HomeCityguidePopkulturLifestyleShop

 

Wild Bunch/ Central Killing them Softly

 

Killing them Softly: Brad  Pitts  Botschaft

Killer mit kaputter Seele im kaputten New Orleans - das ist eine gute Geschichte. Leider erzählt "Killing Them Softly" nicht nur sie, sondern möchte auch noch eine etwas zähe politische Botschaft rüberbringen.

Von Martin Haldenmair

Obama verspricht den Wandel, Obama beschwört Einigkeit, Obama ruft zur Hoffnung auf. Der Wahlkampf 2008 kümmern die Menschen in "Killing them Softly" wenig: In einer kaputten Stadt (gedreht wurde in New Orleans) gehen sie ihren Geschäften nach: Kleinganoven Frankie (Scoot McNairy) und Russel (Ben Mendelson) rauben eine von der Mafia beschützte Pokerrunde aus. Auftragskiller Cogan (Brad Pitt) und Mickey (James Gandolfini) stellen ihnen nach. Ein Mafia-Mittelsmann (Richard Jenkins) verwaltet die mit den einzelnen Schlägereien und Morden verbundenen Aufträgen und Rechnungen. Business as usual, auch bei Mord und Totschlag.

Film: Thriller

Killing them Softly

Andrew Dominik

Kinostart: 29. November 2012

Länge: 104 Minuten

Mit: brad Pitt, James Gandolfini, Ray Liotta, Richard Jenkins, Scoot McNairy
FSK: ab 16

Bewertung:


Leute zu ermorden war auch schon mal glorreicher.

Gauner und Mörder aber sind auf ihre Weise alle etwas beschädigt. Frankie ist ein eher gutartiger Idiot. Sein Auftraggeber, seines Zeichens Wäschereibesitzer, leider ein gefährlicher Idiot, nämlich einer, der sich für schlau hält. Den Überfall will er dem Betreiber der Pokerrunde (Ray Liotta) in die Schuhe schieben. Die Mafia glaubt zwar keine Sekunde daran, lässt ihn aber dennoch vermöbeln, einfach nur um ein Zeichen zu setzen und setzt ihn - um in der öffentlichen Gangstermeinung nicht als schwach zu erscheinen - doch noch auf die Abschussliste. Die beiden Ganoven sollen sowieso dran glauben. Glücklicherweise wird der dauerhaft zugedröhnte Russel vorher von der Rauschgiftpolizei verhaftet.

Bleiben also nur mehr drei. Killer Cogan (Brad Pitt), der so auf das Töten insistierte, fordert Hilfe an. Eines der Ziele kennt er persönlich und er versucht, Privates und Berufliches zu trennen und den Opfern nicht zu viel Stress zu bereiten. Mickey aus New York, eine Legende seines Faches, steckt aber in tiefen Depressionen, redet lieber stundenlang über seine anstehende Scheidung und verbringt den Tag mit Nutten und Drinks. Wie wird man die Legende bloß wieder los, ohne ihr seelisch zu sehr wehzutun? Alles nicht so einfach im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Gelassene Grausamkeiten

Regiesseur Andrew Dominik stellt in "Killing dem Softly" einiges auf dem Kopf. Wilde Verfolgungsjagden und spannungsgeladene Versteckspiele? Fehlanzeige. Stattdessen meinten wir an einigen Stellen, einer neuen Version von Jarmuschs "Coffee and Cigarettes" zu sehen: Killer und Ganoven sitzen in Bars, Cafés, Diners und Hotelzimmern, rauchen und reden. Müde sind sie alle, zerschlagen vom Leben, jeder für sich ein einsamer Wolf. Dann aber zerreißen Szenen von magenhebender Grausamkeit die Gelassenheit, als sähen wir einen Film von Takeshi Kitano. Wenn Cogan und Partner den Ray Liottas Figur vermöbeln, ist das fern aller weichzeichnenden Hollywood-Ästhetik:

Die beiden prügeln und treten die Figur bis Blut und Erbrochenes fließt. Ein andermal, bei einem Mordanschlag in einem fahrenden Auto zeigt uns der Regisseur genüsslich die in Zeitlupe zersplitternde Glasscheibe, durch die sich das Projektil bohrt - unaufhaltsam seinem entsetzten menschlichen Ziel entgegen.

Der Fluch des Studentenfilms

Für seinen dritten Film arbeitet Regisseur Andrew Dominik zum zweiten Mal mit Brad Pitt zusammen. Das erste Mal war vor fünf Jahren für "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford". Schon dort spielte Brad Pitt, in dem er als Jesse James fast gar nichts sagte und tat und dabei ungeheuer bedrohlich wirkte. Das gleiche Rezept also für "Killing Them Softly", und es würde auch wunderbar funktionieren, würde sich der Regisseur nicht in Einfällen verzetteln, eine Politische Botschaft rüberzubekommen. Die Geschichte spricht doch schon für sich: Alles Gangster, alles Einzelgänger, alles Geschäftemacher - davon kann eine Gesellschaft nicht gesunden.

Müssen wirklich noch im Vorspann mit großen Toneffekten Obama-Reden eingeblendet werden? Müssen wir wirklich immer wieder und wieder im Radio einen Redeschnipsel zu hören bekommen? Müssen die Haupftiguren das wirklich auch noch kommentieren? Wir hätten die Botschaft auch selbst rausfinden können ("Amerika ist kein Land, Amerika ist ein Geschäft), ohne dass sie uns Brett Pitts Figur damit auf die Nase hätte hauen müssen.

So gerät der Film an einigen Stellen böse ins Rutschen: Spielereien mit der Kamera werden zum reinen Selbstzweck, Dialogszenen dehnen sich endlos - und am Ende kommt eben noch ein Redeausschnitt aus dem Radio. Der Studentenabschlussfilm, der auch immer ein bisschen mehr sein will als einfach nur ein Film, lässt grüßen. Ein Missgriff in der deutschen Version ist hierbei die Synchronstimme für Barack Obama, die hoch und blechern kaum dem Original ähnelt, dafür aber den Synchronstimmen für George Bush jr. und für John McCain ähnelt. Es ist zwar ein interessanter Effekt, wenn wir deutschen Zuschauer nicht zuordnen können, wer jetzt gerade die Phrasen drischt, doch wohl kein intendierter.

Der Anti-Thriller

"Killing Them Softly" ist ein intensiver Anti-Thriller, ein Abegsang auf Gangsterglorie, eine Kritik am Zustand des Landes, hochkonzentriert gespielt von Stars wie Brad Pitt und James Gandolfini sowie guten Newcomern wie Scoot McNairy und dem auf ewig zu brillanten Nebenrollen verdammten, zuverlässigen Richard Jenkins. Mit etwas Selbstdisziplin hätte er ein brillanter Film werden können, doch auch so ist er einen Gang ins Kino wert.

Mehr von der raffinierten Rettungsaktion sehen Sie in der Bildergalerie zu "Killing Them Softly", den Trailer zum Film können Sie hier ansehen.

Weiterführender Link: Offizielle Seite zum Film "Killing them Softly"
PASSENDES IM NETZ
Leser-Kommentare
BEITRAG SCHREIBEN

Überschrift

Name


Ihr Kommentar 
AGB

Beitrag abschicken
 

Killing them Softly

Zum Betrachten der Videos benötigen Sie den Flash Player 8
Anzeige