Der Gott des Gemetzels: Großes Theater im Kinoformat
Wenn sich zwei Kinder prügeln und ihre Fehler nicht einsehen wollen, ist es manchmal eine gute Idee, wenn sich die Eltern treffen und den Versöhnungsprozess vorantreiben. In "Der Gott des Gemetzels" löst das eine spannende Katastrophe aus.
Von Simon Heinrich
"Der Gott des Gemetzels" hält sich auch in seiner zweiten Kinowoche in den Charts. Europaweit hat er schon über sieben Millionen Dollar eingespielt - ein prächtiges Ergebnis bei einer Theaterverfilmung. In zwei Wochen kann er sich auf dem US-amerikanischen Markt gegen die hundertschaft spaßiger Weihnachtsfilme beweisen, die um die Gunst der Zuschauer buhlen. Er könnte tatsächlich erfolgreich sein, denn er vermag zu fesseln. Wir erklären wie.
Erwachsene unter sich
Nancy und Alan (Kate Winslet und Christoph Waltz) treffen sich in der Wohnung von Penelope und Michael (Jodie Foster und John C. Reilly), um über das Verhalten ihre Söhne zu sprechen. Bei einer Rangelei wurden dem Sohn der Gastgeber mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Schnell ist den Beteiligten klar, dass die Kinder miteinander reden und das ganze unter sich klären sollten.
Sich schon verabschiedet und vor dem Aufzug stehend, wird Nancy und Allen die alles entscheidende Frage gestellt: "wie wäre es noch mit einem Kaffee"? Keiner konnte wissen, dass die Büchse der Pandora hiermit schon einen spaltbreit geöffnet wurde.
Zurück in der Wohnung erreicht das Gespräch allerdings schnell eine neue Stufe. Aus Konsens wird Zwist, aus Ruhe Geschrei. Der Streit der Kinder steht hier nur noch stellvertretend für die gegensätzlichen Charaktere, die hier aufeinandertreffen. Unterstützt von Walter, einem Handy und einem Fön entsteht ein Streitgespräch, das tief in die Seelen der Streithähne blicken lässt. Würden die Kinder nicht immer wieder in die gegenseitigen Beleidigungen mit einbezogen, man hätte ihren Streit als Grundstein allen Übels fast schon wieder vergessen.
Fesselnde Inszenierung, oscarverdächtige Schauspieler
Die Story von "Der Gott des Gemetzels" ist sehr einfach erklärt, die Darstellung jedoch umso schwerer, wenn man den Zuschauer wirklich auf seinem Sessel halten will. Doch genau dies ist dem Regisseur Roman Polanski in atemberaubender Art und Weise gelungen. Die als Theaterstück geschriebene Geschichte spielt fast ausschließlich in einem Raum. Somit ist kein Platz für tolle Bilder oder Special Effects, das Können der Schauspieler ist gefragt. Und ihr Können hat geantwortet.
Keiner der vier Schauspieler ist hervorzuheben - es wäre den anderen einfach nicht gerecht. Egal ob Jodie Foster als exzentrische "Kunstexpertin" oder Christoph Waltz als sarkastisch zynischer Workaholic - die Schauspielleistungen sind allesamt oscarverdächtig. So wird "Der Gott des Gemetzels" zu einer mitreißenden Theaterverfilmung und zum Geheimtipp für die dunkle Zeit vor Weihnachten.
Schlüsselszenen sehen Sie in unserer Bildergalerie, mehr vom Film sehen Sie im Trailer.
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