Prometheus: Aliens bitte nicht anfassen
32 Jahre ist es her, dass Ridley Scott uns erstmals das Gruseln mit dem namenlosen Alien aus "Alien" lehrte. In "Prometheus" führt er uns in dieses Universum zurück und holt die große mythologische Kelle heraus um den Ursprung des Monsters zu erklären
Von Martin Haldenmair
"Nur seine Feindseligkeit übertrifft noch seine perfekte Struktur," schwärmte Roboter Ash in "Alien" über das Monster, das die Besatzung des Schiffs "Nostromo" dezimierte. Am Ende gab es nur eine menschliche Überlebende, Ellen Ripley (Sigourney Weaver) und drei Fortsetzungen, in denen sie immer wieder gegen den perfekten Horror antreten musste. Die "Aliens" aus Alien wollen nicht etwa unsere Welt erobern oder uns versklaven. Sie wollen sich vermehren. Und dazu brauchen sie uns Menschen als Futter und als Brutkasten. Nicht nur, dass sie uns töten, sie legen auch noch ihre Eier in uns ab. Das ist ein Alptraum, der verdient zum Kult wurde. Den zu steigern ist fast unmöglich. Ridley Scott versucht es mit "Prometheus", doch so ganz gelingt es ihm nicht.
Film: Science Fiction
Prometheus
Ridley Scott
Kinostart: 9. August 2012
Länge: 124 Minuten
Mit:
Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron
FSK: ab 16
Bewertung: ![]()
Auf der Suche nach dem Schöpfer
Ende des 21. Jahrhunderts macht sich eine Expedition zu einem entfernten Mond auf. Das Raumschiff "Prometheus" ist luxuriös und auf dem neuesten Stand der Technik (kein Vergleich mit Erzschleppschiff "Nostromo"), denn die Expedition wird von Firmengründer Weyland (Guy Pierce) persönlich ausgerichtet und finanziert. Bei archäologischen Ausgrabungen wurden überall auf der Erde Jahrtausendalte Hinweise auf Besucher aus dem All gefunden. Die Ursprünge der Menschheit also soll die Expedition erforschen, nichts Geringeres. Auf dem Mond finden sie tatsächlich eine künstliche Struktur, einen riesigen Komplex - allerdings verlassen. Dabei hatten sich die Archäologen Shaw (Noomi Rapace) und Holloway (Logan Marshall-Green) doch so etwas wie eine Willkommensparade erhofft.
Stattdessen muss die sehr gläubige Shaw bald an den guten Intentionen der möglichen Schöpfer der Menschheit zweifeln. Denn in dem Komplex finden sie die Hinterlassenschaft eines biotechnologischer Experiments, das auf Menschen einige interessante und letztendlich tödliche Auswirkungen hat.
Michael Fassbender als gruselig menschlicher Roboter
Mit dabei auf der Expedition ist eine neue Errungenschaft der Firma Weyland: Roboter David (Michael Fassbender). Er weiß zwar, wer seine Schöpfer sind, aber das Wissen kann ihn kaum glücklich machen. Denn auch die Menschen können ihm keine vernünftige Antwort geben, warum sie ihn geschaffen haben ("Weil wir es können"), manche wie Holloway behandeln ihn wie einen Sklaven und haben dann noch die Stirn sich über ihre eigenen Schöpfer zu beklagen. Das angeblich emotionslose Wesen betrachtet daher mit distanziertem Amüsement das Chaos, das sich entwickelt und hat ganz wörtlich einen Finger im Spiel, dass sich das von den Aliens entwickelte Mutagen verbreiten konnte.
Der Film trägt "Alien" nicht im Titel und das ganz zu Recht. Denn erst ganz zum Schluss gibt es eine - dafür bisher unbekannte und von Fans "Deacon" getaufte - Version des Aliens zu sehen. Die "Prometheus" soll den Schöpferaliens das Feuer stehlen, öffnet stattdessen eine Büchse der Pandora, aus der alles herauskrabbelt, was der Horrorfan sich nur wünschen kann: Schlangen mit ätzendem Blut und der Kraft, Knochen zu brechen, ein Tintenfischmonster, das per Kaiserschnitt entfernt werden muss (die Szene ist nichts für schwache Mägen) und einen vieläugigen, gigantischen Facehugger. Alles drin also für den Horrorfan: Tentakel, explodierende Köpfe und sogar kleine Würmer in den Augen. So ganz zum Kult wird es "Prometheus" aber nicht schaffen.
Darwin-Awards für die Prometheus-Crew
Die Figuren sind einfach nicht besonders interessant. 17 Crewmitglieder hat das Schiff, doch wirklich in Erinnerung bleiben sie nur, wenn sie was Dämliches tun. Wie Holloway: Er rennt in den Alienkomplex, reißt sich den Helm vom Kopf, sobald er feststellt, dass die Luft atembar ist und patscht die Wände an. Es ist ein Wunder, dass er nicht noch einen Regenwurm isst. Wie das so mit Kindern ist, die ihre Regenjacke ausziehen, obwohl wir ihnen tausend Mal gesagt hat, dass es draußen kalt ist: Am nächsten Tag haben sie eine Erkältung und wir wenig Mitleid mit ihnen. Eine Alien-Erkältung ist zwar ziemlich fies und letztendlich nur mit Feuer bekämpfbar, aber manchmal muss man Darwin einfach seine Arbeit machen lassen.
Ein Großteil der Geschichte kommt so nur wegen der Idiotie der Menschen darin zustande (muss ein angeblich hervorragender Biologe wirklich eine Schlange antatschen, deren Kopf wie ein Penis - von den Fans liebevoll "Hammerpede" genannt aussieht?). Viele Fragen werden gestellt (auch ein paar pseudo-philosophische über den Wert von Glauben) doch die Antworten bekommen wir wohl erst in der Fortsetzung zu sehen, denn "Prometheus" fühlt sich an wie ein Vorspann zu einer viel größeren Geschichte.
Mehr vom zum Untergang verdammten Alien-Expeditionsteam sehen Sie in unserer Bildergalerie zu "Prometheus - Dunkle Zeichen".
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