Operation Walküre: Geschichtsstunde
Selten zuvor hat ein Film derartigen Wirbel ausgelöst wie "Operation Walküre: Das Stauffenberg-Attentat". Jetzt beweist Regisseur Bryan Singer, dass er durchaus als Geschichtslehrer taugt.
Von Bettina Fachinger
"A story nobody knows!" ("Eine Geschichte, die keiner kennt!") - dieser kleine Satz flimmerte am Ende des amerikanischen Trailers zu "Operation Walküre" über die Leinwände. Beim deutschen Trailer war davon nichts mehr zu sehen! Ach ...
Film: Thriller
Operation Walküre: Das Stauffenberg-Attentat
von 20th Century Fox
Regie: Bryan Singer
Besetzung: Tom Cruise, Carice van Houten, Kenneth Brannagh, Bill Nighy, Christian Berkel, Terence Stamp
Bewertung: ![]()
Lange bevor "Walküre" in die Kinos kam, hagelte es Kritik wie Kanonenfeuer. Peter Steinbach, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, hielt Dreharbeiten für unmöglich: "Ich verwahre mich davor, dass der Ehrenhof der Gedenkstätte zum Schauplatz einer erneuten Hinrichtung des Protagonisten Stauffenberg, der durch Tom Cruise gespielt wird, benutzt wird." Stauffenbergs 72-jähriger Sohn Berthold sah das genauso: "Es ist mir unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe meinen Vater spielt."
Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmark wollte die Wogen glätten und veröffentlichte im Sommer 2007 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen ganzseitigen Artikel. Seine Aussage, Tom Cruise könne mit "Walküre" "das Ansehen Deutschlands mehr befördern, als es zehn Fussball-Weltmeisterschaften hätten tun können", bewirkte im Vorfeld allerdings eher das Gegenteil. Quasi schon darauf getrimmt, Tom Cruise zuerst und den Film gleich danach in der Luft zu zerreißen, setzt Deutschland sich also ab dem 22. Januar ins Kino.
Solide Geschichtsstunde
Und wird enttäuscht! Natürlich kann Tom Cruise der Ikone Stauffenberg und allem, wofür sie steht nicht gerecht werden. Vermittelt der Film eine bestimmte Moral? Beleuchtet er die Hintergründe und vor allem die komplexe Denkweise des deutschen Widerstandes?
Nö! Ein wenig blass kommt er daher, "unser" Stauffencruise, ein wenig steif, ein wenig klein. Seine Wandlung vom überzeugten Nazi zum Hitler-Gegner geht auch ein wenig zu schnell. Allerdings wollten die "Walküre"-Macher einen Ausschnitt der Geschichte darstellen und kein ewiges Epos über das Für und Wider der Nazizeit erschaffen.
Ebenso wenig ist "Walküre" eines dieser "Star-Vehikel", die die Filmografie von Tom Cruise leidlich dominieren. Cruise spielt zwar den Wortführer der Verschwörertruppe, aber keinen Titelhelden: Er wird zum gleichwertigen Teil eines Ensembles aus großartigen Schauspielern.
Da spielt Kenneth Brannagh den Pechvogel Henning von Treskow, der ebenfalls ein Hitler-Attentat geplant hatte und zum Dank dafür an die Ostfront versetzt wurde. Bill Nighy ist General Olbricht, dessen Zögern danach vielleicht viel schlimmer war als die Bombe in der Wolfsschanze selbst. Tom Wilkinson als schleimiger, meinungsloser General Fromm und Kevin MacNally als egoistischer Politiker Carl Friedrich Goerdeler formen mit ihrer Darstellung das Gesicht des Widerstands - und es ist kein symphatisches! Oscarreif? Nein! Spannend und unterhaltsam? Absolut!
Bryan Singer rettet den Film
Dank der großartigen Besetzung, aber vor allem dank des großartigen Regisseurs Bryan Singer, der sich mit Edel-Thrillern wie "Die üblichen Verdächtigen" als feste Größe im Krimi-Fach etabliert hat, ist "Operation Walküre: Das Stauffenberg-Attentat" letztendlich viel besser als der Ruf, der ihm vorausgeeilt ist.
Im Gegensatz zu vielen Krimis mit geschichtlichem Hintergrund ist der Zuschauer in "Walküre" immer auf Augenhöhe mit den Protagonisten: Wenn in Singer-typischen Großaufnahmen die Bomben zusammengebaut werden und Tom Cruise mit eingezogenem Kopf den Bunker verlässt, während es hinter ihm knallt, ist es fast egal, dass man den Ausgang der Geschichte eigentlich schon kennt - irgendwie wünscht man sich ein Hollywood-Happyend.
Doch im Gegenteil: Das Befehlschaos nach dem Attentat, die Fehlentscheidungen der Beteiligten, alles wird in glaubwürdigen Bildern erzählt, ohne die typische Hollywood-Glorie, mit der die Traumfabrik sonst gerne die Fakten verschandelt (siehe "Pearl Harbor").
Der Großneffe des Attentäters, Franz von Stauffenberg, hält übrigens nicht viel von Schauspieler Tom Cruise in dieser Rolle. Gegenüber der "Welt am Sonntag" sagte er, "der Film sei zwar nicht schlecht inszeniert, aber Tom Cruise verblasst neben seinen Kollegen." Er habe kaum Ausdruck, wirke steif und Humor habe er auch keinen. "Das Coole fehlt ganz einfach. Insgesamt ist er zu klein." Das Geschrei, wenn Cruise Stauffenberg als lässigen Freiheitskämpfer mit Superhelden-Attitüde dargestellt hätte, mag man sich gar nicht vorstellen ...
Erste Einblicke in Stauffenbergs Welt sehen sie in unserer "Bildergalerie", den Rest ab 22. Januar im Kino.
- Hier können Sie einen passenden und weiterführenden Link zum Thema vorschlagen.





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