Filmfestival Cannes: Rückblick: Palmenfieber
Das legendäre Filmfestival in Cannes läuft noch bis zum 24. Mai. Schon die ersten Tage boten eine prickelnde Mischung aus mutigen Filmen und schönen Menschen.
Von Andreas Buchmann
Unglaublich, aber wahr: Selbst die ewige Glamour-Metropole Cannes spürt in der 62. Filmfest-Auflage die Folgen der Finanzkrise. Wo früher rauschende Abendevents mit magenfüllenden Buffets stattfanden, gab es dieses Jahr vor allem Cocktailempfänge. Doch keine Sorge: Das Auge bekommt nach wie vor eine Menge geboten - auf der Leinwand und auf dem roten Teppich vor dem Festivalpalast.
Routinierte Konkurrenten
Auf der Liste der Regisseure stehen wie gewohnt vor allem Routiniers - von Pedro Almodóvar über Ang Lee bis zu Quentin Tarantino. Auch ein deutscher Beitrag feiert an der Cote d'Azur seine Weltpremiere. Regisseur Michael Haneke präsentiert "Das weiße Band". Der Film spielt 1913/14, in der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg. In einem Dorf in Norddeutschland passieren seltsame Unfälle, die immer mehr den Charakter ritueller Bestrafungen annehmen. Das Werk steht am 21. Mai auf dem Spielplan, pardon: auf den "Horaires Projections" natürlich.
Wer unbedingt möchte, kann auch "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino für einen deutschen Film halten. Er wurde in Babelsberg gedreht, außerdem spielen neben Brad Pitt auch deutsche Stars wie Til Schweiger und Martin Wuttke mit.
Mutige Produktion
Als mutigster Film gilt dieses Jahr "Spring Fever" vom chinesischen Regisseur Lou Ye. Darin behandelt er das Thema Homosexualität und deren Tabuisierung in seinem Land. Ob die heimische Staatsregierung von dem Werk begeistert sein wird, muss sich erst noch zeigen. 2006 wurde Ye für "Summer Palace" schon einmal mit Arbeitsverbot bestraft.
Eckige Augen
Bis zum 23. Mai läuft die Jury um die französische Schauspiel-Ikone Isabelle Huppert Gefahr, sich eckige Augen zu gucken. Insgesamt zwanzig Leinwand-Events müssen an zehn Tagen bewertet werden. Auf die berühmte Goldene Palme dürfen sich folgende Filme Hoffnungen machen:
14.5.
Fish Tank (Regie: Andrea Arnold)
Spring Fever (Lou Ye)
15.5.
Bright Star (Jane Campion)
Thirst (Park Chan-Wook)
16.5.
A Prophet (Jacques Audiard)
Taking Woodstock (Ang Lee)
17.5.
Venegeance (Johnnie To)
Kinatay (Brilliante Mendoza)
18.5.
Looking For Eric (Ken Loach)
Antichrist (Lars von Trier)
19.5.
Broken Embraces (Pedro Almodóvar)
Vincere (Marco Bellocchio)
20.5.
Inglourious Basterds (Quentin Tarantino)
Wild Grass (Alain Resnais)
21.5.
In the Beginning (Xavier Giannoli)
Das weiße Band (Michael Haneke)
22.5.
The Time that remains (Elia Suleiman)
Enter the Void (Gaspar Noé)
23.5.
Face (Tsai Ming-liang)
Map of the Sounds of Tokyo (Isabel Coixet)
Einen Überblick über die Teppich-Schönheiten der ersten Tage finden Sie in unserer Bildergalerie.
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Leser-Kommentare (2)
Ich freu mich schon
Auf den neuen Tarantino. Allerdings wird das Gejammer wieder groß sein, da wieder mal die "bösen Deutschen" ihr Fett weg bekommen.
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