. Oscar verdient: Ja.

Ab geht's in die glorreichen 20er des Kinos in unserer Bildergalerie.

Den Trailer zu "The Artist" sehen Sie hier, Filmausschnitte und Statements des Regisseurs sehen Sie in unserer Videogalerie zu "The Artist".

Was sonst noch läuft und was demnächst startet, sehen Sie in unserer Galerie der Filmtrailer.

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