Hübners Avantgarde: Parallelwelten
Hollywood? Kann jeder. Doch wie steht es mit den wirklichen Perlen des modernen Films? Was macht sie zu etwas Besonderem? Dieser Frage geht der Filmautodidakt Fabian Hübner auf seiner Website "Ws-avantgarde.de" in einer neun Filmclips umfassenden Kinoschau des Avantgarde-Films nach.
Von Julian Rohrer
"Da wo Produktionen, die es allen versuchen recht zu machen, versagen, können diese Filme einen Menschen zu hundert Prozent erreichen - natürlich mit der bewussten Konsequenz, dass sie vielen für immer verschlossen bleiben." Mit diesen Worten leitet Fabian Hübner in einem Prolog eine Sparte des Kinos ein, die weit abseits von Hollywood und Mainstream ihren kreativen, eigenen und originellen Weg geht: das Avantgarde-Kino.
Befremdliche Parallelwelten
In acht kurzweiligen Episoden führt der Filmfan seine Zuschauer sprichwörtlich an der Hand durch die schrullige Welt von Filmemachern wie Jim Jarmusch oder Takeshi Kitano. Gerade Einsteigern bieten diese spannenden Kurzdokus alles, um Indiana Jones und Jason Bourne den Rücken zu kehren und sich auf eklektische Filmexperimente einzulassen. Fabian Hübner versteht es, nicht nur objektive Fakten zu vermitteln, sondern auch jene Emotionen in den Vordergrund zu stellen, die ihn selbst beim Betrachten dieser Filme berühren.
Dabei stellt Fabian Hübner relativ umfassend auch jene Werke der Regisseure vor, die lediglich Eingeweihten Freudentränen in die Augen treiben. Darüber hinaus finden auch Diskussionen der Szene ihren Weg in die Episoden. Er stellt beispielsweise die Frage nach der Bewertung von Quentin Tarantino: "'Reservoir' Dogs hat mich auf den Geschmack des Independent-Films gebracht. Doch je mehr Wissen ich aneignete, desto mehr verloren auch Tarantinos Filme ihren einzigartigen Status für mich."
Herzog, Kinski und eine ausgedehnte Autofahrt
Seine Leidenschaft für besondere Werke merkt man Fabian Hübner in jedem Moment seiner liebevoll aufbereiteten Clips an. In dem Clip über Jarmusch sieht man den Film-Fan beispielsweise über einem Auto durch die Stadt fahren, so, als hätte es der Meister selbst gedreht - wer sich nun fragt, wie das geht: Angucken! Seinen größten Tribut bringt er allerdings dem deutschen Kult-Regisseur Werner Herzog entgegen. Nicht nur seine Hass-Liebe zu Klaus Kinski kommt in Betrachtung, ebenso Episoden und Anekdoten, die auch für Eingeweihte von Interesse sind.
Der Esprit, der einen bei Wide Screen avant*garde erwartet, ist phänomenal. Leider wird es vorerst keine weiteren Episoden geben. Für Fans des Trash und jene, die an dieser Stelle die Nase runzeln, sei auf den Besuch Hübners bei Kult-Filmemacher Uwe Boll ("Alone in the Dark", "Postal", "Schwerter des Königs - Dungeon Siege") hingewiesen. Denn obwohl Uwe Boll schwer kritisiert wurde und als Niete seines Fachs gilt, überrascht er in diesem Interview definitiv...
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Leser-Kommentare (3)
@ Christian
Wenn du dir tatsächlich den Beitrag zu Werner Herzog angeschaut hast, was ich anhand deines Beitrags wage zu bezweifeln, wäre dir aufgefallen, dass dabei nicht nur auf die Werke mit Kinski eingegangen wird. Natürlich stehen diese im Vordergrund (vorallem Fitzceraldo) aber das liegt ja zum Teil auch daran, um das Verhältnis zwischen Kinski und Herzog zu verdeutlichen. Was ist daran falsch?
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