The Amazing Spider-Man: Der neue Spider-Man: Ein naiver Held
Noch einmal mit Gefühl? Ein weiterer Spider-Man-Film erzählt die Entstehungs-Geschichte des Helden mit den Spinnenkräften neu, folgt dabei aber in großen Teilen Sam Raimis Version. Andrew Garfield schafft es dabei dennoch, ein eigenständiger Spider-Man zu werden
Von Martin Haldenmair
Was gibt es nicht alles für merkwürdige Superhelden mit merkwürdigen Superkräften! Und alle sind sie irgendwie einsam, durch ihre Superkräfte entweder von anderen Menschen gefürchtet oder durch ihre großen Verantwortungen der Gesellschaft entfremdet. Ist das nicht ein toller Traum? Jeder Teenager kennt das Gefühl, nicht dazuzugehören - und auch als Erwachsener wird's nicht immer besser (wir sind nur eher bereit, den Preis fürs Dazugehören zu zahlen). Mit einer besonderen Gabe beglückt und zugleich verflucht zu sein, wer will sich nicht mal so fühlen. Der zugänglichste, menschlichste Superheld des Marvel-Universums ist dabei wohl ausgerechnet einer, der in unmenschlicher Maske, als Spider-Man, auftritt: Peter Parker. Ein Junge mit vielen Fehlern (unter Anderem sein pathologischer Hang zum Sprücheklopfen), der immer das Beste versucht und doch nie ganz mit sich zufrieden sein kann. Die freundliche Spinne von nebenan eben. Und gerade dieser normale Typ ist so unheimlich schwer zu verfilmen.
Film: Action
The Amazing Spider-Man
Marc Webb
Kinostart: 28. Juni 2012
Länge: 136 Minuten
Mit:
Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Martin Sheen
FSK:
ab 12
Bewertung: ![]()
Wird Spider-Man "amazing"?
Sam Raimi schaffte 2002 einen Überraschungserfolg und machte dafür mit dem dritten Teil eine ungeheure Bruchlandung. Mit "The Amazing Spider-Man" versuchen nun Sony und Marvel einen Neustart. Allein, dass endlich "Amazing" im Titel steht, ist ein Köder für die Fans, für die solche Kleinigkeiten sehr wichtig ist (und wagen Sie es nie, den Spinnenmann ohne Bindestrich zu schreiben, wenn sie nicht für immer Ihre Geek-Lizenz verlieren wollen). Ein Neustart mit neuen Schauspielern und einem neuen Regisseur. Marc Webb übernimmt das Ruder, Andrew Garfield schlüpft ins hautenge rot-blaue Kostüm. Emma Stone spielt die neue Freundin des Helden.
Bringen wir die negativen Seiten hinter uns: Der Film hat zwei Probleme. Zum einen ist er mit 136 Minuten zu lang. Der Zuschauer braucht Sitzfleisch, wenn er Spidey beim Rumturnen durch New York zusehen will. Das andere Problem ist: Es gibt den Film schon.: Peter Parker ist auf der Suche nach sich selbst, entdeckt seine Superkräfte und muss die Stadt vor einem großem grünen Monster retten. Das ist im Grunde Sam Raimis Film. "The Amazing Spider-Man" fühlt sich daher weniger wie ein "Reboot", also komplett neuer Neustart einer Serie an, als wie ein Remake. Als Remake aber ist er klasse.
Ein Spider-Man mit dunklen Seiten
Andrew Garfield spielt einen interessanteren Peter Parker und zugleich einen interessanteren Spider-Man als Tobey Maguire. Letzterem nehmen wir zwar den gehänselten Nerd ab (dafür wirkt Garfield als Wissenschaftsfreak weniger überzeugend), als Held blieb er aber doch immer der Junge von Nebenan. Garfield spielt dagegen einen Teenager, der den Tod seiner Eltern nicht überwunden hat, sich selbst ausschließt und sich selbst zum Außenseiter macht. Der sich eigene Fehler kaum verzeihen kann und mit etwas Verzweiflung und viel Naivität sein Heldengeschäft antritt. Bei ihm sind dunkle Seiten immer dabei. Der 28-Jährigen Schauspieler kannmit seiner schmalen, athletischen Figur einen Jugendlichen gerade noch so miemen - vernatworltich dafür ist seine gut eingesetzte Körpersprache.
Interessante Beziehungsgeschichte - doch gab es nicht auch einen Bösewicht?
Emma Stone spielt Gwen Stacey, Parkers Freundin. In der Comic-Welt tobt schon lange der Fan-Krieg, ob sie oder Mary-Jane die bessere Frau für Spidey ist. Bei den Verfilmungen ist es für uns klar Gwen. Schon allein, weil sie nicht ständig ein einem Netz gerettet werden muss, wie Mary-Jane. Als Tochter des New Yorker Polizeichefs kann sie ganz gut auf sich aufpassen und lässt sich selbst von ihrem "Bug Boy" wenig vormachen. Und als Chefpraktikantin beim Forschungskonzern Oscorp darf sie sogar die Evakuierung des ganzen Gebäudes anordnen. Eine Kompetenz, die uns so manches Praktikum versüßt hätte.
Im Grunde geht es hauptsächlich um Parkers Selbstfindung und seine herrliche verkorkste Liebesbeziehung zu Gwen. Die Geschichte um den tragischen Bösewicht Connors (Rhys Ifans), der zu einer Riesenechse mutiert (so geht es nun mal zu in der Superkräftelotterie) bekommt erst am Ende richtig Fahrt und seltsamerweise ist der große Showdown zwischen Spinne und Echse um einiges weniger spannend, als die Frage, ob er wohl diesmal daran denkt, auf dem Rückweg von seinen Heldentaten Eier einzukaufen und sie seiner Tante May mitzubringen.
"The Amazing Spider-Man" ist ein etwas eigenartiger Neustart des Franchises, der zwar den Mut hat, die Figuren neu zu erforschen, jedoch nicht, von der üblichen Story-Formel abzuweichen. So laufen zwei Geschichten parallel und sorgen für die unnötige Überlänge des Films. Dennoch seilt sich aus dem verknoteten Geschichtsnetz am Ende ein interessanter neuer Held ab, den wir gerne wieder sehen würden.
Mehr vom Spinnenmann sehen Sie in unserer Bildergalerie zu The Amazing Spider-Man". Den Trailer zum Film sehen Sie hier.
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