Arbeiten beim Film: Die harte Arbeit der Komparsen
Komparsen sind unverzichtbar für Fernsehen und Kino, obwohl sie oft nur Bruchteile von Sekunden im Bild sind. Die Komparsin Christine Post erzählt von ihren Erfahrungen am Set und den Attitüden der Schauspieler.
Von Franziska Broich
"Um Himmels Willen", "Aktenzeichen XY" oder "Das Bayerische Jahrtausend" - als Komparsin stand Christine Post schon für viele Serien und Filme vor der Kamera. Dabei hat sie ungewöhnliche Orte gesehen und viele Einblicke in das Filmbusiness erhalten. Die 45-Jährige mit langem, grauen Haar hatte ihren ersten Komparsenjob schon als Studentin der Theaterwissenschaften in "Die Sehnsucht der Veronika Voss" von Rainer Werner Fassbinder im Jahr 1982. Heute bekommt sie ihre Jobs über "Real Life Casting", eine Agentur, die Komparsen und Kleindarsteller in Bayern vermittelt.
Komparsenschicksal: Schlittschuhlaufen bei Minustemperaturen und im Regen rocken
Komparsen sind hart im Nehmen - auch Christine Post hat schon alles mitgemacht. Für eine ZDF-Serie musste sie eine Nacht lang auf dem Tegernsee bei eisigen Temperaturen Schlittschuh laufen. "Das war ganz schön anstrengend und kalt", erzählt sie, "trotzdem war es eine besondere Erfahrung, die man sonst bestimmt nicht gemacht hätte." Für fünf Minuten Film werde meistens etwa zehn bis zwölf Stunden gedreht, erklärt Simone Conring, Geschäftsführerin von "Real Life Casting". Außerdem kommen die Komparsen an Orte, zu denen man normalerweise keinen Zutritt hat - zum Beispiel auf Burgen und Schlösser.
Beim Film muss auf viele Details geachtet werden - auch das lernt ein Komparse. Posts letzter Dreh war für eine Folge von "Um Himmels Willen". Da diese Folge im Winter spielte, durfte der Schnee natürlich nicht fehlen. Mit einem Eimer und verbranntem Papier versuchte die Filmcrew, Schnee vom Himmel rieseln zu lassen. Um eine Szene für "Aktenzeichen XY" aufzuzeichnen, wartete das Team extra Regen ab, damit die Szene möglichst nah an der Realität ist. Post spielte dabei eine Besucherin eines Rockkonzerts.
Viel Realismus für ein paar Minuten Film
Komparsen schlüpfen wie die Schauspieler in ungewöhnliche Rollen. Post spielte zum Beispiel bei der historischen Dokumentation "Das Bayerische Jahrtausend" mit. Für diesen Komparsenjob musste sie bereits zwei Stunden vor Drehbeginn vor Ort sein, um sich umstylen zu lassen. "Ich musste ein Korsett und ein bodenlanges Kleid anziehen. Außerdem habe ich zum ersten und vermutlich letzten Mal in meinem Leben einen "Cul de Paris" getragen", schmunzelt sie. Ein Cul de Paris ist ein Polster auf dem Gesäß, das Frauen um die Jahrhundertwende unter dem Kleid anzogen. Das Treppensteigen mit dem Kleid sei nicht einfach gewesen, erzählt sie. Dafür habe sie sich während des Drehs wie in einem anderen Jahrhundert gefühlt.
Außerdem kommt es bei Dreharbeiten immer wieder zu lustigen Verwechslungen. Polizisten, die nur Komparsen sind, werden zum Beispiel von ahnungslosen Passanten um Hilfe gebeten. Conring erzählt, dass sie einmal eine Schwangere gespielt habe. Als sie in der Pause rauchte, fiel ihre Freundin aus allen Wolken, weil sie plötzlich schwanger war und auch noch rauchte - dabei war der Bauch gar nicht echt. Und noch eine Kuriosität: Szenen in Supermärkten werden immer nachts oder sonntags gedreht, damit der normale Verkauf nicht gestört wird. Trotzdem sind auch dann Detektive anwesend, die aufpassen, dass die Komparsen nichts einstecken.
Veronica Ferres: Lieblingsschauspielerin der Komparsen
Komparsen drehen Seite an Seite mit berühmten Schauspielern, doch aufgeregt sei Post nicht mehr bei den Drehs. "Die Schauspielstars sind ganz normale Menschen", sagt sie. Manche seien hochnäsig und würden sich nicht mit den Komparsen beschäftigen. So entstehe an manchen Sets eine Zweiklassengesellschaft. Andere Schauspieler dagegen seien sehr nett und schätzten die Arbeit der Komparsen. Veronica Ferres begrüße jeden Komparsen persönlich und Marianne Sägebrecht habe sich beim Dreh für den Film "Oma in Roma" für die tollen Komparsen und die gute Stimmung bedankt.
"Komparsen werden fürs Warten bezahlt"
Conring, die Geschäftsführerin von Real Life Casting, vermittelte schon Komparsen für die Kinofilme "Sopie Scholl", "Der Untergang" sowie die bayrische Kultserie "München 7". Sie hat die Arbeit mit den Komparsen als Aufnahmeassistenz kennen gelernt. Dabei hat Conring Schauspieler wie Hans Clarin und Helmut Fischer durch Bayern gefahren und Hans Brenner beim Dreh auf dem Viktualienmarkt begleitet. Um Komparse zu werden, seien besonders Eigenschaften wie Geduld, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wichtig. "Man wird mehr fürs Warten bezahlt, als fürs Stehen vor der Kamera", sagt Conring. Das Honorar für Komparsen beträgt 50 Euro für bis zu acht Stunden Arbeit am Set.
Im Fernsehen oder auf der Kinoleinwand schaut sich Post selbst übrigens nicht immer an. Manchmal wisse man gar nicht, wann der Film ausgestrahlt wird. Außerdem sei man ja meistens nur kurz im Bild. Sie mag Komparsenjobs, denn "als Komparse wird man unterhalten und bekommt Geld dafür".
Mehr von Christine Post und ihrem Berufsallatag sehen Sie in unserer Bildergalerie.
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