Kochen ist Chefsache: Kochgott und Kochclown
Jean Reno, bei uns eher als grüblerischer Actionheld bekannt zeigt uns seine komischen Seiten: Als Gourmetkoch mit schweren Augenliedern muss er seine Küche gegen schnöselige Manager verteidigen und erhält Hilfe von einem leicht irren Hobbykoch.
Von Martin Haldenmair
Nach Frankreich zu reisen ist deswegen schön, weil es dabei in ein Land geht, in dem die Leute das Kochen ernst nehmen. Während wir Deutschen liebend gern teures Benzin verheizen um bei der Outlet-Backstube zwei Cent für labbrige Semmeln zu sparen, würde in Frankreich der Bäcker in seinem schlechten Teig ertränkt. Soweit das schöne, wenn auch nicht mehr ganz richtige Klischee. Selbst in Frankreich gibt es Fritten und Fast Food. Dennoch: Komödien, in denen die große Bedrohung von Molekularküche und Guide-Michelin-Kritikern ausgeht, können nur aus diesem Land kommen. "Kochen ist Chefsache" versucht daher auch gar nicht, besonders originell zu sein, sondern einfach nur, ganz leichtfüßig komisch zu sein. Hausmannskost sozusagen, professionell angemacht von Jean Reno und Michaël Youn, zwei Schauspielern mit dem Gefühl für den komischen Siedepunkt.
Film: Komödie
Kochen ist Chefsache
Daniel Cohen
Kinostart: 7. Juni 2012
Länge: 84 Minuten
Mit:
Jean Reno, Michaël Youn, Raphaëlle Agogué, Salomé Stévenin, Serge Larivière, Issa Doumbia, Bun-hay Mean
FSK:
ohne Altersbeschränkung
Bewertung: ![]()
Rezept für eine Komödie in der Küche
Man nehme einen Hobbykoch namens Jacky, gespielt von einem jungen, ständig herumtänzelnden Schauspieler namens Michaël Youn, der ein wenig an Benigni erinnert. Man gebe ihn zu einem Chefkoch namens Alexandre, gespielt von einem wuchtigen Vollprofi des Films, der bereit ist mit tiefhängenden Liedern mit seinem Alter zu kokettieren - Jean Reno. Die beiden lasse man in einem leichten Plot aufkochen: Alexandre muss auf Teufel komm raus seinen Michelin-Stern verteidigen, denn verliert er ihn, kann sich sein neuer Manager alles unter den Nagel reißen und aus seinem geliebten Gourmettempel ein chromblitzendes Eventkitchenmonstrum machen. Seine Assistenten hat er schon eingebüßt, also engagiert er kurzerhand Jacky für ein unbezahltes Praktikum.
Jacky, der Amateur, erklärt nun gestandenen Köchen, dass sie Auberginen zuhören müssen und er nimmt sich heraus, Alexandres Kreationen neu zu interpretieren. Schließlich habe er alle Kochbücher Alexandres studiert und wisse daher viel besser, was Alexandre eigentlich möchte. Profis und Amateur rumpeln mit schöner Regelmäßigkeit zusammen. Um das Chaos perfekt zu machen, verschweigt Jacky seiner hochschwangeren Frau, dass er seinen Job in den Wind geschossen hat, um ein unbezahltes Praktikum bei Lagarde zu machen.
Irre Ideen als Würze, nicht als Hauptgericht
Als Würze gebe man Seitenhiebe auf moderne Küche und schnöselige Manager hinzu und fertig ist der Pot au Feu. Achtung: Ohne hochklassige Fleischeinlage, also die beiden Hauptdarsteller funktioniert das Gericht nicht und wird fade. Hier spielen die beiden mit Freude und gutem Gefühl fürs Timing miteinander und gegeneinander. Der eine oder andere irre Einfall - wie der Besuch eines spanischen Molekularkochs mit Chemielabor in der Aktentasche (wohl eine Anspielung auf Ferran Adrià) - gibt noch etwas Würze dazu, ohne je aufdringlich zu werden. Eine sympathische Mischung aus traditioneller Küche mit ein paar modernen Anklängen ist das Ergebnis. Greifen Sie zu!
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