Oscar: Oscar 2009: Stolz wie Oscar
Ex-Moderator Billy Crystal hat es seinerzeit vor gemacht mit einer Kombination aus charmanter Begrüßung und Selbstverulkung. Während diese Tradition mit den nachfolgenden Moderatoren wie Steve Martin oder Jon Stewart eher zur spontanen (und leider größtenteils unlustigen) Stand-Up-Comedy verkommen ist, schöpft Hugh Jackman wieder aus dem Vollen. "Der Oscar ist bekannt für seine Bandbreite", sagt er in den Saal, "Kate Winslet, eine Britin, spielt eine Deutsche - nominiert! Robert Downey Jr., Amerikaner, spielt einen Australier, der einen Afro-Amerikaner spielt - nominiert. Und hier stehe ich, einen Australier, der einen Australier spielt, in einem Film namens Australien ..." Damit hat er die ersten Lacher auf seiner Seite und die ihm eventuell angedichtete Enttäuschung über eine fehlende Nominierung weggefegt.
Her mit den Goldjungs!
Aus der gut gelungenen Eröffnung geht''''''''s direkt in die erste Kategorie: beste weibliche Nebendarstellerin. And the Oscar goes to: Penelope Cruz für "Vicky Cristina Barcelona". Statt kitschiger Freudentränen gab`s bei der Dankesrede die Frage, ob schon mal jemand auf der Bühne in Ohnmacht gefallen wäre.
Seit ein paar Jahren grassiert bei den Oscars die Angewohnheit, die einzelnen Kategorien schnell hintereinander abzufeiern, um sich Zeit, Geld und Nerven zu sparen. Dieses Mal ist es nicht anders, nur schöner gelöst. Die einzelnen Kategorien werden so zusammengefasst, dass sie einer Filmproduktion gleichen, von der Vorbereitung zum Dreh zur Postproduktion. Der nächste Oscar geht daher an die Drehbuchautoren Dustin Lance Black für "Milk" und Simon Beaufoy für "Slumdog Millionär" - der Siegeszug der Inder hat damit begonnen. Bester Animationsfilm wird "Wall-E". Eh klar.
Oscars am laufenden Band
Bei diesem Kategoriefeuerwerk ist Moderator Jackman etwas unterrepräsentiert und die Oscar-Fabrik produziert die Preise jetzt wie am Fließband. Vor lauter Werbepausen fasst verpasst: Brad Pitts seltsamer Benjamin Button kassiert die ersten Statuen für Ausstattung, Kostüm und Make-Up.
Der Oscar für die beste Kamera wird präsentiert von Natalie Portman und Ben Stiller, der seinerseits eine oscarreife Performance als gelangweilt bärtig schrulliger Joaquin Phoenix hinlegt und damit die jüngsten Auftritte seines geschätzten Kollegen charmant durch den Kakao zieht. Sogar Steven Spielberg muss kichern und vergisst fast, für den zweiten Oscar von "Slumdog Millionär" zu klatschen.
Wir sind Oscar - aber nur kurz!
Jochen Alexander Freydank kassiert seinen verdienten Lohn für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" über eine Jungenfreundschaft im zweiten Weltkrieg. Damit ging der "Baader Meinhof Komplex" leer aus - die RAF kannten in Amerika wohl nicht so viele.
Mit einer ordentlichen Portion Kitsch im Gepäck stürmt Hugh Jackman wieder die Bühne, denn: Das Musical ist zurück! Statt Bildermontage greift er selber zum Zylinder und singt (und tanzt - schon wieder!) sich mit der Unterstützung von Beyoncé Knowles und den "Mamma Mia!" und "High School Musical"-Paaren kreuz und quer durch die musikalische Filmgeschichte.
Die Worte fehlen und kein Auge bleibt trocken, als Heath Ledgers Eltern und seine Schwester seinen verdienten Oscar in Empfang nehmen und sich bei allen bedanken, die Heath Ledger während seiner kurzen Karriere zu dem Schauspieler gemacht haben, als der er uns in Erinnerung bleibt.
Das Publikum darf gleich danach wieder lachen, als der Zirkusartist Philippe Petit, Hauptdarsteller des besten Dokumentarfilms "Man On Wire", beim Gewinn seines Films mit auf die Bühne stürmt und den Oscar prompt verkehrt herum auf seinem Kinn balanciert.
