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Disney Gefährten

 

Gefährten: Ritt  ins  Land  der  Träume

Das neue Meisterwerk von Steven Spielberg - macht zumindest die fünffache Oscarnominierung glauben. Bester Film, beste Kamera, beste Musik ... In diesen Kategorien ist er unter Anderem im Rennen. Wir sind leider beim Anschauen eingeschlafen.

Von Tim Wessling

"War Horse". Das klingt nach guter, stupider Unterhaltung. Waaaaaaar (gesprochen mit einem kleinen "Roar!" in der Stimme): Das kling nach Bumm und Peng und wahnsinnig krassen Effekten. Genau das, was ich heute brauche! Noch schnell Bier und Popcorn an der Kino-Theke holen und dann in den überdimensionalen Kinositz fläzen. Immerhin ist der Streifen von Steven Spielberg. Damals mit den Aliens in "Krieg der Welten" - das war der Hammer! Also: Hirn Aus. Krieg an.

Pferdezähmen, stundenlang

Ich werde grausam aus meinen Action-Phantasien gerissen. Die Handlung beginnt in einem winzigen englischen Dorf mit dem hübschen Namen "Devon" in der gleichnamigen Grafschaft. Dramatische Landschaftsaufnahmen, zwei Pferde, ein kleiner Junge. Junges Pferd wird verkauft. Papa kauft Pferd. Pferd kommt mit auf den Hof. Dieser wahnsinnig aufregende Handlungsstrang dauert eine gefühlte Stunde.

Dann endlich das erste Stückchen sinnvoller Handlung. Joey - so heißt der Super-Vierbeiner - kann endlich einen Pflug ziehen. Das Dorf applaudiert. Protagonist vor Hunger-Tod bewahrt. Alle glücklich! Tränen. Meine Augen werden schwer. Vor meinem geistigen Auge hüpft Sanya Saydo (Das ist die Chefredakteurin der Wendy) mit Blumenkränzchen über den Acker. Langsam schlafe ich ein. Sie hüpft und tänzelt und hüpft und singt ... und singt ... und ... Zack, da sind die Augen zugefallen.

Ein Traum vom Pferdeflüsterer und ein Drama vom verkauften Pferd

Mein Traum ist ein wilder Pferdeflüsterer-Fury-Mix. Ein paar Auszüge: Ich fliege in allerbester Spielberg-Manie über eine grüne Wiese, die Sonne geht unter. Schon wieder! Dann aber ein quietschpinker Wald. Hinter einer blauen Eiche findet sich eine Lichtung: Robert Redford bewirft dort Fury mit Cheeseburgern.

Ich werde wieder wach und will mich jetzt zusammenreißen. Joey hat auf der Leinwand mittlerweile wacker das Feld gepflügt, den Familienvater aber immer noch nicht vom Saufen abgehalten. Besoffen wie er ist, vertickt er den Gaul an die Armee. Dumm gelaufen. Der Sohn ist verzweifelt. Pferd weg. Tränen. Felder. Tränen. Sonnenuntergang. Felder ... Tränen ... Tränen ... Trä ... Tr ... Ich kann nicht mehr gegen meine Augenlider ankämpfen.

Und plötzlich ist Krieg

Mein Traum ist ein Fortsetzungsroman: Wieder dieser quietschpinke Wald. Diesmal treffe ich dort Miraculix beim Kräutersammeln. Er erzählt mir, dass ich mich in Acht nehmen sollte. Die Kavallerie würde gleich anrollen und ohne Zaubertrank hätte ich gegen die nichts zu melden. Ich versichere ihm, dass mich mein Bier schon retten wird und wache von einem nassen Oberschenkel ruckartig auf. Mist! Verschüttet! Neben mir schnarcht der schon etwas betagte Vertreter einer großen deutschen Zeitung laut vor sich hin.

Auf der Leinwand derweil immer noch das ewig gleiche Spiel: Ein Pferd in Großaufnahme. Wie abwechslungsreich! Aber dann: BUMMM! KRACH! Der Krieg ist ausgebrochen! Wo kommt der denn auf einmal her? Und eh er begonnen hat, ist er auch schon wieder vorbei. Tränen. Oh, ein Pferd in Großaufnahme. Déjà-vu ?

Kitsch und gute Botschaft

Trotzdem: Ich verstehe die tiefere Intention der ziemlich nicht-unterhaltenden Machart. Spielberg möchte mir sagen: Krieg ist schlecht! Vor allem für Unschuldige - in diesem Falle vor allem für Pferd Joey. Doch er versumpft in vollkommen übertriebenem Kitsch und Pomp. Das schläfert ein. Im wahrsten Sinne des Wortes.

An dieser Stelle müsste ich den Film eigentlich zur absoluten Katastrophe erklären - aber das tue ich nicht. Ich finde es nämlich durchaus nachvollziehbar, dass es Menschen gibt, die auf Leinwandfüllende Pferdeköpfe und wahnsinnig viel Tränen stehen. Wendy-Abonnenten zum Beispiel. Oder Fans von Robert Redford als Pferdeflüsterer. Ich jedenfalls finde "War Horse" - oder zu Deutsch "Die Gefährten" - ganz, ganz grauselig. Vielleicht mag es an diesem komischen Y-Chromosom liegen oder daran, dass ich schon damals im Urlaub mit drei Jahren nicht auf diese riesigen Viecher steigen wollte. Aber hey, ich bin wahnsinnig ausgeschlafen!

Mehr von der großen Show sehen Sie in unserer Bildergalerie.

Ausschnitte aus dem Film sehen Sie in unserer Galerie der Gefährten-Clips. Dort finden Sie auch den Filmtrailer zu "Gefährten".

Was sonst noch läuft und was demnächst startet, sehen Sie in unserer Galerie der Filmtrailer.

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