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Universal Savages

 

Savages: Drogen,  Blut  und  Wut

Zu wilden Bestien werden auch die sanftesten Menschen in Oliver Stones neuem Film "Savages". Taylor Kitsch und Benicio del Toro dürfen rasen, John Travolta darf grinsen und Salma Hayek als eiskalte Strategin überraschen.

Von Martin Haldenmair

Wackelig fährt die Kamera an schweißüberströmten Gesichtern gefesselter Männer vorbei. Manche beten, manche schauen stumm und trotzig. Dann röhrt eine Kettensäge auf, die Kamera kippt an einer Gestalt mit Totenschädelmaske vorbei, das Bild löst sich auf, zu hören ist nur mehr die Säge. Die abgelöst wird von den weichen Klängen einer Ukulele. Eine blonde Frau spaziert an einem Strand und erklärt uns, die ganze Geschichte sei "irgendwie total außer Kontrolle". Oliver Stone schockt.

Film: Thriller

Savages

Oliver Stone

Kinostart: 11. Oktober 2012

Länge: 131 Minuten

Mit: Talyor Kitsch, Blake Lively, Aaron Taylor-Johnson, Benicio Del Toro, Salma Hayek, John Travolta
FSK: ab 16

Bewertung:


Eien perfekte Welt aus Gras

"Savages" ist de Geschichte zweier Hipster, die die ideale Form des Drogenhandels entdeckt haben. Chon (Taylor Kitsch) brachte als Navy-Seal die besten Marihuana-Samen aus Afghanistan mit, Ben päppelte die Pflänzchen mit Lieben, buddhistischer Gelassenheit und biologischem Fachwissen auf, bis die beiden das beste Gras der Welt der Welt verkaufen - doch nur an gute Kunden. Die Marke Ben&Chon (an die wir jetzt immer denken werden, wenn im Kino wieder jene unsägliche Eiswerbung läuft) steht für Qualität. Außerdem für gutes Karma, denn einen Teil des Gewinns steckt Ben in Hilfsprojekte der dritten Welt.

Sollte es doch mal Ärger geben, hat Chon Gelegenheit, sich abzureagieren. Meistens kuriert der seine Kriegstrauma beim Sex mit Freundin O. "Wargasm" (aus "war" Krieg und "orgasm") nennt sie das, was er mit ihr hat. Mit Ben dagegen hat sie sanften Sex - die beiden teilen sich nicht nur Business und Haus, sondern auch die Freundin.

Kettensägen und Entführungen

In die perfekte Welt schneit das Video mit der Kettensäge. Es ist ein Statement des mexikanischen Baja-Kartells, die den Drogenhandel weniger grün und nachhaltig betreiben. Das Wissen und den Kundenstamm von Ben&Chon hätten sie trotzdem gern. Ben und Chon aber wollen lieber komplett aussteigen - doch die Anführerin des Kartells, Elena la Reina (Salma Hayek) weiß, wie sie die beiden gefügig macht und lässt O von ihrem irren Ausputzer Lado (Benicio del Toro) entführen. Ein brutales Machtspiel beginnt, das am Ende "total außer Kontrolle" gerät.

Ein neues Comeback für John Travolta und der Durchbruch für Taylor Kitsch

130 Minuten dauert dieses Machtspiel, und Stone gelingt es, die Spannung über die Zeit zu halten. "Savages" ist ein Pendel, das zwischen geradezu absurd ruhigen Szenen, in denen Drogenbosse wie Investmentbanker auftreten und solchen wechselt, die ans Stones wüste Anfänge mit "Natural Borne Killers" erinnert. In letzteren lässt Benicio del Toro seinen inneren Dämon vor die Kamera.

Doch auch Taylor Kitsch (dessen Talent in Machwerken wie "Battleship" bisher verschwendet wurde) und der aus "Kick Ass" bekannte Aaron Taylor-Johnson dürfen sich in Wut und Raserei hineinsteigern. Nur einer bleibt meist gelassen, und das ist ausgerechnet John Travolta (der nach einer Reihe von Gurken mit "Savages" mal wieder ein glorreiches Comeback feiert). Als korrupter Polizist Dennis, der von allen Geld nimmt, beobachtet er das Geschehen meist mit unerklärlichem Honigkuchenpferdgrinsen (wobei wir uns fragen müssen, ob Travoltas glattgebügeltes Gesicht überhaupt noch zu einem anderen Ausdruck in der Lage ist).

Ein Film mit zwei Enden und möglicherweise einer Botschaft

Es ist überhaupt die Stärke des Films, das Stone es schafft, die Erwartungen zu durchkreuzen. Salma Hayek (in letzter Zeit auch nicht grade mit guten Rollen gesegnet) als eiskalte Mafia-Patin, die in ihrer Freizeit Telenovelas schaut und ansonsten die Killer rumkommandiert wie Schulbuben ist ein unerwarteter Glücksgriff. Auch Gossip-Girl Blake Lively schlägt sich großartig als unzuverlässige Erzählerin des Films und leicht desorientiertes Entführungsopfer

Schwieriger wird's bei der Botschaft, die der Film angeblich auch noch hat. Zumindest will das Pressematerial davon berichten und der Regisseur in Interviews viel darüber berichten. Nun ist es so, dass im Pressematerial selbst hanebüchene Geschichten wie "John Carter" (nicht krumm nehmen, wir haben den Film trotzdem in unser Herz geschlossen) zu philosophischen Meisterwerken werden, doch Stone ist immerhin Stone und er hat immer eine Botschaft. Was ist es nun? Marihuanaverkauf würde weniger Gewalt mit sich bringen, wenn er legal wäre? Selbst erleuchtete Hipster sind manchmal zu gierig und zu selbstzufrieden? Aus einem kleinen kulturellen Missverständnis kann schnell ein Krieg werden? Das lässt sich alles in den Film reinlesen, doch unser Tipp wäre, das sein zu lassen. Denn diese Botschaften sind dann doch etwas dünn.

Besser ist es, den Film als Film zu genießen. Am Ende kann sich dann sogar der Zuschauer noch für eines von zwei Enden entscheiden: Ein schlechtes und ein gutes, Erzählerin O lässt offen, welches stimmt. Wir gönnen den Hipstern das gute.

Mehr von Oliver Stones Drogenkrieg-Thriller sehen Sie in unserer Bildergalerie zu "Savages". Den Trailer zu Film können Sie hier sehen.

Weiterführender Link: Homepage zu "Savages"
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