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Johnny Depp: Kein  gezähmter  Star

Nur manchmal verlässt Depp sein südfranzösisches Idyll, um auf Beutezug zu gehen. Das Ergebnis seiner letzten Kaperfahrt: das Entern des Disney-Vergnügungsdampfers mit seiner Hauptrolle in "Fluch der Karibik", Teil eins bis drei. Jeweils 20 Millionen Dollar soll er für die beiden Fortsetzungen bekommen haben, obwohl Depp bei seiner Performance keine Konzessionen ans Mainstream-Kino macht.

Der Pirat, den er gibt, ist eine Mischung aus spätem Keith Richards und Dragqueen, trägt Dreadlocks und Kajal und benimmt sich so offensiv tuckig, als wollte er jede Vorstellung von klassischer Männlichkeit verhöhnen. Immer noch amüsiert er sich darüber, wie verwirrt die Disney-Bosse reagierten, als sie zum ersten Mal das Rohmaterial zu Gesicht bekamen: "Sie fragten alle: Was zur Hölle tut er da eigentlich? Ist der schwul? Ist der besoffen?"

Nein, bloß der mit Abstand eindrucksvollste Special-Effect eines 140 Mil­lionen Dollar teuren Spektakels. Nur Depps unvergesslich schräge Darstellung machte aus einem bloßen Formel-Film einen grandiosen Sommerspaß. Weltweit spielte der "Fluch der Karibik" mehr als 655 Millionen Dollar ein.

Hollywood revanchierte sich für den ersten Blockbuster-Auftritt Depps mit einer Oscar-Nominierung. Seiner ersten überhaupt. Und bettelte ihn an, als Pirat weiterzumachen. Er musste nicht lange darüber nachdenken: "Ich fühlte mich, als hätte ich mich in das feindliche Heerlager geschlichen und dort meine Flagge gepflanzt. Nun hat sie schon Wurzel geschlagen. Mal sehen, wo das noch hinführt."

Dass er mit der Piraten-Trilogie in die A-Liste der Hollywood-Kassenmagneten aufgestiegen ist, zähmt ihn jedoch nicht zum Star, sondern macht ihn nur gefährlicher. In den Diensten von Disney kann er nun auch die Seelen unschuldiger Kinder kapern und sie für ein solides Leben verderben, indem er ihnen (und ihren erwachsenen Begleitpersonen) die Sehnsucht einschmuggelt, Freibeuter zu werden.

Bei seiner Tochter Lily-Rose Melody hat das schon geklappt. Als sie eines Abends in einem Restaurant von einer Frau am Nebentisch gefragt wurde, was ihre Eltern denn so täten, antwortete Lily-Rose, ihre Mutter sei Sängerin. Und dein Vater, fragte die Frau. "Mein Daddy ist ein Pirat", sagte sie.

Okka Rohd

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Leser-Kommentare (8)
nana (14.01.08 - 23:15)
Frankreich

Er lebt zusammen mit seiner Lebensgefährtin Vanessa Paradis und den gemeinsamen Kindern in Paris.

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