Weiter zur Postproduktion und den Oscars für Effekte, Schnitt und Sounds - auch bekannt als sicherer Hafen für die Filme, die in anderen Kategorien niemals nominiert werden. Die Special Effects gewinnt "Benjamin Button" und setzt damit die schamlose Benachteiligung von "The Dark Knight" in Gang. Von drei Nominierungen hat die Fledermaus sich eine einzige Trophäe für Soundschnitt verdient, die "Slumdogs" entscheiden die Schlacht wieder für sich.
Schlaflieder und verlorene Terroristen
Jetzt hat der Oscar seinen Tiefpunkt, ebenso wie sein europäisches Publikum. Die Präsentation der besten Filmmusik und des besten Songs ist langweilig. Michael Giacchino dirigiert wie der Teufel und trotzdem schafft das Orchester nicht mehr wie einen Dreiviertel-Takt. Ach ja, gewonnen hat beides der "Slumdog Millionär" - langsam wird ein Muster deutlich. Und Danny Boyle braucht seine Hände, die er bei jedem Sieg seines Films freudig vor den Mund schlägt, eigentlich gar nicht mehr runter zu nehmen.
Wie schon vermutet, geht gleich darauf "Baader Meinhof" leer aus und der Oscar für den besten Auslandsfilm "Departures" nach Japan. "We`ll be back!" sagt der Regisseur Yojiro Takita und bekommt gleich noch Pluspunkte für die beste Arnie-Referenz des Abends.
Die Königsklassen
Regie und Film, das Double-Feature: Danny Boyle und "Slumdog Millionär", nur unterbrochen von bester Hauptdarstellerin und bestem Hauptdarsteller. Endlich: Kate Winslet gewinnt verdient und fällt ebenso fast in Ohnmacht wie Penélope Cruz, nicht ohne der 15-fachen Nominierungskönigin Meryl Streep in die Augen zu schauen und zu sagen: "Da musst du jetzt durch!"
Beim besten Hauptdarsteller stehen alle Zeichen auf Mickey Rourke, vor allem in dessen Gesicht! Fehlt nur noch der blinkende Neonpfeil über seinem Kopf, der ausspricht, was alle denken: "And the Oscar goes to ... Sean Penn for `Milk`!" Huh?? Nicht zu glauben, sollte die Academy doch kein gesichts- und meinungsloser Haufen sein. Sean Penn sieht das wohl genauso und bedankt sich mit dem (unübersetzbaren) "Thank you, you Commie, homo-lovin`sons of guns!" Mit einem Sturm auf die Bühne des kompletten Casts (sogar die Kinder) von "Slumdog Millionär" geht dann die 81. Oscar-Verleihung zu Ende. "Slumdog Millionär" räumt acht Preise ab, Kate Winslet hat endlich bekommen, was sie verdient und Heath Ledger ebenso. Hugh Jackman verabschiedet sich: "Für alle die zuschauen, macht weiter Filme und geht hin, um sie anzuschauen!" Amen. Gute Nacht.
INHALT
Seite 2:So gewinnen Sie den Oscar
Seite 3:Die Oscar-Nominierten für 2012
Seite 4:Märchenhaft
Seite 5:Im Rennen
Seite 8:Oscar 2009: Stolz wie Oscar
Seite 9:Oscar 2009: RAF-Drama kämpft um den Sieg
Seite 10:Rückblick: Oscar-Kandidaten 2009
Seite 11:Rückblick 2008: Vier Oscars für Killerfilm
Seite 12:Rückblick: Oscar-Gewinner 2008
Seite 13:Rückblick: Wer kriegt den Oscar?
Seite 14:Rückblick 2007: Wir sind Oscar
Seite 15:Oscar 2007 - Die Gewinner
Seite 16:Rückblick 2007: Oscar-Nominierungen
Seite 17:2007: Übersicht der Nominierten
Seite 18:Rückblick: Ellens Party
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Leser-Kommentare (2)
No country...
...for old men hat es wirklich verdient. Hut ab vor den Coen Brüdern und Javer Bardem, für dieses epische Meisterwerk...
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Oscar 2012
Die Gewinner
The Help: Beste Nebendarstellerin Octavi ![]()
Beginners: Bester Nebendarsteller: Christ ![]()
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